Basler Brauchtum
Der Vogel Gryff erneuert sich stetig – seit vielen Jahrhunderten

Der diesjährige Vogel Gryff steht unter dem Zeichen des neuen Kostüms. Dahinter verbirgt sich eine Kleinbasler Hyylgschicht.

Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Die Ehrenzeichen des Vogel Gryff im Lauf der Zeit
14 Bilder
Hier der Kopf aus der Nähe. Bild: bro
Die drei Ehrenzeichen haben sich im Verlauf der Zeit immer wieder verändert. Hier sind sie gemeinsam mit dem Krayenjoggi um 1810. Gemälde von Daniel Burckardt-Wildt.
So hat man den Vogel Gryff anno 1848 dargestellt. Aquarellierte Bleistiftzeichnung von Constantin Guise.
Der Wild Maa besitzt drei verschiedene Larven. Eine davon hat ein lachendes Gesicht. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
Der Wild Maa wehrt sich gegen die Jungen, die ihm seine Äpfel abnehmen wollen. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
Zum Schluss verbeugen sich die drei Ehrenzeichen gemeinsam. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
Das ist gleich geblieben: Am höchsten Kleinbasler Feiertag tragen die Schugger noch die alte Uniform. Foto: P. Armbruster/F. Hoffmann.
Auch die Ueli veränderten sich im Verlauf der Zeit. Früher soll es nur einen gegeben haben, heute sind es vier. Auf dem Velo fahren sie jedoch eigentlich nicht. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
Die drei Ehrenzeichen der Neunziger. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
So tanzte der Leu jahrzehntelang durch die Kleinbasler Gassen... Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
... und das ist der aktuelle Leu. Bild: Martin Töngi.
Der Vogel Gryff beim Tanz auf der Terrasse des Kaffi Spitz. Bild: P. Armbruster/F. Hoffmann.
So sah der Vogel Gryff im letzten Jahr aus. Bild: Kenneth Nars.

Die Ehrenzeichen des Vogel Gryff im Lauf der Zeit

bz

Wichtig ist nicht, wer unter der Larve steckt, wichtig ist, dass dieser Jahrhunderte alte Brauch weitergegeben wird. Diese Aussage haben alle Mitglieder des Spiels verinnerlicht und sie erfährt am diesjährigen Vogel Gryff vom 27. Jänner wahrscheinlich so viel Bedeutung wie in dessen Geschichte selten zuvor.

Der Hintergrund der folgenden Hyylgschicht ist ein pragmatischer: Das alte Kostüm des Vogel Gryff war abgewetzt, die Tänze in den Kleinbasler Gassen während fast 70 Jahren hatten dem Ehrenzeichen zugesetzt. Vor drei Jahren nahm Ruedi Bossert deshalb das Heft in die Hand, dem Vogel Gryff zu einem neuen Äusseren zu verhelfen.

In dessen Gestaltung steckt viel Liebe zum Detail. Metallkünstler Beat Zeuggin trieb den Kopf in stundenlanger Arbeit aus Aluminium, bevor er mit Leder überzogen wurde. Dabei stand Alwin Probst zur Seite. Der Tierpräparator aus dem Naturhistorischen Museum achtete nicht nur darauf, dass eine anatomisch korrekte Fabelfigur geschaffen wurde, sondern übernahm auch gleich deren Bemalung.

Wächter, Sonnengott, Totenbegleiter

Der Greif – er ist eine Figur mit einer uralten Geschichte. Der lateinische «Grypho» geht auf ein indogermanisches Wort zurück, das die gleiche Bedeutung hatte wie das heutige „greifen“. Er war der Beschützer der ägyptischen Pharaonen, eine Sonnenfigur bei den heidnischen Völkern, auch die Begleitung der verstorbenen zur Ewigkeit wurde ihm schon als Aufgabe angetragen. Psychopompos, Seelenbegleiter, wurde er genannt und war ein beliebtes Sujet auf Gräbern, um die Toten zu schützen.

Je nach Übersetzung fand er sogar Eingang in die Bibel: "Dies aber sind die Vögel, die ihr nicht essen dürft, sondern zu meiden habt: der Adler und der Greif, der Fischadler und der Milan und der Geier", heisst es bei Moses. Am höchsten Kleinbasler Feiertag ist er nachweislich mindestens seit dem Jahr 1520 zugegen. Damals wurde der Wächter noch selber bewacht und von einem Ueli an einer Kette herumgeführt. Im Lauf der Geschichte hat sich dies bekanntlich verändert.

Tanz «In Memoriam»

Beim neuen Vogel Gryff soll insbesondere die Beschützerrolle wieder stärker zum Ausdruck gebracht werden. Grössere Ohren, ein schärferer Blick und grössere Flügel, das sind die markanten Änderungen des neuen Gryffe-Kopfs, der heute den Medien vorgestellt wird. Pünktlich zum Greifen-Jahr wird der neue Gryff zusammen mit Leu und Wild Maa durch das mindere Basel ziehen und jenen eine Reverenz erweisen, die sich das Jahr über in den Dienst des Vogel Gryff gestellt haben.

Als solcher hätte auch Ruedi Bossert einen Tanz erhalten. Eine spezielle Geschichte, ist doch ausgerechnet jener, der im Gryff-Kostüm steckt und diesem somit Leben einhaucht, sein Sohn. Bossert wird jedoch seinen Vogel nie tanzen sehen, er ist vor Kurzem verstorben. Der Tanz wird dennoch stattfinden: „In Memoriam Ruedi Bossert“ steht auf dem diesjährigen Routenplan. Um 15:25 vor dem Kongresszentrum werden Bosserts Angehörige seiner statt die Ehrerbietung annehmen. Schon Minuten später wird das Spiel weiterziehen.

Hier tanzt der Vogel Gryff: Der interaktive Routenplan 2016

Aktuelle Nachrichten