An Superlativen wird nicht gespart: «Da ist uns der grosse Wurf gelungen», «eine echte Weltpremiere.» Am Samstag um 18 Uhr geht das neue Basler Medium barfi.ch online.

Falls die App alle Erwartungen hält, die seine Macher versprechen, steht der Journalismus vor einer kleineren Revolution. Barfi.ch will Landesgrenzen überschreiten; barfi.ch will aufzeigen, wie Werbung online funktioniert; barfi.ch will den multimedialen Journalismus revolutionieren.

Hinter dem Projekt steht Christian Heeb, Gründer der Radiosender Basilisk und Radio Basel, gemeinsam mit Freunden, wie er sagt. Im Verwaltungsrat sitzen neben Heeb Wetterprophet Jörg Kachelmann, Medienprofessor Klaus Neumann-Braun und Ringier-Urgestein Hans Jürg «Fibo» Deutsch.

Schlüsselstück des Projekts ist das Laufband auf dem Barfüsserplatz, auf dem Nachrichten, sowie Werbung eingeblendet werden und auf dem User Botschaften dem ganzen Barfi mitteilen können. Heeb: «Für mich ist barfi.ch die grössere Geschichte als damals Radio Basilisk.»

Blick in die App

Die App barfi.ch ist eine Mischung aus Journalismus, Serviceleistungen und Werbung. Die Redaktion bestehe aus acht festen Mitarbeitern, ergänzt durch «namhafte» freie Mitarbeiter, so Heeb. Wer alles für barfi.ch schreibt, will er noch nicht verraten. Wichtig ist ihm die journalistische Qualität. Keine Publireportagen, sondern das «Niveau einer Bezahlzeitung».

Heeb: «Jeden Tag gibt es eine Schwerpunktgeschichte, die es nur bei uns geben soll.» Daneben bietet barfi.ch Serviceleistungen: In welchem Basler Parkhaus hat es freie Parkplätze?, was läuft im Kino? Es ist eine App, hinter der sich wie viele weitere Apps verstecken.

Das Design ist aufgebaut in Kacheln, von der jede eine spezielle Thematik abdeckt. Will man beispielsweise eine Story zum FC Basel lesen, klickt man auf die Sport-Kachel. Ist man ein Sportmuffel, kann man die Kachel ganz nach unten verschieben.

Zehn Kacheln sind für Werbung reserviert. Sie werden für je 138000 Franken im Jahr an Unternehmen vermietet, die den Inhalt frei nach ihren Wünschen gestalten können. Acht der zehn seien bereits vergeben, sagt Heeb.

Unter anderem an die SBB und die Baselland Transport AG (BLT). Wobei: «Die BLT zahlt nicht die ganzen 138000 Franken.» Grund: Kachelmanns Kachel. Der Meteorologe bewirtschaftet die Wetterinformation. Dazu sammelt er mithilfe der BLT Daten. Auf acht Fahrleitungsstationen sollen zukünftig unter anderem die Temperatur und der Wind gemessen werden. «Es gibt beim Wetter riesige Unterschiede im Baselland», sagt Kachelmann. Dies will der Meteorologe zusätzlich mithilfe von Trams verdeutlichen. Auch von dieser, seiner «komischen» Idee, hätte er die BLT überzeugen können. Mobile Wetterstationen auf Trams.

Neben den BLT fand barfi.ch einen weiteren Partner im Telekommunikationsunternehmen Swisscom. «Sie halten das Projekt für zukunftsträchtig», sagt Heeb, der als Unternehmer bereits Erfolg und zuletzt vor allem Misserfolge erlebt hat. Das von ihm gegründete Radio Basilisk gibt es noch heute, Radio Basel scheiterte. Geld verloren hätte er dabei keines, sagt er. Der Radiosender wurde 2009 ebenso mit Pauken und Trompeten angekündigt, wie heuer barfi.ch.

Über die Budgethöhe seines aktuellen Projekts will er keine Auskunft geben. «Ich habe alles selber finanziert. Es ist mir also verdammt ernst.» Was die App taugt, wird sich ab morgen weisen. Ob Erfolg oder Misserfolg, das werden letztlich die Basler Mediennutzer entscheiden.

Barfi.ch ist kostenlos erhältlich im Play Store und im Apple Store und startet heute um 18 Uhr.