Kommentar
Der Staat auf Bewährung

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Sollte im Gesundheitswesen eher in Regionen als in Kantonen gedacht werden?

Sollte im Gesundheitswesen eher in Regionen als in Kantonen gedacht werden?

Kenneth Nars

Es war wohl eine Frage von Tagen, wenn nicht gar Stunden. Der Entscheid der Behörden, die Basler Fasnacht im allerletzten Moment abzusagen, erweist sich als Glücksfall, als politischer Entscheid von grosser Weitsicht. Die Region Basel wäre sonst eines der Epizentren der Corona-Pandemie geworden. Was es bedeutet, wenn ein Gesundheitssystem zusammenbricht, kennen wir von Bildern aus Bergamo oder wohl bald auch aus New York. Stattdessen erhalten wir vom Gesundheitsdepartement einigermassen beruhigende Zahlen. Vorausgesetzt, die ­Kurve der Ansteckungen flacht weiter ab und die Bevölkerung hält sich an die Verhaltens­regeln, dürfen wir in der Region davon ausgehen, von solchen Horrorszenarien verschont zu bleiben.

Damit verknüpft ist eine politische Frage, die sich in der Zeit nach der Pandemie stellen wird: Was ist uns ein Gesundheitssystem wert, das für den Fall der Fälle gut gerüstet ist? Oder, weiter gefasst: Wie muss der Staat organisiert sein, um in einer solchen Notsituation handlungsfähig zu bleiben? Der Kanton Basel-Stadt und auch das kleine Gesundheitsdepartement haben diese Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Das soll aber kein Persilschein sein für kantonale Expansionsgelüste unter Berufung auf potenzielle neue Notsituationen. Die Politik wird sich «nach Corona» dringender denn je (wieder) der Frage annehmen müssen, ob wir gerade im Gesundheitswesen nicht eher in Regionen statt Kantonen denken sollten.