Alarmzentrale
Der Spiegelhof soll im Falle eines Erdbebens nicht mehr wackeln

Die Basler Alarmorganisationen haben in Zukunft nur noch zwei statt fünf Einsatzzentralen: Für Sanität und Feuerwehr kommen die Anweisungen in Zukunft aus dem Lützelhof, für die Polizei und den Krisenstab aus dem Spiegelhof.

Nicolas Drechsler
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Hinter diese Fassade im Spiegelhof kommt die neue Einsatzzentrale.

Hinter diese Fassade im Spiegelhof kommt die neue Einsatzzentrale.

Nicole Nars-Zimmer niz

Die Erde bebt, die Stadt wackelt, und die Alarmzentralen von Polizei, Feuerwehr und Sanität stürzen als erstes in sich zusammen. So ungefähr würde sich die Situation bei einem schweren Erdbeben in Basel heute präsentieren. Kantonspolizei, Sanität, Feuerwehr und Krisenstab haben insgesamt fünf Alarmzentralen, die allerdings weder redundant sind, sich also gegenseitig nicht ersetzen können, noch sind sie – und das wiegt wesentlich schwerer – erdbebensicher. Dieses Prädikat kann derzeit nur der Lützelhof, die Alarmzentrale der Feuerwehr, für sich beanspruchen, der 2008 auf Gummilager gestellt wurde. Aber auch hier müssen nochmals zehn Millionen Franken investiert werden, dies vor allem in die Technik.

Aus Fünf mach Eins

Gestern hat nun das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) gezeigt, wie es sich die Situation in Zukunft vorstellt: Statt fünf gibt es nur noch zwei Alarmzentralen, die aber vollständig redundant sind. Für Sanität und Feuerwehr kommen die Anweisungen in Zukunft aus dem Lützelhof, für die Polizei und den Krisenstab aus dem Spiegelhof. Dort wird, statt der Einstellhalle im Hof, eine komplett neue Einsatzzentrale gebaut, die nicht bei jedem Erdbeben zerbröselt. Zudem soll sie auch besser vor Angriffen und Beschuss gesichert sein als die heutige, die sich im obersten Stock des Spiegelhofs befindet. Das Projekt liegt mit Kosten von 50 Millionen Franken genau im Rahmen dessen, was Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) bereits im August 2014 in der bz angekündigt hatte: «Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.»

Doch nicht nur die Einsatzzentrale der Polizei soll neu gebaut werden. Auch im Rest des Spiegelhofs sollen Räume umorganisiert und umgenutzt werden. Denn die Mitarbeiter legen hier täglich etliche unnötige Leistungskilometer zurück, weil das Gebäude aus den 1930er-Jahren längst nicht mehr den Anforderungen entspricht.

Im Normalbetrieb sollen die Alarmzentralen weiterhin separat voneinander betrieben werden. Nur wenn eine ausfällt, würde die jeweils andere ihre Funktionen nahtlos übernehmen. Da beide Zentralen gleich aufgebaut sind, können sie sowohl von geschulten Mitarbeitern der Feuerwehr als auch der Polizei betrieben werden. Eine Personaleinsparung sei aber dadurch weder möglich noch geplant, sagte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr.

Das Ende langer Debatten

Mit diesem Ratschlag setzt die Regierung einen Schlusspunkt hinter die bereits seit gut 15 Jahren andauernden Diskussionen rund um die Einsatzzentralen. Drei Sicherheitsdirektoren und drei Polizeikommandanten hatten sich mit einer Vielzahl von Varianten auseinandergesetzt, die bis hin zu einer neuen Kommandozentrale für die Polizei im Zeughaus reichten. Nun wird es zudem möglich, die Einsatzzentralen des Krisenstabs an der General Guisan-Strasse, die der Sanität an der Mittleren Strasse und die der Autobahnpolizei bei der Schwarzwaldbrücke zu schliessen. Sofern der Grosse Rat die benötigten Mittel bewilligt. Arbeit wird der Umbau übrigens auch für die Archäologen geben: Beim Bau vor 90 Jahren wurden Hausgrundrisse aus dem Mittalalter gefunden, der Spiegelhof steht auf fundstück-trächtigem Boden.

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