Christoph-Merian-Stiftung

Der Streit um eine Basler Stadtgeschichte

Geschichte einer städtischen Gesellschaft; Ausgabe vom Oktober 2000. (Archivbild)

Geschichte einer städtischen Gesellschaft; Ausgabe vom Oktober 2000. (Archivbild)

Der Librum-Verlag legt Rekurs ein gegen die Vergabe des Druckauftrags an die Christoph-Merian-Stiftung.

Der Christoph-Merian-Stiftung (CMS) und ihrem Direktor Beat von Wartburg ist die Geschichte Basels eine Herzensangelegenheit. Vor zwanzig Jahren publizierte von Wartburg zusammen mit dem Geschichtsprofessor Georg Kreis die letzte historische Monografie zu Basel, nun ist er wesentlicher Geburtshelfer für die grosse, auf elf Bände angelegte neue Kantons- und Stadtgeschichte.

Das Projekt, das 2016 die politischen Hürden überwunden hat, wird vom Kanton mit sechs Millionen Franken finanziert. Gut drei Millionen hat die Forschungsträgerschaft, die Stiftung Stadt.Geschichte, bei privaten Geldgebern aufzutreiben. Dafür hat sich die CMS zusammen mit Novartis mit je 800'000 Franken in die erste Reihe gestellt.

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Kurz vor Weihnachten wurde auch klar, dass die CMS bei der Stadt.Geschichte eine noch wichtigere Rolle übernimmt: Sie erhielt im Rahmen einer offenen Ausschreibung den Zuschlag, um die Publikationsreihe verlegen zu können. Zehn chronologische Forschungsbände und eine reich bebilderte Überblicksdarstellung sind geplant.

Doch dagegen erwächst nun Widerstand. Der Librum-Verlag, der sich ebenfalls um den Auftrag beworben hatte, reichte beim Verwaltungsgericht Rekurs ein. Da die CMS zu den namhaften Geldgebern gehöre, «besteht der Verdacht einer Begünstigung», heisst es im kurz gefassten, zweiseitigen Rekursschreiben. Dominique Oppler, Inhaber des jungen Basler Wissenschaftsverlags meint, «die CMS hätte vom Submissionsverfahren ausgeschlossen werden sollen, weil der Wettbewerb aufgrund dieser Verflechtungen nicht vorurteilsfrei ausgetragen werden konnte.»

Ein massiv günstigeres Angebot

Neben der CMS und dem Librum-Verlag hatte sich auch der Wissenschaftsverlag Schwabe um den prestigeträchtigen Auftrag beworben. Während die beiden Fachverlage in ihren Offerten jeweils ein Auftragsvolumen von rund 750'000 Franken errechnet hatten, lag das Angebot der CMS um rund 200'000 Franken tiefer. Für Oppler ist diese grosse Differenz «mit der aktuellen marktüblichen Preisbildung kaum noch nachzuvollziehen». Der nicht ausgesprochene Verdacht: Die CMS subventioniere das Geschichtswerk auch mittels tiefer Produktionsofferte. Oppler sagt, dass man sich unter diesen Umständen die Ausschreibung hätte sparen können. Die CMS dementiert: Die Offerte sei kostendeckend und unabhängig vom Förderprojekt errechnet worden.

Gemäss Ausschreibung war der Preis beim Zuschlag nur mit 25 Prozent gewichtet. Das Projektmanagement war bei der Beurteilung mit 30 Prozent gewichtiger. Konzept und fachliche Referenzen (je 15 Prozent), digitale Kompetenz (10 Prozent) und Nachhaltigkeit der Produktion (5 Prozent) waren weitere Bemessungsgrössen. Faktisch dürfte der Preis gewichtiger gewesen sein, als es die Ausschreibung nahelegt. Denn bereits die Offerte der CMS für rund eine halbe Million Franken liegt um 100'000 Franken über dem Budget der Forschungsgruppe. Der Aufwand von 750'000 Franken, den die Mitbewerber verlangten, würde bereits ein kräftiges Loch in die Kasse reissen. Dabei ist noch nicht ausfinanziert, was private Geldgeber zu leisten haben. Zudem hat die Regierung das geplante Reservepolster zusammengestrichen; für solche Ausreisser besteht kein finanzieller Spielraum.

Das Projekt Kantonsgeschichte ist mit dem Anspruch hoher Transparenz angetreten, der allerdings immer schwieriger umzusetzen ist. Trägerin des Unterfangens ist nominell die unabhängige Stiftung, die ein Team samt zweiköpfiger Projektleitung eingesetzt hat. Faktisch gerät aber die bi-kantonale Universität immer stärker in die Verantwortung.

Die Universität tritt als Auftraggeber auf

Um das Budget zu entlasten, stellt die Universität nicht nur Räumlichkeiten für die Forscher zur Verfügung. Auch die Arbeits- oder Projektverträge werden von der Universität ausgestellt. Bei der Ausschreibung für den Produktionsauftrag tritt die Universität sogar als offizieller Auftraggeber in Erscheinung. Dabei legte der Forschungsleiter Patrick Kury in einem Interview mit der «Tageswoche» Wert auf die Feststellung, dass das Projekt zwar «administrativ bei der Universität verortet, aber nicht ein universitäres, sondern ein kantonales Projekt ist».

Für Oppler sind die Fäden bereits verfilzt. In seinem Rekurs schreibt er: «Den Entscheidungsträgern der Universität könnte Befangenheit attestiert werden, weil man einen prominenten Förderer nicht verärgern möchte.»

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Autor

Christian Mensch

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