Shopping
Der Sonntagsverkauf in Basel zieht nicht wirklich

Die Bilanz zum Sonntagsverkauf fällt zwiespältig aus. An der gestrigen zweiten Auflage hatten nicht einmal die Hälfte der Geschäfte in der Innenstadt geöffnet.

Rolf De Marchi
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Ein Gedränge in der Freien Strasse: Sonntagsverkauf im Oktober 2010.

Ein Gedränge in der Freien Strasse: Sonntagsverkauf im Oktober 2010.

Juri Junkov

Als vor einem Jahr Pro Innerstadt, der Basler Verein von Detaillisten und Dienstleistern, zum ersten Mal während der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld in der Basler City einen Sonntagsverkauf durchführte, fiel die Bilanz von Pro-Innenstadt-Präsident Urs Welten positiv aus: Zufrieden sei er und die Stadt habe «dem internationalen Publikum gezeigt, dass Basel eine offene Stadt ist.»

Dass allerdings viele Ladenbesitzer diese Meinung augenscheinlich nicht teilen, beweist die Tatsache, dass an der gestrigen zweiten Auflage dieses Sonntagsverkaufs in der Innenstadt nicht mal die Hälfte der Geschäfte geöffnet hatte.

Waren in der Aeschenvorstadt beispielsweise bis auf eine Ausnahme alle Geschäfte geschlossen, waren in der Steinenvorstadt und in der Freien Strasse immerhin zirka zwei Drittel der Läden geöffnet. In der Gerbergasse waren es vielleicht die Hälfte und im Kleinbasel, wo die Baselworld stattfindet, waren es weit weniger als die Hälfte, die ihre Türen geöffnet hatten. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an eine Umfrage des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) im vergangenen Jahr, bei der sich nur 16,6 Prozent der antwortenden Geschäfte für einen Sonntagsverkauf während der Baselworld ausgesprochen hatten.

«Total frustrierend»

Durchzogen auch die Bilanz in den offenen Geschäften: Zeigte sich das Personal in den grösseren Geschäften wie Vögele, H&M oder Schild einigermassen zufrieden (die meisten verglichen den Geschäftsgang mit einem durchschnittlichen Wochentag), fiel das Fazit in den kleinen Geschäften und Boutiquen eher negativ aus. Es lohne sich nicht, meinte eine Filialleiterin in der Steinen, und im Kleinbasler Clara-Shopping fiel gar die Äusserung «total frustrierend». Eine Verkäuferin meine, sie würde lieber in Ruhe den Sonntag mit ihrer Familie geniessen und sich von den langen Arbeitstagen unter der Woche erholen als sinnlos im Laden rumzustehen; eine Meinung, die übrigens auch von den Gewerkschaften Unia und Syna geteilt wird.

Nicht viel besser sieht das Bild bezüglich der gezielt angesprochen internationalen Gäste der Baselworld aus. In kaum einem Geschäft waren in den ersten drei Stunden der insgesamt fünfstündigen Verkaufszeit von 13 bis 18 Uhr ausländische Kunden verzeichnet worden.

Japaner eher an der Besichtigung der Stadt interessiert

Und ein auf dem Marktplatz angesprochenes japanisches Paar meinte, Shoppen könnten sie besser zu Hause in Japan, sie seien in erster Linie an der Besichtigung der Stadt interessiert. Immerhin konnten im Kleinbasel in der Greifengasse ein paar gut gekleidete, ausländisch wirkende Personen mit Einkaufstaschen diverser Basler Geschäfte registriert werden.

Der auf diese nicht gerade überwältigenden Eindrücke angesprochene Präsident der Pro Innenstadt Urs Welten meinte, es sei noch zu früh, um ein abschliessendes Urteil zu bilden. Er werde diese Woche mit den Mitgliedern des Vereins zusammensitzen und Bilanz ziehen; dann werde sich entscheiden, ob die Pro Innenstadt einen der vier vom Kanton bewilligten Sonntagsverkaufstage pro Jahr neben dem während der Herbstmesse und den beiden Sonntagen in der Adventszeit auch in Zukunft während der Baselworld abhalten soll oder ob er nicht besser beispielsweise im Mai durchgeführt werden muss.