Rot-grüne Politiker und Exponenten der Zünfte pflegen eine tiefe gegenseitige Abneigung. Die Politiker spotten gerne über die in ihren Kreisen als antiquiert geltenden Zünfte. Die Zünfte ziehen die rot-grünen Exponenten und deren Politik bei Zunftanlässen ebenso gerne ins Lächerliche.

Am 18. September ist der schwelende Konflikt eskaliert. Der Grosse Rat hat einen Vorstoss der Grünliberalen an die Regierung überwiesen. Dieser fordert, die Jungbürgerfeier künftig auch für 18-jährige Ausländer zu öffnen und damit aus der Veranstaltung eine Volljährigkeitsfeier zu machen.

Der Entscheid hat bei den Zünften für Ärger gesorgt, wie aus mehreren Gesprächen deutlich hervorgeht. Kein Wunder, die Jungbürgerfeier ist eines ihrer Heiligtümer. Seit 1984 wird der Anlass mit Mehrgang-Menü und Party von den Zünften und Gesellschaften der Stadt Basel im Auftrag des Kantons organisiert und durchgeführt. Mit viel Herzblut und in ebenso vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Am 14. September, vier Tage vor dem Grossratsentscheid, war die Welt für die Zünfte noch in Ordnung. Im Volkshaus ging die diesjährige Jungbürgerfeier über die Bühne. Der Andrang war gross. 400 der 1100 Volljährigen leisteten der Einladung Folge, am späten Abend stiessen noch 300 Freunde dazu. OK-Präsident Andreas Brütsch spricht von einem «sehr gelungenen Anlass». Die OK-Sitzung am Dienstag verlief nach dem Grossratsentscheid dennoch nicht nur erfreulich. «Es ist sehr schade, dass ein Anlass, der gut läuft und in der Bevölkerung tief verankert ist, nun kaputt gemacht wird», sagt Brütsch.

Ob 2014 eine Jungbürgerfeier überhaupt stattfindet, ist nun völlig unklar. Die Leistungsvereinbarung des Kantons mit den Zünften läuft dieses Jahr aus. Laut der Regierung steht das neue Konzept frühestens 2015 fest. Brütsch signalisiert zwar grundsätzlich Bereitschaft, dass sein OK auch 2014 weitermacht. «Wir wollen die Jungbürgerfeier nicht einfach so sterben lassen», sagt er. Das Problem sei aber die Machbarkeit. 2014 bestehe kein Auftrag des Kantons mehr, weshalb verschiedene Fragen wie die Finanzierung offen seien.

Mitte Oktober wird das Meisterbott, die Dachorganisation der Zünfte und Gesellschaften, über das weitere Vorgehen entscheiden. Eduard Etter, Vorsitzender Meister der Zünfte und Gesellschaften, sagt, es sei «zumindest fraglich», ob die Zünfte die Jungbürgerfeier 2014 organisieren werden. «Es ist verständlich, dass die Motivation beim OK sowie den vielen freiwilligen Helfern sehr gering sein dürfte.» Fest steht gemäss Recherchen bereits, dass die Zünfte ab 2015 keine Volljährigkeitsfeier durchführen werden. Etter bestätigt, dass das Meisterbott dies schon im Herbst beschlossen hat. Der Entscheid sei einstimmig gefallen. «Eine Volljährigkeitsfeier ist schlicht eine Party für 18-Jährige und hat für eine politische Gemeinde keine spezielle Bedeutung mehr.»

Etter sagt, die Zünfte würden den Entscheid des Grossen Rats «mit Bedauern» zur Kenntnis nehmen. «Die Zünfte haben die Jungbürgerfeier immer mit Freude und Engagement organisiert und durchgeführt. Wir haben dies immer als einen unserer Beiträge am Gemeinwesen verstanden.» Für Stephan Gassmann, Meister der Zunft zu Gartnern und ehemaliger CVP-Politiker, hat der Grossratsentscheid auch den «schalen Nachgeschmack», dass Rot-Grün mit der Volljährigkeitsfeier eine Retourkutsche gegen das bürgerliche Spektrum habe fahren wollen, weil das Volk das Ausländerstimmrecht abgelehnt habe.

Doch die Zünfte geben den Kampf um die Jungbürgerfeier noch nicht auf. Gassmann ist der Meinung, dass sich die Zünfte «für die bisherige Ausrichtung einer Jungbürgerfeier einsetzen» sollten. Politische Unterstützung erhält er von seiner CVP, die kommende Woche einen Vorstoss im Basler Bürgergemeinderat einreichen wird. Darin fordert die Partei, dass die Bürgergemeinde zusammen mit den Zünften weiterhin eine Jungbürgerfeier durchführen soll.

Ironie des Schicksals ist, dass es ausgerechnet die Zünfte waren, welche die Jungbürgerfeier 1984 wieder zu neuem Leben erweckten. Die Teilnehmerzahlen sind seither markant gestiegen, die Veranstaltung erfreut sich grosser Beliebtheit. Mangels Interesse und Ideen hatte die Regierung 1974 beschlossen, auf die Durchführung der damals serbelnden Jungbürgerfeier zu verzichten.

Trotz des Erfolgs in den vergangenen dreissig Jahren stand die Jungbürgerfeier immer wieder in der Kritik. 2009 wurde in Zunftkreisen kritisiert, dass das Programm inhaltlich zu wenig substanziell sei. Es sei «Zeit, über Form und Inhalt zu reden». Mehrere Zünfte, darunter die Akademische Zunft, kehrten der Jungbürgerfeier den Rücken.

Die damalige Kritik hatte indes kaum Folgen. An Form und Inhalt der Jungbürgerfeier wurde nichts geändert. Regierung und Zünfte regelten in einer schriftlichen Vereinbarung aber erstmals die Rahmenbedingungen der Veranstaltung und einigten sich auf eine Leistungsvereinbarung für die Jahre 2010 bis 2013. Die Jungbürgerfeier blieb ein «fröhlich-feierlicher Anlass» ohne staatspolitischen Auftrag. Nach dem Essen mit Reden gab es weiterhin ein umfangreiches Rahmen- und Animationsprogramm. Der Staat zahlte den Zünften dafür jährlich 60 000 Franken.

Für die neue Volljährigkeitsfeier geht die Regierung von Mehrkosten für den Kanton von 25 000 Franken aus. Aus Zunftkreisen ist nun zu hören, dass der Mehraufwand um einiges höher sein dürfte. Etter sagt: «Vor einigen Jahren haben wir eine Vollkostenrechnung für den gesamten Anlass erstellt und kamen auf Kosten von rund 300 000 Franken.» Wenn sich die rot-grünen Politiker da nur nicht verkalkuliert haben.