Es sind heftige Worte, die der Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) wählt: «Architekturwettbewerbe, bei denen man sich im Nachhinein vom Gewinner trennt, sind das Papier nicht wert, auf dem sie gezeichnet wurden», sagt Stefan Cadosch. Mit ihrem Vorgehen füge die Uni Basel dem hochstehenden Wettbewerbswesen in der Schweiz ernsthaften Schaden zu.

Hintergrund ist der im Frühling kommunizierte Entscheid der Uni, den Neubau des Zentrums für Biomedizin nicht mit denjenigen Architekten, die den Wettbewerb gewannen, durchzuführen, sondern neu auszuschreiben. Über die Gründe und allfällige Schadenersatzzahlungen wurde Stillschweigen vereinbart. Cadosch erklärt: «Wenn der Gewinn eines Wettbewerbs nicht mehr garantiert, dass das Gebäude gebaut werden darf, dann lassen sich künftige Wettbewerbsteilnahmen gar nicht mehr finanzieren, weil Architekturbüros in solche Wettbewerbe bis zu 100'000 Franken investieren.»

Zudem seien aus Sicht des SIA Zweifel angebracht, dass die Uni, die erstmals selber als Bauherr auftritt, das 200-Millionen-Projekt «im Alleingang kosten- und termingerecht» werde realisieren können. Und auch bezüglich Bau-Qualität äussert der Vereinspräsident Bedenken: «Nur die Architekten, die ein Projekt geplant haben, können dieses auch den ersonnenen Qualitäten entsprechend ausführen. Das ist, vereinfacht gesagt, wie bei einem Buch, bei dem ein Autor die ersten fünf Kapitel schon geschrieben hat und dann ersetzt werden soll. Auch dort gilt, logischerweise, dass ein neuer Autor ein neues Buch schreiben muss.»

Die bz hat die Uni mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Sprecher Matthias Geering kann sie nicht nachvollziehen: «Die Universität teilt die Bedenken des SIA zur Qualität des Baus nicht. Der Verein SIA vertritt die Interessen seiner Mitglieder, die zu einem überwiegenden Anteil Architekten sind.»

Diesen Vorwurf lässt SIA-Präsident Cadosch nicht auf sich sitzen: «Der SIA verantwortet unter anderem das Baunormenwerk unseres Landes. Dieses erfüllt seine Funktion nur, wenn alle Akteure die gleichen Übereinkünfte einhalten, also Bauherren, Handwerker, Zulieferer und Planer dieses Werk gemeinsam erstellen. Der Vorwurf der Klientelpolitik erscheint da ziemlich polemisch.»

Zweifelhafte Rolle des Kantons

Dass die Universität beim Neubau des Zentrums für Biomedizin erstmals als Bauherr auftritt, dürfte viel mit den Problemen beim Bau des Biozentrums zu tun haben. Bei diesem Gebäude, das nach aktuellen Angaben mit über zweijähriger Verspätung im nächsten Frühling bezugsbereit sein soll, hatte der Kanton Basel-Stadt die Bauherrschaft inne – die Uni wird lediglich Eigentümerin.

Diese Rollenverteilung galt auch noch beim Projektwettbewerb des jetzt kritisierten Biomedizin-Neubaus, der dereinst dort gebaut wird, wo jetzt noch das alte Biozentrum steht. «In der Wettbewerbsphase und im Vorprojekt lag die operative Projektleitung beim Hochbauamt Basel-Stadt. Per 1. Februar 2018 hat die Universität die operative Projektleitung übernommen», bestätigt Geering. Als einer der ersten Schritte trennte sich die Uni im Mai vom Generalplanerteam um das Zürcher Architekturbüro «Caruso St John Architects». Uni-Verwaltungsdirektor Christoph Tschumi begründete die Trennung damals gegenüber dieser Zeitung damit, dass man «einfachere Abläufe» wolle.

Seither gilt Stillschweigen. Die unterlegenen Architekten sprechen nicht mal mehr mit den Verbands-Verantwortlichen über den Inhalt der Trennungsvereinbarung. Ein Umstand, den SIA-Präsident Cadosch sehr bedauert, der ihn aber nicht davon abhält, im Namen seines Vereins die Wiedereinsetzung der Gewinner-Architekten zu fordern. «Selbst wenn wir nicht wissen dürfen, ob sie das auch wollen.»