Zuwanderungsinitiative

«Der Universität Basel entgeht die Chance, sich im EU-Raum zu vernetzen»

Imageschaden: «Es kursieren viele Gerüchte weil es für die ausländischen Partner schwierig ist, die Situation in der Schweiz einzuschätzen», sagt Forschungsrahmenprogramme-Leiter Kurt Kamber der Uni Basel.

Imageschaden: «Es kursieren viele Gerüchte weil es für die ausländischen Partner schwierig ist, die Situation in der Schweiz einzuschätzen», sagt Forschungsrahmenprogramme-Leiter Kurt Kamber der Uni Basel.

Nach dem Ja zur MEI macht sich bei der Universität Ratlosigkeit breit. Fördergelder und Forschungsprojekte sind in Gefahr. Der Leiter der Forschungsprogramme ist sicher, dass der Image-Schaden die Finanzierungsproblematik noch übertrifft.

Die Schweiz ist kein zuverlässiger Partner mehr. Zumindest nicht aus der Sicht von Forscherinnen und Forschern aus der EU.

«Bei einzelnen Projekten haben sie die Schweizer Partner fallen gelassen wie heisse Kartoffeln», sagt Kurt Kamber, Leiter an der Universität das Regionalbüro Basel für die Forschungsrahmenprogramme der EU (EUresearch).

Seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative stecken er und sein Team in einer dummen Situation: «Es ist ein sehr schwieriger Moment. Unsere Arbeit ist viel aufwendiger geworden.»

Weil die Schweiz Ja gesagt hat zur Masseneinwanderungsinitiative, sagt die EU Nein zur gleichberechtigten Schweizer Teilnahme am achten Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020. Die Unsicherheit ist so gross, dass die Uni sogar eine eigene Internetseite mit laufenden Updates zu den Folgen der Sistierung eingerichtet hat.

Kasse ist wieder zu

Seit 2004 war die Schweiz als Partner mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten an den Forschungsrahmenprogrammen der Europäischen Union beteiligt. Mit zunehmendem Erfolg holten die Basler Forscher in den letzten Jahren mit ihren Anträgen Gelder aus den EU-Töpfen.

Besonders ergiebig waren die Anträge an den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, kurz ERC). Zum Beispiel erhielt im Dezember 2013 der renommierte Krebsforscher Michael Hall einen der ERC Synergy Grants für wegweisende Pionierforschung in der Höhe von 13,7 Millionen Franken.

Die Synergy Grants wurden 2012 erstmals vergeben. Ebenfalls aus den Kassen des ERC wurden Forschern der Universität Basel und am Schweizerischen Tropen- und Public-Health Institut 10 Millionen für vier sogenannte Consolidator Grants zugesprochen.

Mit den Consolidator Grants werden exzellente Forscherinnen und Forscher gefördert, die bereits ein paar Jahre Erfahrung haben.

Schweiz wieder mit Drittland-Status

Doch die Erfolge auf internationalem Parkett sind jetzt gefährdet: Weil die Schweiz nun wieder den Status eines Drittlandes hat, ist diese Kasse wieder zu – die EU hat in den Forschungsrahmenprogrammen bis 2020 ein Budget von fast 82 Milliarden Euro bereitgestellt.

Das hat für die Forschenden viel unmittelbarere Folgen als erwartet. «Einzelne Module sind für die Universität, aber auch für KMU nicht mehr offen», sagt Kamber. Denn Teil der Rahmenprogramme sind zum Beispiel auch spezielle Fördermodule für innovative Unternehmen.

Schweiz wird nicht mehr gefragt

Das heisst: Als Teil einer internationalen Forschergruppe mit europäischen Partnern können sich Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen weiterhin an Forschungsprojekten beteiligen.

Die Finanzierung aber muss nun von der Schweiz aus sichergestellt werden.

Zwar hat der Bundesrat zugesagt, Lösungen für die Forschungsfinanzierung der Schweizer Teilnehmer zu suchen, die aktuell vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation und vom Schweizerischen Nationalfonds vorbereitet werden. Aber dies wird einige Monate dauern.

In der Zwischenzeit ist für die Schweizer Forschungspartner einiges unklar: «Das ist Gift. Und es passiert teilweise auch sehr unterschwellig, dass die Schweiz gar nicht mehr in Verbundprojekte einbezogen wird», sagt Kamber.

Der finanzielle Schaden ist schwierig zu beziffern. Die Schweiz gehörte zu den Ländern, die am meisten vom Programm profitiert haben. Sie hat im Verhältnis mehr Geld erhalten als bezahlt.

Für die Universität Basel ist es so, dass nur rund sechs Prozent der Drittmittel für die Forschung an der Universität aus den Europäischen Forschungsrahmenprogrammen kommen. 2013 waren es rund 9,3 Millionen Franken.

Viel schwerer aber wiegt der Imageschaden: «Es kursieren viele Gerüchte und Unrichtigkeiten, weil es auch für die ausländischen Partner sehr schwierig ist, die aktuelle Situation in der Schweiz richtig einzuschätzen», sagt Kamber.

«Wir haben konkrete Fälle, wo die Koordination für Basel geplant war, nun aber in ein EU-Land abgezogen wurde.» Welche das sind, will Kamber nicht sagen.

Wie viele Beteiligungen an Forschungsprojekten der Universität Basel so entgehen, könne er nicht abschätzen. Forschungskonsortien zu bilden, das sind längerfristige Prozesse und die Einreichungsfristen für Forschungsanträge sind über das ganze Jahr verteilt.

Die letzte war für den Bereich Life Sciences am 11. März. «Ich rechne aber mit einer Stagnation oder gar einem Rückgang im Vergleich mit den letzten Jahren», sagt Kamber. Und damit entgeht der Universität Basel die Chance, sich im EU-Raum zu vernetzen und zu profilieren.

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