Aussergewöhnlich ist nicht nur, dass ein Anzug, also eine schwache Form eines parlamentarischen Vorstosses, durch einen Stichentscheid abgewiesen wird. Selten ist auch, dass sich nach einer kontroversen Diskussion 13 von 100 Basler Parlamentariern und Parlamentarierinnen der Stimme enthalten. Auch wenn dies ihr gutes Recht ist, stellt sich die Frage: Was steckt dahinter?

Eine Umfrage bei einigen Parlamentariern, die weder Ja noch Nein gesagt haben, ergibt mehrere Gründe für das Abstimmungsverhalten. Zum Beispiel zwei SP-Vertreter: Weder Martin Lüchinger noch Atilla Toptas waren unentschieden gegenüber der Sprachquote. Im Gegenteil: «Ich bin der Meinung, der Anzug hätte falsche Signale ausgesendet», sagt Lüchinger, der kürzlich als Parteipräsident zurückgetreten ist. Lernchancen müssten durch soziale Integration und Frühförderung gestärkt sowie durch gute Quartierstruktur verbessert werden.

Gleich ging es Atilla Toptas: «Ich bin von meiner Enthaltung nicht überzeugt.» Er fände eine Quote nicht zielführend. Dennoch enthielten sich beide der Stimme und bewiesen - zumindest teilweise - Fraktionsdisziplin: Die SP hatte als einzige Partei die Ja-Parole gefasst.

Lehmann: «Anzug ist bedenkenswert»

In der politischen Mitte gab es Enthaltungen in die andere Richtung: Ernst Mutschler (FDP) hat sich enthalten, obwohl er den Vorstoss mit unterzeichnet hat. Und CVP-Grossrat Markus Lehmann findet den Anzug «bedenkenswert», wollte aber das Nein der eigenen Fraktion nicht torpedieren. Ihn hat, wie viele andere auch, das knappe Resultat überrascht.

Lehmann weist auch auf die 19 laut Abstimmungsspiegel «Abwesenden» hin. Einige von ihnen seien an ihren Plätzen gesessen, ohne den Knopf zu betätigen.

Enthalten hat sich auch Michael Wüthrich vom Grünen Bündnis. Der Hauptgrund: Er ist selber Lehrer. «Ich enthalte mich bei Geschäften des Erziehungsdepartements.» Eigentlich sei er gegen die Sprachquote. Die Geschäftsordnung des Rates hält die Mitglieder an, sich bei Interessenskonflikten der Stimme zu enthalten.

Wiederum einen anderen Grund für seine Enthaltung hatte Eduard Rutschmann (SVP). Er war unentschieden ob den Argumenten beider Seiten und plant nun einen eigenen Vorstoss für Niveau-Unterricht auf der Primarstufe, wie er auf der Sekundarstufe üblich sei, um vorhandene Talente zu fördern.