Abstimmung
Der Tattoo-Chef kritisiert den Kaserne-Umbau

Erik Julliard will sich nicht zu stark in die Abstimmung einmischen, er sieht die Umbaupläne aber skeptisch. Grossrat André Auderset zweifelt gar daran, ob das Tattoo bei einem Ja zum Umbau weiterhin in seiner bestehenden Form stafinden könnte.

Jonas Hoskyn
Merken
Drucken
Teilen
Lange hat er geschwiegen, nun äussert sich Tattoo-Produzent Erik Julliard kritisch zum Kasernenprojekt.

Lange hat er geschwiegen, nun äussert sich Tattoo-Produzent Erik Julliard kritisch zum Kasernenprojekt.

HO

Die Frage, ob die Kaserne zu einem Kultur- und Quartierzentrum umgebaut werden sollte, spaltet die Basler Bevölkerung. Am 12. Februar kommt es zur Abstimmung. Ausgerechnet einer der prominentesten Betroffenen hat bisher dazu geschwiegen. Das Musikfestival Basel Tattoo versucht, sich bestmöglich aus der Diskussion rauszuhalten. «Es wäre nicht richtig, sich als Event einzumischen», sagt Tattoo-Produzent Erik Julliard. Privat hat er allerdings eine klare Meinung: «Ich finde das Projekt mit rund 45 Millionen Franken sehr teuer. Zumal mich das Konzept überhaupt nicht überzeugt.» So glaube er etwa nicht daran, dass der Kasernenplatz anschliessend belebter würde. «Die Restaurants in der Gegend kämpfen jetzt schon ums Überleben.»

Tattoo trägt Extrakosten selber

Julliard betont, dass es sich dabei um seine private Meinung handelt. Zu gross ist die Furcht, dass ein Nein dem Tattoo in die Schuhe geschoben würde. Mehrfach hätten ihn Helfer darauf angesprochen, dass sich das Tattoo für ein Nein engagieren solle, er habe aber immer abgewinkt. Zumal die Stadt und das Festival eng verbandelt sind. Das Tattoo geniesst in Basel viel Goodwill. So hat die Regierung für das Projekt Kaserne drei Millionen Extrakosten einkalkuliert, dass das Musikfestival und die Herbstmesse auch während des Umbaus stattfinden können. Allerdings: Die Mehrkosten seien auf Tattoo und Herbstmesse zu verteilen – und das über drei Jahre.

Doch: Das Tattoo erhielt in den letzten Jahren via Swisslos-Fonds jeweils einen fünfstelligen Beitrag zur Durchführung der Parade. Eine Verpflichtung sieht Julliard dadurch aber nicht: «Zu unserer Parade kommen jeweils 120 000 Zuschauer. Und dem Goodwill, den wir sicherlich geniessen, kann man die 25 Millionen Franken Wertschöpfung gegenüber stellen, welche das Tattoo jährlich generiert.»

Klar ist: Für das Musikfestival würde ein Ja viele Probleme verursachen. «Logistisch würde ein enormer Zusatzaufwand entstehen», sagt Julliard. So kann der eineinhalbwöchige Event bisher die Räumlichkeiten nutzen, die während der Sommerferien grossenteils leer stehen, etwa für die rund 1000 aktiven Musiker und Darsteller oder für die Technik. «Aktuell brauchen wir praktisch jedes Schulzimmer», so Julliard. Eine weitere Frage ist, wie sehr der geplante Durchbruch des Zwischentrakts die Kulisse für den Grossanlass in Mitleidenschaft ziehen würde. Gerade unter den Tattoo-Fans gibt es viele Puristen, die der Meinung sind, dass man aus Denkmalschutz die Finger vom Gebäude lassen solle. Klar ist für Julliard: «Das Tattoo gehört auf das Kasernenareal. Ein Umzug ist kein Thema.»

Auch LDP-Grossrat André Auderset sagt: «Ich habe Bedenken, dass das Tattoo künftig noch im bisherigen Rahmen stattfinden könnte.» Brisant: Auderset ist gleichzeitig Co-Präsident des Nein-Komitees und Präsident der IG Kleinbasel. Als solcher würde man erwarten, dass er für ein Ja eintritt. Zumal das Präsidialdepartement den Umbau bei jeder Gelegenheit als Investition fürs Kleinbasel anpreist. Dieses erhalte mit der sanierten Kaserne einen attraktiven Ort des kulturellen und sozialen Austauschs. «Wir haben die Frage im Vorstand besprochen und beschlossen, als IG keine Parole zu fassen», sagt Auderset. Am Neujahrsapéro werde man die Abstimmung aber behandeln. Für Auderset ist klar: «Das Kleinbasel hat nichts davon, nur weil die Kaserne künftig ein Loch auf der Seite hat.»

«Gibt eine neue Dynamik»

Das sieht Mathias Böhm anders: «Wenn man will, dass sich das Gebiet zwischen der Mittleren Brücke und der Messe entwickeln kann, braucht es solche Projekte», sagt der Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel. Auch der Verein hält sich meist aus politischen Debatten heraus: «Mir geht es darum, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen», betont Böhm. Ein gutes Beispiel sei das Rheinufer. «Durch die Buvetten wurde dieses plötzlich zu einer lebhaften Zone, welche auch ausgestrahlt hat.»

Angesichts des Strukturwandels hin zu Digitalisierung und Onlineshopping müssen sich die Städte etwas überlegen. «Der Konsument will Erlebnisse und Räume in denen er sich wohl fühlt und nicht eingeschränkt», sagt Böhm. Als Beispiel nennt Böhm etwa die stillgelegten Hochbahntrassen in New York oder das boomende Quartier du Flon in Lausanne, das aus einer ehemaligen Industriebrache entstanden ist. «Ein solches Projekt kann in einem Quartier eine völlig neue Dynamik auslösen und sogar auf die ganze Stadt überschwappen», sagt Böhm.