Noch vor dem Servieren des Menusalats war so manchem Gast des Restaurants Kunsthalle der Appetit bereits vergangen. Zu Beginn dieser Woche roch es im Garten süsslich-penetrant nach Urin. Besonders in der Nähe der alten Kastanienbäume und der Bar stiegen einem die unangenehmen Pipi-Schwaden in die Nase. Man habe vergebens versucht, den Gestank mit Javelwasser loszuwerden, sagte eine Serviceangestellte zur Mittagszeit. «Nach dem Klosterbergfest ist es immer extrem, aber hier stinkt’s eigentlich nach jedem Wochenende.» Denn seit der Theaterplatz abends ein Hotspot für junge Erwachsene sei, leide das Restaurant vermehrt unter der Rücksichtslosigkeit von Wildpinklern, die mitten in der Nacht die Blase leeren müssten.

Auch nach diesem Wochenende wird es im Garten wohl wieder zum Himmel stinken: Das Jugendkulturfestival zieht Tausende von Menschen an, auch der Theaterplatz wird bespielt. WC-Wagen wird es bei Weitem nicht genug geben.

Dem Basler Tiefbauamt ist das Problem des Restaurants Kunsthalle bekannt. Und es gibt sich hinsichtlich den Besuchern des Jugendkulturfestivals «keinen Illusionen hin», wie Sprecher André Frauchiger auf Anfrage der Schweiz am Wochenende sagt: «Es gibt einfach zu viele ‹grusige› Männer und Jugendliche, die sich nicht an die Spielregeln halten, wenn sie mal müssen.»

Regen macht es noch schlimmer

Nicht nur die Serra-Plastik, auch die Gebüsche und Bäume am Theaterplatz werden laut Frauchiger an den Wochenenden von Wildpinklern missbraucht, «insbesondere während Grossveranstaltungen. Und der Regen jetzt macht die Sache noch schlimmer, weil sich der Urin unter diesen Bedingungen besser verteilen kann». Die Stadtreinigung versuche jeweils an den Tagen nach den Wochenenden, mit Geruchshemmern zu agieren. Der Erfolg dieser Aktionen sei zwar gering, «aber ohne wäre es noch schlimmer», sagt Frauchiger.

Die Stadt Basel verfügt über drei mobile Pissoirs, die laut Frauchiger «je nach Bedürfnis» verschoben werden können. Derzeit sind diese entlang des Kleinbasler Rheinbords und hinter der Barfüsserkirche installiert. Auf dem Theaterplatz findet sich indes kein Pissoir – wenngleich dieser den «Barfi» längst als Treffpunkt unter den Jugendlichen abgelöst hat. Hier wird im Freien gesoundet, geflirtet und viel, viel Bier, billiger Prosecco und Vodka getrunken; die Blasen sind schnell gefüllt, die Büsche und Bäume nah. Im Gegensatz zur festinstallierten WC-Anlage, die sich beim hinteren Theatereingang in der Nähe der Elisabethenstrasse befindet.

Warum hat das Tiefbauamt nicht längst ein solches Pissoir in der Nähe der Serra-Plastik oder vor dem Kino Atelier platziert? Frauchiger sagt, dass Vertreter von Stadtreinigung, Stadtgärtnerei und Allmendverwaltung bereits länger über solche Möglichkeiten diskutieren würden. «Aber ein Pissoir direkt auf dem Platz zu installieren, ist aus optischen Gründen nicht möglich.» Auch das Schamgefühl jener Männer, die sich erleichtern wollen, spiele eine Rolle, sagt Frauchiger. Anders gesagt: Keiner erledigt sein kleines Geschäft gerne an einem stark frequentierten Ort. «Es braucht ein bisschen Privatsphäre», so Frauchiger. Diese sei auf dem Platz und vor dem Kino nicht gegeben.

Frauchiger verspricht, dass «die Bemühungen der Behörden soweit wie möglich weitergehen. Zum Beispiel mit einem laufenden Pilotprojekt: Sämtliche festinstallierten WC-Anlagen auf Stadtgebiet können derzeit kostenlos benützt werden». Die Reaktionen darauf seien bislang positiv, und die Zahl der Benutzer sei gestiegen, wie erste Auswertungen zeigen würden.

Schlechte Vorbilder

Das Pilotprojekt der kostenlosen WC-Anlagen scheint bislang allerdings nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein. Dass die Stadt nämlich trotz dieser Bemühungen noch immer ein Pipi-Problem hat, mag Frauchiger nicht kommentieren. Er sagt: «Ergebnisse werden gegen Ende 2017 erwartet.» Er appelliert derweil an das Gewissen der Eltern: «Dass die schlechten Vorbilder unter Erwachsenen nicht ohne Folgen bleiben, ist nicht von der Hand zu weisen. Kinder werden von ihren Eltern oft nicht oder zu wenig darauf hingewiesen, dass der öffentliche Raum nicht verschmutzt werden soll. Es fehlt hier an der entsprechenden Erziehung.»