Bleistift, Füllfeder und Kugelschreiber sind definitiv passé. Bald brauchts für Prüfungen an der Universität nur noch Wissen, den Zeigfinger – und ein iPad. An der elektronischen Prüfung arbeitet die Medizinische Fakultät der Universität Basel. Erstmals wurden im Rahmen eines digitalen Pilotprojektes Prüfungen auf iPads durchgeführt. Getestet wurde das System mit Studierenden des dritten Masterstudienjahres, heisst es auf der Homepage der Uni.

Tatsächlich eröffnen sich für die Prüfenden ganz neue Möglichkeiten mit der iPad-Prüfung: Diese wird multimedial. Es können Fotos, Röntgenbilder, Tonmaterial wie Herztöne oder Videos in die Prüfungsfragen integriert werden. Und kaum ist der Test beendet, wertet die Software sofort aus, ob der Prüfling bestanden hat oder nochmals hinter den Büchern Sitzleder beweisen muss. Die elektronische Auswertung entlastet die Assistentinnen und Assistenten, die bisher die Prüfungen in stundenlanger Arbeit korrigieren mussten.

Spicken wird schwerer, ausser...

«Es ist das Ziel der Medizinischen Fakultät, künftig so viele Prüfungen wie möglich digital durchzuführen», sagt Geschäftsführer Kaspar Traub auf Anfrage. Die Software für die Multiple-Choice-Prüfungen wurde von der IT der Medizinischen Fakultät und mithilfe verschiedener Bundesprojekte entwickelt. Sie stehe auch anderen Schweizer Universitäten zur Verfügung, kam bisher aber nur in Basel zum Einsatz.

Die Prüfungssoftware ist derzeit nur in einer iPad-Version vorhanden, «aus Ressourcengründen», wie Traub erklärt. Die iPads stellt die Uni zur Verfügung. Finanziert hat sie diese mit Geld aus dem Budget, Sponsoring und Drittmitteln. Ansonsten seien keine grösseren Infrastrukturkosten entstanden, sagt Traub. Die Frage, wie hoch die Kosten für den Pilotversuch sind, blieb unbeantwortet.

Auch stellt sich die Frage, wie sicher die App ist, ob sich findige Studierende allenfalls in den Datenpool reinhacken können, bei der Übermittlung der Daten an die richtigen Antworten kommen oder diese nachträglich modifizieren könnten.

Die Sicherheit sei gewährleistet, heisst es bei der medizinischen Fakultät. «Im Rahmen eines Bundesprojektes wurde ein internes sicheres Konzept erstellt», sagt Traub. Dieses beinhalte die asymmetrische Verschlüsselung und eine Signatur. Über das Drahtlosnetzwerk würden die Daten laufend auf dem Server gesichert.

Doch da gibt es auch noch die Schwerkraft. Was passiert, wenn ein iPad während der Prüfung zu Boden fällt und in die Brüche geht? «Es gibt genügend Ersatz vor Ort», sagt Traub. Da für bereits gespeicherte Daten ein Backup-Mechanismus programmiert sei, könne der Prüfling ungehindert dort weitermachen, wo er oder sie aufgehört habe.

Ausserdem wird abschreiben schwieriger. Wer Hilfe suchend auf Nachbars Touchscreen schielt, findet dort keine: Die Reihenfolge der Prüfungsfragen wird für jeden Probanden und jede Probandin neu erstellt. Das macht Spicken beinahe unmöglich.

Dass allerdings die Kreativität der Studis in dieser Hinsicht beinahe unbegrenzt ist, haben Studierende der Universität in Adelaide bewiesen. Dort haben Medizinstudierende letztes Jahr bei Prüfungen auf dem iPad ihre Antworten mit Screenshots auf den Geräten gesichert und den nachfolgenden Prüflingen per Mail den entsprechenden Tipp gegeben, wo sie die richtigen Antworten nachschauen können.