40 Jahre Klosterbergfest

Der Selbstläufer für den guten Zweck – das Klosterbergfest jährt sich zum 40. Mal

Basel feiert seit 40 Jahren ein Strassenfest für Kinder, die nicht auf die Strasse gehen, um zu feiern, sondern die auf der Strasse leben. Die bz blickt zurück.

Er will das nicht, will nicht zurückschauen, sich nicht erinnern, wie das damals war, vor 40 Jahren, als das Klosterbergfest noch nicht so hiess, aber seinen Anfang nahm. «Etliche Leute waren dabei, ich selber spielte am Anfang nur eine marginale Rolle, aber das ist doch egal, reden wir von heute», sagt Fotograf Onorio Mansutti.

Und ob die Geschichte eine Rolle spielt! Schliesslich feiert «sein» Fest Geburtstag. Aber eben, auch das will er nicht hören, denn es sei nicht sein Fest, sondern ein Strassenfest für alle. Und vor allem für jene, die selber nicht dabei sind: Die Kinder, die nicht auf die Strasse gehen, um zu feiern, sondern auf der Strasse leben.

Der Erlös des Klosterbergfestes geht an die Stiftung Kinder in Brasilien, die Onorio Mansutti einst gegründet hatte. In den ersten beiden Jahren wurde mit dem Gewinn eine Drogenberatung unterstützt. Die Idee, den Erlös einer fixen Institution zukommen zu lassen, fand bei den Helfern Anklang. Seither dominieren die Farben Grün und Gelb, und es geht auch sonst brasilianisch zu und her am letzten August-Wochenende, wenn der Klosterberg rammelvoll ist.

Was tun mit einem Geburtstag wie diesem? Mansutti porträtieren? Er winkt ab. «Sicher nicht!» Ein Caipirinha-Rezept in die Zeitung schreiben? Das wäre auch nicht besonders originell, heute, da jeder weiss, was es dafür braucht (Rohrzucker, Limetten, Eis, Cachaça).

Gut, dann picken wir eben drei wichtige Themen heraus, ohne die das Klosterbergfest nicht wäre, was es ist. Natürlich gehört der Drink dazu, natürlich auch Mansutti mit seinen Anekdoten, aber in einem Punkt müssen wir die Leserschaft enttäuschen: Da Mansutti selber jeweils an seiner Bar arbeitet, stammt kein einziges Foto auf diesen Seiten von ihm.

Die Tombola

Zunächst war es eine gewöhnliche Tombola, bei der es Mützen und Rucksäcke zu gewinnen gab. Onorio Mansutti fand das aber irgendwie «bünzlig» – und beschloss, das Konzept zu ändern: 10 000 Lose und nur sechs Gewinne – aber was für welche! Der erste Preis: ein Hin- und Rückflug nach Brasilien, gesponsert von der brasilianischen Fluggesellschaft Varig. Mansutti pflegte gute Kontakte zu der Firma: Das erste Kind, dem seine Stiftung eine Ausbildung ermöglicht hatte, fand dort als Erwachsener einen Job als Pilot. Marcelino war der erste Dunkelhäutige, der für die Gesellschaft flog.

Varig sponserte diese Tickets jahrelang und würde das auch heute noch tun, wenn die Firma inzwischen nicht Konkurs wäre. Heute bezahlt die Tickets ein privater Sponsor. Es gab Anfang der Achtzigerjahre auch mal eine Tombola ohne Flüge, dafür mit einem Renault Twingo als Hauptgewinn. Die Schweizer Künstlerin Susi Kramer hatte den Wagen zuvor bemalt. Bis zur Verlosung am Sonntagnachmittag sollte das Auto neben der Bühne stehen und die Blicke der Besucher auf sich ziehen.

Das klappte zwei Abende lang ganz gut, am Sonntagmorgen in der Früh aber, als Mansutti mit dem Besen in der Hand und müde vom Vorabend am Klosterberg ankam, war der Wagen weg!
Die Polizei leitete eine Fahndung ein – und fand den bunten Wagen am Stadtrand, schmutzig und mit halb leerem Tank. Ein «Lausbubenstreich» sei das gewesen, liess die Polizei Mansutti wissen, und brachte das Auto pünktlich zur Verlosung zurück. Gewonnen hat es jener Mann, der die Zelte für das Klosterbergfest lieferte. Die Zelte waren zu gross für den Twingo, gefreut hat sich der Mann trotzdem über den Gewinn.

Der Caipirinha

Das Klosterbergfest sei inzwischen ein einziges Massenbesäufnis, heisst es immer wieder. Onorio Mansutti sagt dazu nur: «Das war es schon immer. Es ist halt ein Strassenfest.» Ein Strassenfest, das war es schon, als Mansutti vor Jahrzehnten noch mit einem einzigen Sonnenschirm und einem winzigen Tischchen am Klosterberg stand und Drinks mixte, die hier kein Mensch kannte. «Was ist denn das?», fragten die Gäste neugierig. «Probier mal», antwortete Mansutti.

Es dauerte nicht lange, bis sich herumgesprochen hatte, dass es am Klosterbergfest ein exotisches Getränk namens «Caipirinha» zu trinken gibt. Der Umsatz war im ersten Jahr mit 180 Franken bescheiden; heute nimmt Mansutti für seine Stiftung Tausende Franken damit ein.

Zu jener Zeit gab es den Drink nur in Brasilien, inzwischen ist er auf der ganzen Welt zu haben. Und das Klosterbergfest wäre nicht das Klosterbergfest, stünde Mansutti nicht Jahr für Jahr selber am Caipi-Stand. Ausgeschenkt wird der Caipi in Mehrwegbechern, die von Künstlern gestaltet werden. «Die Leute sollen die Becher sammeln», wünscht sich Mansutti.

Mehrwegbecher eingeführt hat er zu einer Zeit, als noch niemand etwas davon wissen wollte. Im Vordergrund sei der Umweltgedanke gestanden. Für dieses Jahr hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen: Er liess ein Foto eines befreundeten und erfolgreichen brasilianischen Fotografen auf die Becher drucken. «Wunderschön!», sagt Mansutti. Gerne würde er den Namen des Fotografen nennen, bloss: «Ich möchte ihn an Weihnachten mit seinen Bechern überraschen.»

Also schreiben wir keinen Namen; nicht, dass der Mann erfährt, dass bald Tausende aus seinem Becher trinken werden.

Die Showeinlagen

Konzerte, Clowns, Marktstände. Es läuft einiges an diesem Wochenende. Mansutti sagt allerdings: «Die Nachmittage haben wir teilweise vernachlässigt.» Das soll sich dieses Jahr ändern: Als Höhepunkt nebst den Konzerten, die nachmittags beginnen, bezeichnet Mansutti die Spitalclowns der Stiftung Theodora. Am Sonntag ab 13 Uhr werden diese Zirkusflair an den Klosterberg bringen.

Wobei der Zirkus schon immer eine Rolle spielte. Einmal tanzte der Artist Martin Remagen über ein Seil, das hoch über dem Klosterberg über den Köpfen gespannt war. Ein Speaker kündete die Überraschungseinlage an – und das Publikum bangte, dem Seiltänzer möge nichts passieren. Es ist nichts passiert.

Ganz früher gab es noch Sackhüpfen und Seifenkistenrennen, und einmal flog eine Getränkefirma zu Promo-Zwecken Strassenkünstler aus den USA ein, die in Luftballons stiegen und diese dann aufbliesen. Ebenfalls an Zirkus erinnerte Mansuttis Lama-Ausstellung bei den Pyramiden oberhalb des Klosterbergs, wo seit einigen Jahren als Ergänzung zum Fest ein Souk durchgeführt wird. Dort grasten zwischen Heuballen rund 20 Lamas aus dem Basler Zolli. «Eigentlich wollte ich Kamele haben, doch ich bekam nur Lamas», sagt Mansutti.

Es war ein einmaliger Gag, da der Chef eines eher edlen Essstandes den Gestank nicht unbedingt förderlich fand für sein Ambiente. Apropos Essen: Mit Zirkus hat das zwar wenig zu tun, doch zu Essen gibt es Unmengen am Klosterbergfest, das versteht sich von selbst.

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