Abstimmung
Der Umbau der Kaserne steht auf der Kippe

In einem Monat wird an der Urne über die Zukunft der Kaserne entschieden. Die bz klärt die wichtigsten Fragen zu Guy Morins Prestigeprojekt.

Jonas Hoskyn
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Der Hauptbau der Kaserne soll im grossen Stil umgebaut werden. Der ursprüngliche Plan eines direkten Durchbruchs zum Rhein wurde aber aufgegeben.

Der Hauptbau der Kaserne soll im grossen Stil umgebaut werden. Der ursprüngliche Plan eines direkten Durchbruchs zum Rhein wurde aber aufgegeben.

Martin Toengi

1. Um was geht es bei der Kasernen-Abstimmung am 12. Februar?

Der Kasernen-Hauptbau soll umgebaut und zu einem Kultur- und Kreativzentrum umfunktioniert werden. Titel des Projektes: «Ein Haus für alle. Und das Neue.» In den jetzigen Schulzimmern sollen nach den Plänen des Basler Architekturbüros Focketyn del Rio künftig Ateliers, ein Wohnstudio und Grossraumbüros etwa für die Kreativwirtschaft untergebracht werden. Daneben sind eine Plaza, eine Aula, ein Restaurant, eine Buvette und eine Skybar auf dem Eckturm des Gebäudes geplant. Bereits einen fixen Platz in der künftigen Kaserne haben der Ruderclub und die Moschee.

Für den Umbau hat die Regierung insgesamt 44,6 Millionen Franken beantragt, was nach langer politischer Diskussion vergangenen Herbst schliesslich vom Parlament abgesegnet wurde. Dagegen ergriffen die bürgerlichen Parteien FDP, LDP und SVP das Referendum. Die Gegner kritisieren hauptsächlich, dass das Projekt unausgegoren sei und zu teuer ausfalle.

2. Warum ist der Umbau so teuer?

Der Löwenanteil (rund 36 Millionen Franken) entfallen auf die Gesamtsanierung des Hauptbaus. Die Fassaden, Fenster und das Dach und die technischen Installationen müssen dringend saniert werden. Ausserdem muss das gesamte Gebäude erdbebensicher gemacht werden. Dazu kommen Brandschutzmassnahmen. Dieses Geld ist grossenteils unbestritten.

Weitere 3,8 Millionen kostet der Abbruch des Zwischentraktes, welcher das Kasernenareal besser mit der Rheinpromenade verbinden soll. Hier beginnt schon der erste Widerstand von Gegnern, welche teilweise den Kasernenbau komplett unangetastet lassen wollen. Ausserdem hat die Regierung drei Millionen eingeplant, damit auch während der Bauzeit von August 2018 bis Januar 2021 die Herbstmesse und das Militärmusikfestival Basel Tattoo durchgeführt werden können.

3. Wo ist der versprochene Durchbruch zum Rhein?

Der bleibt wohl ein frommer Traum von Architekten und Stadtplanern. Von der ursprünglich per Initiative geforderten grosszügigen Öffnung zum Rhein ist faktisch nicht mehr viel übrig. Immerhin: Mit dem Abbruch des Zwischentraktes entsteht ein seitlicher Durchgang zum Klingeltalweglein und damit indirekt zum Rheinbord. Eine weitere Öffnung sei aus denkmalpflegerischen Gründen nicht realistisch, argumentiert die Regierung. Durch die dreigeschossige Plaza in der Mitte des Hauptbaus gibt es zumindest tagsüber eine Art Verbindung zwischen Innenhof und Unterem Rheinweg.

4. Welche Rolle spielt Guy Morin bei der Abstimmung?

Die Kaserne ist eine Herzensangelegenheit für den Noch-Regierungspräsidenten, der anfangs Februar aufhört. Seit der Grüne vor acht Jahren sein Departement übernommen hat, ist das Thema ein politischer Dauerbrenner. Und eigentlich wäre der Umbau so getimt gewesen, dass die ersten Vorbereitungsarbeiten noch in die letzten Amtstage von Morin gefallen wären. Durch die Abstimmung verschiebt sich der Baubeginn um ein Jahr. Somit wird die Abstimmung zum Schlusspunkt seiner politischen Karriere. Es wird erwartet, dass sich Morin nochmals mit vollem Einsatz in den Abstimmungskampf werfen wird. Zumal die Arbeit seines Departements bereits in den Kommissionen stark kritisiert wurde. Ein Nein wäre ein unschöner Abschied für Morin.

5. Wie ginge es im Falle eines Neins mit der Kaserne weiter?

Das ist völlig unklar. Die Gegner argumentieren, dass ein verbesserter Vorschlag vergleichsweise rasch vorliegen sollte. Die Befürworter sprechen dagegen von einem Generationenprojekt. Klar ist: Um die Nutzung der Kaserne wird schon seit Jahrzehnten gestritten. So kurz vor einer Lösung wie aktuell stand man noch nie. Ob die künftige Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann diesen gordischen Knoten lösen könnte, ist offen. Die realistischste Variante wäre wohl, dass das Gebäude weiter als Schule genutzt würde.