Transgender
Der TransTreff will in Basel den Tabubruch erreichen

Kia hat in Basel den TransTreff gegründet. Dort sollen sich Transfrauen und Transmänner austauschen können. Die ersten neun Monate waren nicht nur einfach.

Noemi Lea Landolt
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«Trans oder nicht-Trans sollte hier nicht die Frage sein», sagt Kia. Im Alltag trifft die Transfrau auf Hindernisse.

«Trans oder nicht-Trans sollte hier nicht die Frage sein», sagt Kia. Im Alltag trifft die Transfrau auf Hindernisse.

Martin Toengi

«Bist du operiert?» Diese Frage scheint viele Menschen brennend zu interessieren. Sie taucht jedes Mal auf, wenn sie eine Transfrau sehen oder kennenlernen. Kia, eine junge Transfrau aus Basel, kennt die Frage. Diese sei extrem verletzend. Wenn Kia durch die Strassen geht, wird sie manchmal auch nach Sex gefragt, und meistens kommt es ihr vor, als würde sie angestarrt. Sie hat dann immer das Gefühl, dass ihr Aussehen bei gewissen Menschen im Kopf sexuelle Fantasien auslöst. «Viele kennen Transfrauen nur aus dem Rotlichtmilieu, erotischen Filmen, schlechten TV- Sendungen oder wenig vorteilhaften Artikeln in Zeitungen», sagt Kia. Deshalb hätten sie das Gefühl, es sei ein Freipass, Transfrauen nach Sex zu fragen. «Aber bei uns geht es nicht um die sexuelle Ausrichtung.»

Flucht in die Einsamkeit

Die Fragen und musternden Blicke von wildfremden Menschen im Basler Alltag sind unangenehm, anstrengend und vor allem verletzend. Einige Transpersonen leben deshalb in ihrer alten Persönlichkeit – unglücklich zwar, aber versorgt in der Schublade weiblich oder männlich, so wie es die heutige Gesellschaft vorsieht. Andere ziehen sich zurück. Sie bleiben zuhause, anstatt am Leben teilzunehmen, weil sie sich nicht mehr nach draussen trauen.

Damit der Basel Trans Treff den Transpersonen besser helfen kann, sucht dieser aktive Transpersonen, die im Vordergrund oder Hintergrund mithelfen.
Informationen und Kontaktangaben

www.basel-trans-treff.ch

Kia will das ändern. «Ich möchte alle diese Transpersonen erreichen, sie aus ihren Wohnungen locken und ihnen helfen.» Auf der Suche nach anderen Transfrauen und Transmännern in der Region ist sie schnell an Grenzen gestossen. In Basel gibt es – anders als in anderen grossen Schweizer Städten – noch keine sichtbare Anlaufstelle, die sich ausschliesslich mit Trans-Themen beschäftigt. «Dabei gibt es so viele Fragen, die man sich als Transfrau oder Transmann stellt. Zum Beispiel wie man sich am besten outen kann, bei den Eltern und im Job, oder wie man den Alltag als Transperson bestreitet.»

Auch über die zweite Pubertät würde Kia gerne mit anderen Transpersonen sprechen, die das Gleiche durchmachen oder durchgemacht haben. Also darüber, was während der zweiten Pubertät mit dem Körper geschieht, wenn er plötzlich männliche oder weibliche Hormone bekommt.

Angst vor Ausnutzung

Kia ist deshalb selber aktiv geworden. Am 24. Januar 2016 hat sie den Basel Trans Treff gegründet und organisiert seitdem regelmässige Treffen. Der Ort bleibt allerdings geheim. Das längerfristige Ziel sei aber, einen Tabubruch in der Gesellschaft zu erreichen. Sie wünscht sich, dass Transpersonen nicht mehr länger im Versteckten leben müssen. Aber im Moment sei das noch zu gefährlich. «Bevor jemand in die Gruppe aufgenommen wird und erfährt, wo wir uns treffen, muss ich sicher sein, dass es sich nicht etwa um eine transphobe oder dubiose Person handelt», sagt Kia. Ihre Sorgen sind gross, dass Personen auftauchen könnten, die ihnen schaden möchten oder sexuelle Abenteuer suchen.

Trotzdem hat sie sich bewusst dagegen entschieden, den Basel Trans Treff zum Beispiel in den Räumlichkeiten des Zentrums Selbsthilfe oder der Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (habs) zu organisieren. «Ich wollte keine Selbsthilfe-Atmosphäre schaffen.»

Die geheime Facebook-Gruppe zählt unterdessen 30 geoutete und ungeoutete Mitglieder. Letzte Woche ist eine neue Transperson dazugekommen. Die Treffen finden einmal pro Woche statt. Unterdessen wird der Basel Trans Treff auch von der habs unterstützt. «Wir hatten im Moment niemanden, der sich in Basel für Transpersonen eingesetzt hat», sagt Thomas von der habs. Das sei auch der Grund, weshalb es in Basel keine Anlaufstelle gab, die sich an Transpersonen richtet. «Wenn aber jemand eine neue Gruppe gründen möchte, unterstützen wir die Person mit unserer Erfahrung natürlich gerne.»

Wichtige Aufklärungsarbeit

Kia beurteilt den Start vom Basel Trans Treff noch kritisch. «Ich bin im Moment die einzige Transperson, die Aufklärungsarbeit macht und dafür sorgt, dass sich Transpersonen in der Stadt treffen.» Bisher kämen etwa drei Personen regelmässig, früher waren es mehr. Kia wünscht sich, dass es selbstverständlich wird, dass man zusammenkommt, die Gruppe grösser wird, sich irgendwann selbstverwaltet und Aufklärungsarbeit macht. Sie ist überzeugt, dass es wichtig ist, dass sich Transpersonen nach draussen wagen, sich sichtbar machen. So wie es etwa CVP-Grossratskandidatin Rebecca Burkhardt gemacht hat. «Ich kann anderen Transfrauen und Transmännern momentan noch kein besseres Angebot machen, als ihnen den Austausch anzubieten», sagt Kia. Es sei jetzt an ihnen, das zu nutzen und regelmässig zu kommen – auch wenn sie nur zu gut weiss, dass es Überwindung kostet, vor allem für die Ungeouteten.