Museum für Musik
Der Tanz mit dem Bubikopf: Mode und Musik aus den Roaring Twenties

Die Mode und die Musik – sie sind immer Spiegel der Gesellschaft. In den Zwanzigerjahren waren sie ausserdem so stark miteinander verbunden wie selten. Eine Sonderausstellung thematisiert das angeblich goldene Jahrzehnt in Basel.

Céline Feller
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Die Ausstellung «Mode und Musik der Zwanziger Jahre» zeigt anhand von Basler Kleidern, Instrumenten, Ton- und Filmmaterial auf, wie die Mode und die Musik in den 20er-Jahren verbunden waren und welche Bedeutung sie in Basel hatten.

Die Ausstellung «Mode und Musik der Zwanziger Jahre» zeigt anhand von Basler Kleidern, Instrumenten, Ton- und Filmmaterial auf, wie die Mode und die Musik in den 20er-Jahren verbunden waren und welche Bedeutung sie in Basel hatten.

Damenschuhe aus Goldleder

Wild, roaring und golden – das waren die 20er-Jahre. Es waren die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, die Jahre der Befreiung und des Aufbruchs. Dies spiegelte sich insbesondere in der Mode wieder. Die Säume rutschten nach oben, die Kleider wurden lockerer und die Haare kürzer. Der Bubikopf wurde zur Trendfrisur schlechthin. Vor allem in den ehemaligen Kriegsstädten Berlin, Paris und Wien waren diese neuartigen Strömungen spür- und sichtbar. Aber nicht nur. Auch Basel als Grenzstadt bekam die Wirrungen des Krieges zu spüren und feierte dementsprechend die neuentdeckte Lebenslust.

Um diese Zeit zu würdigen, eröffnet am Freitag im Museum für Musik die Ausstellung «Mode und Musik der Zwanziger Jahre». Die Zusammenführung der Mode und der Musik habe sich fast von selbst ergeben, wie Margret Ribbert, zusammen mit Martin Kirnbauer Kuratorin der Sonderausstellung: «Musik und Mode zusammenzufassen eignet sich nicht für jede Zeit. Bei den 20ern ist das aber anders. Sie haben sich gegenseitig beeinflusst und thematisiert.» Ribbert spricht damit die Kleider an, die extra für den Tanz geschneidert wurden und die Musik, die ebendiese Kleider und die neusten Trends der Mode besangen. Selbst die Notenumschläge wurden grösstenteils von Frauen in modischer Kleidung geziert. Ebensolche Notenumschläge, aber auch Instrumente wie Saxo- und Sousaphone, Grammophone und Damenschuhe- und Kleider werden in der Ausstellung im Lohnhof gezeigt.

Die Exponate, die bis Mitte August zu bewundern sind, stammen allesamt aus Basler Beständen. «Teilweise wurden sie auch hier hergestellt», so Ribbert. Einige der kostbaren Tanz- und Tee-Kleider gehörten Charlotte Burckhardt-Burckhardt, Ehefrau von Rudolf Burckhardt, der Konservator des Historischen Museums war. Andere Exponate gehörten einer Frau Passavant-Schlumberger, die der französischen Hauptstadt sehr verbunden war und sich deshalb immer dort einkleidete. Wer genau hinsieht, kann erkennen, welche Kleider einer Basler und welche einer Pariser Schneiderei entstammen: den Basler Stücken wurde ein kleiner Spickel in den Ausschnitt genäht, damit dieser nicht so tief und das Kleid und deren Trägerin weniger aufreizend daher kamen.

Funktionalität im Fokus

Was die Kleider jedoch gemeinsam haben, ist ihr gerader Schnitt. «Die Kleider waren oft fast schon knabenhaft geschnitten. Frau wollte das Gegenteil von früher, sie wollte nicht mehr betonen, was früher ständig betont wurde», so Ribbert. Auch die Sportlichkeit und Funktionstüchtigkeit standen im Zentrum. «Bei diversen Kleidern ist auf der Innenseite ein Kreuz eingenäht, damit man überhaupt weiss, was vorne und was hinten ist, weil das oft gar nicht erkennbar war.»

Auch die Schuhe der 20er Jahre brachten Eigenheiten mit: Der Absatz war nur mässig hoch und über den Rist verlief ein kleines Riemchen. «Die Schuhe mussten praktisch sein, damit man die neuen Tänze tanzen konnte, ohne dass die Schuhe in die Luft flogen.» Und genau diese neuen Tänze waren es, die die Musik mit der Mode noch stärker verbanden. «In den Zwanzigern kam erstmals die amerikanische Musik auf unseren Kontinenten und mit ihr der Charleston und der Foxtrott. Dadurch wurde auch in Basel die Jazzmusik entdeckt», so Kirnbauer. Denn plötzlich konnte Musik im Radio und an Liveauftritten in Lokalen gehört werden. Besonders angetan davon war die erste Basler Jazzband «Lanigiro», deren Name ein Palindrom von «original» ist. Die Schülerband war aber nicht nur die erste Basler Jazzband, sondern die erste Schweizer Jazzband überhaupt, deren Musik aufgenommen wurde. Einige ihrer Songs können an der Sonderausstellung gehört und ein paar ihrer Instrumente bewundert werden. So zum Beispiel das Saxophon, dieses ikonische Instrument der Zwanziger und des Jazz, welches später von den Nazis zum Symbol der entarteten Musik gemacht wurde.

Basels Nachkriegs-Krise

Doch auch wenn die Ausstellung den Eindruck macht, dass die Zwanziger in Basel nur golden waren, relativiert Ribbert dies: «Den Begriff der Goldenen Zwanziger vermeiden wir bewusst. Golden war es in Berlin, Wien und Paris, in Basel aber war alles verhaltener.» Denn Basel hatte damals durchaus auch Probleme: Der Frauen-Anteil war zehn Prozent höher als jener der Männer, was die Frauen dazu zwang, selbstständig zu werden und zu arbeiten. Gleichzeitig steckten die Seidenbandfabriken aber in einer Krise, die Anzahl Fabriken halbierte sich in diesem Jahrzehnt gar.

Doch trotz all dieser Probleme in Basel – den Exponaten ist dies alles nicht anzusehen. Die Kleider faszinieren mit ihren millimetergenau aufgenähten Glasperlen und ihren eingesetzten goldenen Details. Im Zusammenspiel mit den Instrumenten und seltenem Ton- und Filmmaterial, ist die Ausstellung ein schönes Dokument einer fast vergessenen Zeit.

Die Sonderausstellung im Lohnhof dauert bis 21. August 2016. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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