Offene Geschäfte
Der Sonntag am Verhandlungstisch – wird der Ruhetag bald zum Shoppingtag?

Im Hintergrund laufen Gespräche zwischen Pro Innerstadt, Basel Tourismus und Ladenbesitzern den Sonntag zu öffnen.

Rahel Koerfgen
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Ein offener Spalenberg am Sonntag? Die Ladenbesitzer sind skeptisch, lassen sich für die Idee aber auch begeistern.

Ein offener Spalenberg am Sonntag? Die Ladenbesitzer sind skeptisch, lassen sich für die Idee aber auch begeistern.

Roland Schmid

Verriegelte Türen, heruntergezogene Rollläden – für shoppingwillige und hungrige Touristen ist am Sonntag in Basel nicht viel zu holen. Während in Luzern etwa 40 Geschäfte, Cafés und Restaurants geöffnet sind, herrscht hier tote Hose. Einzige Ausnahme: Johann Wanner mit seinem Weihnachtsschmuckgeschäft am Spalenberg. Seit zwei Jahren verkauft er sonntags hauptsächlich Schweizer und Basler Souvenirs. «Besonders bei japanischen Reisegruppen kommt das gut an», sagt er. Sie seien froh, dass wenigstens ein Laden sonntags geöffnet habe. «Und zeigen sich irritiert darüber, wie verwaist Basel ist.»

In der Vergangenheit wiederholten sich die Versuche, die Diskussion zum Sonntagsverkauf neu zu lancieren. Wie etwa im November 2015, als Ex-Stadtentwickler Thomas Kessler laut über eine Sonntagsöffnung rund um die Schifflände nachdachte – und damit insbesondere Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) verärgerte.

Prompt wurde er von seinem Vorgesetzten Guy Morin (Grüne) zurückgepfiffen. Seither herrscht Eiszeit. Eine Gesetzesvorlage, die auf eine Motion von Grossratspräsident Joël Thüring (SVP) zurückgeht, liegt zwar bei der Wirtschafts- und Abgabenkommission. Dabei geht es aber um die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten an Werk- und Samstagen.

Der Besitzer hinterm Tresen

Im Hintergrund laufen allerdings neue Gespräche zum offenen Sonntag. Vergangene Woche fand ein Treffen zwischen Vertretern von Basel Tourismus, des Gewerbeverbands, des Vereins Pro Innerstadt und Ladenbesitzern statt, wie die bz erfahren hat. Der Ansatz: Das Arbeitsgesetz des Bundes verbietet es zwar, sonntags ein Geschäft zu öffnen und Angestellte zu beschäftigen. Ist es jedoch inhabergeführt und steht der Besitzer am Sonntag im Laden, liesse sich das Vorhaben im Sinne des Familienbetriebs umsetzen.

Darauf angesprochen, gibt sich der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff zurückhaltend: «Es geht uns primär nicht ums Shoppen an sich, sondern um die Belebung der Innenstadt.» Eine theoretische Überlegung sei derzeit etwa, dass gewisse Geschäfte in bestimmten Quartieren immer den ersten oder letzten Sonntag im Monat geöffnet haben könnten. «Dafür müsste man aber willige Geschäftsinhaber finden.» Ein entsprechendes Konzept stellt Egloff frühestens im Herbst in Aussicht. Demnächst soll auch das Gespräch mit der Regierung gesucht werden.

Andi Schwarz, der am Spalenberg ein Geschäft für Hutmode betreibt, kommentiert das jüngste Treffen so: «Basel Tourismus und Pro Innerstadt wollten ausloten, wer überhaupt bereit wäre mitzumachen.» Er selbst sei nicht abgeneigt, die Idee weiterzuverfolgen, sei aber skeptisch. «Damit sich ein verkaufsoffener Sonntag in finanzieller Hinsicht lohnt, müssten zahlreiche Läden geöffnet sein. Und da habe ich meine Bedenken.»

Johann Wanner bestätigt auf Anfrage, dass das Geschäft am Sonntag nur selten rentabel sei. «Deshalb wünsche ich mir ja, dass weitere Läden mitziehen.» Und Mathias F. Böhm, Geschäftsleiter Pro Innerstadt, sagt dazu: «Tatsächlich braucht es eine anständige Masse, um das Angebot bei Touristen und Stadtbesuchern bewerben zu können und einen spürbaren Effekt zu erwirken.»

An den Ruhetag halten

Glaubt man Schwarz, sind im Bereich Spalenberg und Schneidergasse nur wenige Inhaber bereit, am Sonntag hinter dem Ladentisch zu stehen. Erika Ottenburg von der Messerschmiede am Spalenberg ist dagegen. Sie meint, man solle sich an den Sonntag als Ruhetag im christlichen Sinne halten. Es gibt aber auch andere, die sich für die Idee begeistern. Etwa Carmen Martino, Inhaberin des Kerzenfachgeschäfts Swiss Candles in der Schneidergasse: «Ich wäre sofort dabei.»

Nicht selten würden Touristen am Sonntag ans Schaufenster klopfen, wenn sie im Laden gewisse Arbeiten erledige. «Ich habe schon einige Male spontan geöffnet und gut verkauft», sagt sie, und beklagt sich, dass die Stadt am Sonntag «total tot» sei. Sie treffe ständig Touristen, die sich darüber sehr enttäuscht zeigen.

Aber auch Martino führt als Bedingung an, dass viele Geschäfte mitziehen müssten, «sonst lohnt der Aufwand nicht». Ausserdem müsse parallel dazu gastronomisch was geboten werden. «Ein paar offene Cafés würden das Ganze beleben.»

Entsprechende Absichten existieren: Dem Vernehmen nach überlegt sich die Leitung der Confiserie Bachmann, nebst der Filiale an der Schifflände auch jene an der Gerbergasse sonntags aufzuschliessen. Noch spielt sich aber alles im Hintergrund ab.