«Jakob’s Basler Leckerly»

Der süsse Geschmack des Erfolgs: «Es war eine Chance, die wir packen mussten»

Andreas Kuster, Mitinhaber von «Jakob’s Basler Leckerly», könnte bald für die Lällekönig-Dose (rechts) prämiert werden.

Andreas Kuster, Mitinhaber von «Jakob’s Basler Leckerly», könnte bald für die Lällekönig-Dose (rechts) prämiert werden.

Die Inhaber von «Jakob’s Basler Leckerly» sind für den renommierten Swiss Packaging Award nominiert.

Es mutete waghalsig an. Ende Juli 2020 und damit mitten in der Coronakrise eröffneten Charlotte und Andreas Kuster, Inhaber von «Jakob’s Basler Leckerly», am Spalenberg ihr zweites Geschäft. Manch Unternehmer wäre dieses Risiko nicht eingegangen. Zu wenig Touristen in der Stadt, zu wenig Frequenz im Allgemeinen, zu unsicher die Perspektiven. Andreas Kuster aber sagt: «Wir haben nicht trotz, sondern vielmehr wegen der Krise expandiert.»

Er räumt gerade eine neue Charge mit Läckerli in die Regale, verpackt in Cellophan- und Papiertüten oder in kunstvolle Blechdosen. Manche verziert mit dem Konterfei des Lällekönigs, der in bester Manier die Zunge herausstreckt und die Augen verdreht, wenn man am Hebel der Dose zieht. Seit einem Jahr sei diese im Sortiment und bei Kindern und Männern der Renner, erzählt Kuster.

Der Umsatz brach um 60 Prozent ein

Während Kuster also einräumt, knarrt der alte Holzboden unter seinen Füssen. Liebevoll ist er eingerichtet, der Laden am Spalenberg. Ein Mehlsack aus dem Jahr 1851 und ein antiker Zuckergusspinsel zieren ihn, eine Rechnung aus dem Jahr 1914 hängt an der Wand. «Es war eine Chance, die wir packen mussten», sagt Kuster, als er sich im Geschäft umsieht.

Während des Lockdowns und danach entgingen «Jakob’s Basler Leckerly» viele Aufträge, da keine Events und Kongresse in Basel stattfanden. Kunden aus Detailhandel, Gastronomie und Hotellerie mussten Bestellungen stornieren, im Laden mit der Manufaktur in der St. Johanns-Vorstadt gingen die Verkäufe zurück. «Wir bewegten uns im April und Mai bei einem Umsatzminus von 60 Prozent.»

Umsatz konnte stabilisiert werden

Dank des zweiten Ladens hätten sie nun den Umsatz stabilisieren können. «Aktuell liegen wir bei einem Bestellrückgang von fast 20 Prozent.» Ja, am Spalenberg sei es gut angelaufen, so Andreas Kuster. Er spüre, dass es den Baslern wichtig ist, in dieser speziellen Zeit lokale Produzenten zu unterstützen.

Und lokaler als «Jakob’s Basler Leckerly» geht es eigentlich gar nicht. In der ältesten Biscuitmanufaktur der Schweiz wird das Gebäck wie im Gründungsjahr 1753 hergestellt. Freilich mit moderneren Maschinen, die Rezepturen sind jedoch dieselben geblieben. Und viele Arbeitsschritte werden immer noch manuell ausgeführt.

Die Marke wieder auf Vordermann gebracht

Nach dem Tod von Karl Jakob im Jahr 1942, der keine Kinder und damit keine Nachfolger hatte, fristete das einst stolze, traditionsreiche Familienunternehmen bald ein Schattendasein in verschiedenen Händen. Während die grosse Konkurrentin, das «Läckerli Huus», Gas gab, geriet das eigentliche Original in Vergessenheit. Bis vor drei Jahren die Kusters von der Vorbesitzerin, der Bäckerei Strobel, übernahmen.

Für den Ökonomen Kuster, der zuvor bei der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft einen hohen Posten belegte, ging damit ein Traum in Erfüllung: «Ich sehnte mich lange nach der Selbstständigkeit.» Doch es gab viel zu tun und noch mehr zu investieren – notabene zu null Prozent fremdfinanziert. Das Ehepaar erneuerte den Markenauftritt und die Verpackungen von Grund auf, liess Grafiker neue Designs kreieren. Auch die Maschinen in der Manufaktur mussten auf Vordermann gebracht werden, auf Social Media ein guter Auftritt her. «Das alles kostete viel Geld, aber noch mehr Herzblut», so Andreas Kuster.

Umsätze und Produktionsvolumen zeigten nur nach oben

Der Aufwand hat sich gelohnt. Sowohl Umsätze als auch Produktionsvolumen kannten vor Corona nur eine Richtung: nach oben. «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Krise gut überstehen. Ich lasse mir einen tiefen Lohn auszahlen, reinvestiere lieber.» Und: Irgendwann kommen auch die Touristen, gute Läckerli-Abnehmer, zurück, so die Hoffnung der Kusters.

Sie können auch anderweitig hoffen: «Jakobs Basler Leckerly» ist mit der Lällekönig-Dose und dem neuen Markenauftritt für den renommierten Swiss Packaging Award nominiert, in den Kategorien Design und Marketing, sagt Andreas Kuster stolz. Sein Kleinunternehmen mit 14 Mitarbeitern tritt an der Verleihung am 18. November gegen nationale Grössen an. «Schon unter den drei Finalisten zu sein, ist enorm wertvoll, um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.» Da bleibt einem nur eines: kräftig die Daumen zu drücken.

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