Sport-Campus
Der Traum vom Sport-Campus rückt in weite Ferne

Der Campus des FC Basel macht es vor: Sportstätte, Schule und Wohnheim an einem Ort. Aber die Stützpunkt-Idee beider Basel scheitert am Geld.

Michael Nittnaus
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Die Sportanlagen St. Jakob wären der beste Standort für einen neuen Sport-Campus.

Die Sportanlagen St. Jakob wären der beste Standort für einen neuen Sport-Campus.

AZ

Effizienter geht es kaum. Doch das sportpolitische Ausrufezeichen, das Mäzenin Gigi Oeri mit dem Campus für die ganze Region gesetzt hat, wird so schnell keine Nachahmer finden. «In den nächsten fünf bis zehn Jahren stellt die Errichtung eines Campus Sport kein prioritäres Investitionsvorhaben dar.» Dies antwortet die Baselbieter Regierung auf ein vier Jahre altes Postulat von Landrat Martin Rüegg.

Stützpunkt für Sportler

Der SP-Präsident hatte gefragt, ob es nicht sinnvoll sei, für Leistungssportler, Sportstudenten und Sportschüler beider Basel einen Stützpunkt zu errichten, an dem Schule, Sport, medizinische Betreuung und Verpflegung «in unmittelbarer Nähe» zusammengeführt würden. Denn: Heute sind die Stätten auf zig Standorte in der Region verteilt. Rüegg nennt die Sportanlagen und das Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel (ISSW) beim St. Jakob, die kantonalen Sportämter in Basel und Pratteln, sowie Sportklassen an Schulen in Pratteln, Liestal oder Reinach. Ende 2007 wurde zudem noch ein neues Heim für das Sportmuseum gesucht.

«Eine Zentralisierung würde durchaus Synergien ermöglichen, doch auch der Ist-Zustand hat Vorteile», fasst Sportdirektor Urs Wüthrich gegenüber der bz die Regierungshaltung zusammen. Aus der «Summe aller Überlegungen» resultiere schliesslich die Ablehnung. So bestehe kein Bedarf für ein kantonales Kurszentrum, die Sportklassen profitierten von besserer sozialer Integration in ihren Schulhäusern, die Sportämter hätten keinen Raumbedarf, und das Sportmuseum sei erst vergangenen Herbst nach Münchenstein gezogen. Die Probleme des ISSW dagegen würden in einem separaten Projekt angegangen (siehe Kasten).

Kosten sind das Problem

Und dann bestätigt Wüthrich, was im Regierungsbericht erst ganz am Ende steht: «Die finanzpolitische Lage Basellands war selbstverständlich auch ein wesentlicher Aspekt.» Für Rüegg sind die Kosten denn auch der Hauptgrund der Ablehnung: «Die Beantwortung meines Postulats kommt schlicht zum falschen Zeitpunkt.» Er stehe aber weiter zu seiner Idee.

Unterstützung erhält Rüegg von der IG Baselbieter Sportverbände. «So ein Sport-Campus wäre ein echter Gewinn für die Region», sagt Präsident Peter Stähli. Nicht nachvollziehen könne er, dass die Regierung keinen Bedarf sehe. Und: «Fünf bis zehn Jahre zu warten, ist falsch. Spätestens in drei bis vier Jahren sollte das Projekt wieder angeschaut werden.» Kaum Auswahl besteht beim möglichen Standort, da sind sich Rüegg, Stähli und Wüthrich einig: An den Sportanlagen St. Jakob führt kaum ein Weg vorbei. Hier schliesst sich auch der Kreis zum FCB-Campus, denn gegen eine solche Lösung hätte Wüthrich nichts: «Wenn es das Parlament will, könnten wir durchaus einen privaten Investor suchen.»