Einfach aufs nächste E-Bike steigen und losfahren, ohne Stau- und Parkplatzsorgen: Für bis zu 800 Personen, die jeden Tag in Basel und nächster Umgebung das Elektrovelo-Verleihsystem Pick-e-Bike benützen, ist das seit über einem Jahr zur praktischen Gewohnheit geworden. Doch der Spass hat seine Grenzen. Je nach Ziel wird man das Velo nicht mehr los, weil man es nicht in allen Gemeinden rund um Basel stehen lassen darf.

Bemerkbar macht sich das zum Beispiel am Birsköpfli. Auf der Basler Seite kann man das Velo stehen lassen, auf der Birsfelder nicht – was viele wohl erst dann merken, wenn das satellitengesteuerte System das Beenden der Miete nicht zulässt. Der Grund: Birsfelden ist nicht im Benützungsperimeter von Pick-e-Bike. Abgedeckt ist zwar das ganze Leimental und ausser Aesch auch das ganze Birseck inklusive Dornach. Neben Birsfelden fehlen aber Muttenz und Pratteln.

Erst abwarten, was die Stadt Basel macht

Doch das liegt nicht an diesen Gemeinden, sondern an der Firma Pick-e-Bike selber. Es seien derzeit schlicht nicht genug Elektrofahrräder vorhanden, um in weiteren Gemeinden tätig zu werden, erklärt Stephan Brode, CEO der Firma Pick-e-Bike, an der die Baselland Transport AG (BLT), die Basler Kantonalbank und Primeo Energie beteiligt sind.

«Für eine Erweiterung des Fahrzeugparks brauchen wir Kapital, das muss man sich erst verschaffen.» Wie viel ein einzelnes Bike kostet, ist schwankend. «Es hängt davon ab, wie gut wir mit dem Lieferanten verhandeln.» 

Pick-e-Bike wartet auch noch aus einem anderen Grund mit der Expansion: Derzeit läuft in Basel die Ausschreibung für ein Veloverleihsystem, das vermutlich Staatsgelder erhalten soll. Falls Pick-e-Bike den Zuschlag erhält, bedeutet das den Zukauf einer grossen Anzahl zusätzlicher Velos. In diesem Zug auch noch grad die fehlenden Baselbieter Gemeinden abzudecken, sei sinnvoll, sagt Brode.

Keine Lösung ist für ihn hingegen, bereits jetzt die derzeit zirkulierenden rund 300 Bikes provisorisch auf mehr Gemeinden zu verteilen. Das Unternehmen hat sich nämlich selber zum Massstab gesetzt, pro Quadratkilometer Siedlungsfläche mindestens 10, idealerweise 15 Bikes zur Verfügung zu stellen. «Es soll möglichst alle paar Meter eins auf der Strasse stehen», sagt Brode. So bräuchte es in Muttenz rund 20 zusätzliche E-Velos.

Vorsorglich hat Pick-e-Bike Gespräche mit den noch nicht angeschlossenen Gemeinden geführt. Es gibt aber wenig Grund zur Annahme, dass es in Aesch oder auch in Birsfelden oder Muttenz weniger Bedarf gibt als in den bereits abgedeckten Gemeinden. Dort, hat das Unternehmen festgestellt, werden die Leihvelos vor allem zum Arbeitspendeln benutzt, dafür am Wochenende weniger. Offensichtlich setzen viele Vorortbewohner fest auf das Verleihsystem.

In Pratteln, wo nicht mal eine angrenzende Gemeinde bei Pick-e-Bike mitmacht, waren im Januar 74 Bewohner in der App angemeldet. Der Gemeinderat zeigte sich aufgrund einer Anfrage im Einwohnerrat interessiert, bei Pick-e-Bike mitzumachen, und erklärte sich sogar bereit, eine Anschubfinanzierung zu leisten.

Birsfelden ist noch nicht angefragt worden. «Aber wir sind grundsätzlich an allen neuen Mobilitätskonzepten interessiert», sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann.

Sponsoring anstatt Anschubfinanzierung

Pick-e-Bike zitiert in einer Werbebroschüre begeisterte Gemeinderäte, etwa aus Riehen und Allschwil. So meint der Dornacher Gemeindepräsident Christian Schlatter: «Eine Person schafft es dank Pick-e-Bike gerade noch rechtzeitig zum Coiffeur, eine andere kann neuerdings zum Mittagessen nach Hause flitzen.» Zögernd zeigt sich nur Aesch. An der Gemeindeversammlung im Juni sagte der Gemeinderat auf Anfrage, die geforderte Anschubfinanzierung sei zu hoch. Man warte deshalb erst einmal die weitere Entwicklung ab.

Um solchen Bedenken entgegenzuwirken, überlegt sich Pick-e-Bike ein Sponsoring-System. Die Bikes könnte man mit Werbung bekleben. Mit einem Aufleger im Gepäckträger hat das Unternehmen bereits experimentiert.