Bayern- Basel
Der Tag vor dem Spiel: Schnapsflaschen und bellende Hunde

Der Tag vor dem grossen Spiel in München zeigt: Nervös ist beim FC Basel niemand. So verbrachte die Mannschaft den Tag vor dem Champions League-Spiel.

Sebastian Wendel
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Volle Konzentration am Tag vor dem grossen Duell: FCB-Trainer Heiko Vogel und seine Spieler beim Training in der Allianz Arena.

Volle Konzentration am Tag vor dem grossen Duell: FCB-Trainer Heiko Vogel und seine Spieler beim Training in der Allianz Arena.

Keystone

9.50 Uhr: Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka witzeln im Duty-free-Shop vor der Schnapsauslage. Ob die zwei unbekümmerten Supertalente schon ein Siegesgetränk auswählen? 20 Meter daneben steht eine Journalistentraube. Einer hält sein Mikrofon von oben in die Mitte des Kreises, direkt vor Alex Freis Nase. Der nuckelt genüsslich am Espresso und sagt dann: «Mal schauen, ob wir das bisher Erreichte noch toppen können.» «Mal schauen», die zwei Wörter mögen nonchalant tönen. Doch unterstreichen sie vielmehr die Lockerheit, mit welcher der FCB-Tross das wohl grösste Abenteuer der Klubgeschichte in Angriff nimmt. Mit genau dieser Lockerheit haben die Spieler das Achtelfinale der Champions League erreicht.

10.43 Uhr: «Ready for take off». Im hinteren Flugteil Blätterrascheln. Captain Marco Streller ist bereits mit weit nach vorne gebeugtem Kopf in die Zeitung vertieft, als das Flugzeug vom Euro-Airport in Basel Mulhouse Richtung München abhebt. Joo-Hoo Park und Kwang-Ryong Pak, wohlgemerkt ein Süd- und ein Nordkoreaner, parlieren zwischen den Sitzen hindurch. Man versteht kein Wort, doch ist das Gesprächsthema wohl ein freudiges. Sie lachen viel. Auch bei Granit Xhaka hält die gute Laune an: Die Stewardess bekommt es mit einem flotten Spruch zu spüren.

11.35 Uhr: Der wacklige Landeanflug ist hoffentlich kein schlechtes Omen für das heutige Spiel. Was der Bayern München mit einem wackligen Gegner macht, haben sie am Samstag beim 7:1-Sieg gegen Hoffenheim eindrücklich demonstriert.

11.50 Uhr: Am Gepäckband vermischt sich die Reisegruppe. Spieler, Trainer, Betreuer, Klubvorstand, Journalisten und Edelfans: Jeder redet mit jedem. Markus Steinhöfer lehnt an einer grauen Säule und fingert an seinem Handy herum. «Kribbeln? Nein, das verspüre ich nicht. Morgen dann ein bisschen, kurz vor Anpfiff.» Ist hier eigentlich keiner nervös? Heute geht es um den grössten Erfolg in der Klubgeschichte.

12.13 Uhr: Doch, der Reiseleiter. Er drängt uns zum Einsteigen. «Wir sollten nicht zu spät an der Pressekonferenz erscheinen. Das mögen sie hier nicht.» Nach einer halben Stunde Fahrt über die vierspurige Autobahn vor München erscheint am Horizont die Allianz Arena. Wie ein gelandetes UFO steht sie in der flachen Landschaft. Ausfahrt «Fröttmanning», zwei Mal rechts abbiegen und der Bus fährt unters Gewölbe des vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron und 2005 eröffneten Heimstadions des FC Bayern München.

12.45 Uhr: Heiko Vogel, Marco Streller und Alex Frei sitzen auf dem Podest im Mediencenter, der so gross ist wie ein Hörsaal an der Universität. Frei lehnt zurück, grinst, als Streller sagt: «Alex kann auch nett sein.» Trainer Vogel auf die Frage, wohin der Höhenflug der Basler noch führe: «Ich bin ein Vogel, ich fliege immer. Wohin, das kann ich nicht voraussehen.»

18.00 Uhr: Abschlusstraining in der leeren Allianz Arena. Es klingt wie eine Horde bellender Hunde, die sich um einen Ball streitet. Assistenztrainer Marco Walker hat mit einem Pfiff soeben das obligatorische Handball-Spiel zum Aufwärmen eröffnet. Noch ist das riesige Oval leer, heute werden hier über 60000 den FC Bayern nach vorne peitschen. Ein wenig Lockerheit kann da nicht schaden.