Den «Höhepunkt aller Höhepunkte», so nennt er es selbst, bescherte Peter Blome ein gut 3300 alter Ägypter. Die Tutanchamun-Ausstellung brach 2004 fast alle Museums-Rekorde: Innert sechs Monaten sahen sich 620'000 Besucher die rund 120 Grabschätze des Pharaos im Antikenmuseum an; Tausende standen täglich am St.Alban-Graben Schlange, an den Wochenenden bis zur Rittergasse. Tut, wie der König zärtlich genannt wurde, hier in Basel, eine Sensation.

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren hatte es wieder jemand geschafft, ihn aus Ägypten nach Europa zu lotsen: Antikenmuseumsdirektor Peter Blome. Am Anfang dieses Vorhabens wurde er für verrückt erklärt, danach für genial. Blome sei «ein unbeirrbarer Stratege», erzählt Burkard von Roda, langjähriger Direktor des Historischen Museums: «Wenn er etwas verfolgt, lässt er sich nicht verunsichern – und führt es zum Ziel».

Peter Blome ist eben ein Jäger. Im übertragenen Sinn und wortwörtlich. Bald dürfte der stämmige Mann von der Jagd auf Statuen entlastet und für diejenige auf Wildschweine mehr Zeit haben. Nach fast 20 Jahren als Direktor des Antikenmuseums und der Sammlung Ludwig geht er per Ende Jahr in Pension. Heute Abend wird er verabschiedet; unter anderem von Stadtpräsident Guy Morin. Blome habe «mit seinem Feuer für die antike Welt» vor einigen Jahren während der Museumsnacht sogar Morins damals 17-jährige Tochter für die alten Römer begeistern können. «Blome ist ein Urbasler, bei dem man gleichzeitig das Gefühl hat, er habe um die Zeit von Christus herum gelebt», charakterisiert ihn Morin.

Ägyptenabteilung aufgebaut

«Alles, was man im Leben macht, sollte einen inneren Zusammenhang haben», sagt Blome. Den Tut habe er nur nach Basel holen können, weil er drei Jahre zuvor den unterirdischen Ägyptensaal eingeweiht hatte – die logische und logistische Voraussetzung für die «Riesenkiste».

Mit jener ägyptischen Abteilung eröffnete Blome dem Museum eine neue Ausrichtung gen Orient. Nachdem dieser Pflock eingeschlagen war, durfte sich der habilitierte Archäologe und Altphilologe seiner Position wohl bis zur jetzigen Pensionierung sicher gewesen sein – sein aktuellstes Curriculum Vitae hört 2001 auf. Nach dem Tut-Coup sowieso. Und genau so sensationell sind seine Sponsoring-Erfolge: Die UBS kam für den nicht eben billigen Tutanchamun auf, unter anderen die Novartis für manch andere Sonderausstellung.

Blome sei «ein unerschütterlicher Netzwerker», sagt von Roda. Als Fasnächtler, Ehrespalebärglemer 2005 und Obersperber seit 2008 pflegt er Kontakte zu den erlauchtesten Kreisen Basels. Er sei, wie es die bz einmal etwas weniger vornehm ausdrückte, ein «gern gesehener Gast an jeder Hundsverlochete». Ausserdem ist Blome verheiratet mit der Schwester von Karl Schweizer, Anwalt, langjähriger Leiter des Art-Bankings der UBS und prominentestes Mitglied der Striggede-Schnitzelbänkler.

Er sei extrovertiert, sagt Blome über sich, stehe gern an der Rampe. Als Direktor sei es wichtig, dass er Inhalte vermitteln und Publikum begeistern könne – für nichts weniger als das kulturelle Fundament Europas. Einen unterhaltsamen, interessanten Diskussionspartner, der mit seinen oft polarisierenden Meinungen nicht hinter dem Berg halte, nennt ihn denn auch Berufskollege von Roda: «Als Person ist Blome unzweifelhaft eine Marke.» Handkehrum sei er ein «schwer führbarer Staatsangestellter».

Skandal um Herkunft der Objekte

Mit seinem Eigensinn provozierte Blome auch einen mittleren Museumsskandal, der immer noch auf kleiner Flamme schwelt. Das Antikenmuseum frage bei Schenkungen und Leihgaben zu wenig genau nach, woher die Objekte stammen, lautet der Vorwurf an Blome. Der Museumsdirektor stellte sich gegen das Kulturgütertransfer-Gesetz, bevor es 2005 in Kraft trat, und zog auch später mit markigen Ansichten gegen «zu rigorose» Provenienz-Abklärungen den Zorn so mancher Archäologen auf sich. «Ich werde nicht zum Inquisitor, wenn mir Objekte angeboten werden», wiederholte Blome 2009 dem «Tagesanzeiger». Dazu stehe er weiterhin, sagt er im Gespräch mit der bz: «Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und jeden privaten Sammler zum Kriminellen machen.» Aber natürlich kläre das Museum die Herkunft jeder Neuanschaffung so weit als möglich ab.

Blomes Abschieds-Sonderausstellung dreht sich um die jordanische Felsstadt Petra. Sie werde gut besucht. Aber nichts kommt mehr an Tut heran. Obschon etwa «Das Gold der Thraker» jenem an Qualität in nichts nachgestanden habe, sagt Blome. Und wer sich an einem Sonntag die Dauerausstellung anschaut, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit die gesammelten griechischen Vasen für sich. «Die permanenten Sammlungen werden in den meisten Museen unter ihrem Wert besucht», sagt Blome, «die Leute orientieren sich mehr am Sonderangebot».

Ausserdem sei die Antike in unserer Zeit der Eventkultur eben «schwer vermittelbar», werden Blome und Vizedirektor Andrea Bignasca viel zitiert. Der Vize ist ab Januar der neue Direktor; er will die alten Dauerausstellungen neu gruppieren und fortan verstärkt mit thematischen Ausstellungen Geschichten erzählen. Zum Beispiel über antike Männer(bilder). „Wann ist man ein Mann?“ Ab nächstem September.

Und was tut der Mann Blome ohne sein Museum? «Am Anfang bin ich vollauf mit Petra-Führungen beschäftigt, danach möchte ich öfter an meinen Zweitwohnsitz Rom reisen und mit der nötigen Musse Arbeiten über bisher kaum oder nicht publizierte Objekte schreiben, die während meiner Amtszeit angekauft oder dem Museum geschenkt wurden.»