Basel
Der Wagenplatz am Hafen ist noch nicht geschrumpft – im Gegenteil

Die neuen Mieter sind da und die Kunstmesse Scope steht vor der Tür – die Wagenburg muss ihren Platz halbieren. Und dies bis Ende Monat. Ansonsten droht den Wagenleuten, dass sie ihre Wagenburg ganz entfernen müssen.

Martina Rutschmann
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Ende Monat beginnen die Verantwortlichen der Kunstmesse Scope mit den Aufbauarbeiten auf dem ehemaligen Migrol-Areal.
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Bis dann müssen die Wagenleute, die illegal, aber geduldet auf dem Platz leben, ihren «Wohnbereich» um die Hälfte verkleinert haben.
Tom Brunner und Katja Reichenstein warten die Scope ab – und legen dann mit Projekten los.
Die erfahrenen Zwischennutzer Katja Reichenstein, Tom Brunner und Kurt Schuwey werden die Brache mit Gastronomie, Kultur und Kinderspielplätzen beleben und zu einem öffentlich zugänglichen Ort machen.
Die Wagenburg muss ihren Platz halbieren

Ende Monat beginnen die Verantwortlichen der Kunstmesse Scope mit den Aufbauarbeiten auf dem ehemaligen Migrol-Areal.

Kenneth Nars

Sie halten sich alle bedeckt. Aber es brodelt am Hafen, das steht fest. Wenn bis Ende Monat alles noch ist, wie es sich jetzt präsentiert, kocht die Situation hoch oder gar über. Die Zeit, die drängt. Ende Monat beginnen die Verantwortlichen der Kunstmesse Scope mit den Aufbauarbeiten auf dem ehemaligen Migrol-Areal.

Bis dann müssen die Wagenleute, die illegal, aber geduldet auf dem Platz leben, ihren «Wohnbereich» um die Hälfte verkleinert haben. Mitte April haben sie aus den Medien davon erfahren, diese Woche hat es ihnen die Verwaltung persönlich mitgeteilt.

Noch haben sie ihre Wohnwagen aber nicht zusammengerückt: Von den 15'000 Quadratmetern bewohnen sie nach wie vor einen Drittel – und damit eine Fläche, die doppelt so gross ist wie jene, die ihnen die Regierung im Sinne eines «pragmatischen Weges» zugestanden hat.

Ein Deal mit klaren Spielregeln

Die Beschränkung auf 2500 Quadratmeter war eine Bedingung, den Wagenplatz überhaupt «vorerst zu dulden». Die Organisation und Bewirtschaftung für das restliche Areal übertrug die Regierung dem Verein Shift Mode für das Projekt «Holzpark Klybeck».

Die erfahrenen Zwischennutzer Katja Reichenstein, Tom Brunner und Kurt Schuwey werden die Brache mit Gastronomie, Kultur und Kinderspielplätzen beleben und zu einem öffentlich zugänglichen Ort machen. Seit dem 1. Mai hat das Trio quasi die Schlüssel in der Hand. Loslegen wird es, sobald die Kunstmesse Scope vorbei und der Platz frei ist.

Die Besetzer des Wagenplatzes haben die Möglichkeit, ihre Ideen für Projekte wie beispielsweise Ateliers einzubringen und für den «Holzpark» vorzuschlagen. Im Gegensatz zu den Projekten auf ihrem eigenen Platz ist der Verein Shift Mode für seine Projekte verpflichtet, alle nötigen Bewilligungen einzuholen. «Wir machen für jedes Projekt eine Eingabe und werden sämtliche Auflagen einhalten», sagt Tom Brunner.

Ob diese korrekte Vorgehensweise der Ideologie der Wagenleute entspricht, sei dahingestellt. Bisher kam jedenfalls keiner der Bewohner mit konkreten Ideen auf den Verein zu, was Katja Reichenstein bedauert. «Sie haben auf dem Wagenplatz tolle Projekte, die wir gern integrieren würden.»

Auch bei den Wagenleuten ist keine Abwehrhaltung zu spüren, im Gegenteil: «Wir sind mit allen beteiligten Parteien im Gespräch.» Die Gespräche drehen sich laut Reichenstein darum, die Nachbarschaft für beide Seiten so angenehm wie möglich zu gestalten und eine gute Zusammenarbeit auf die Beine stellen zu können.

Quadratmeter sind kein Thema – und werden auch keines sein. Denn: «Wir haben mit der Regierung von Anfang an vereinbart, dass sie für die Wagenleute und die Einhaltung der Spielregeln zuständig ist und nicht wir», sagt Reichenstein.

Roland Frank von der Stadtteilentwicklung im zuständigen Präsidialdepartement bestätigt das. Der Deal ist klar: Die Wagenleute dürfen vorerst bleiben, müssen sich aber verkleinern. Der Verein Shift Mode bespielt bis 2019 die restlichen 12'500 Quadratmeter. Und die Landestelle-Bar am Rhein, die bleibt. Wenn alles kommt, wie sich das die Regierung unter Federführung von Stadtpräsident Guy Morin vorstellt, wird aus dem bisher eher tristen, leblosen Ort ein urbaner Raum für kreative Köpfe.

Was aber, wenn sich die Wagenleute querstellen und sich sagen: Wir sind hier seit gut einem Jahren – und zwar genau auf dieser Fläche. Warum sollten wir uns plötzlich verkleinern? Schliesslich leben hier Familien mit Kindern. Wir brauchen den Raum. Der Sprecher der Gruppe wollte sich gegenüber der bz nicht zu entsprechenden Fragen äussern. Auch nicht auf zur Frage, ob die Gruppe vorhabe, wie gewünscht zu verkleinern.

Noch 380 Quadratmeter pro Kopf

Roland Frank, Leiter der zuständigen Fachstelle Stadtteilentwicklung, sagt: «Wir haben den Wagenleuten die Spielregeln erklärt. Diese beinhalten unter anderem, bis Ende Mai nur noch 2500 Quadratmeter zu beanspruchen.» Er gehe davon aus, dass sie sich an diese Rahmenbedingung halten. «Sollten sie wider Erwarten den Goodwill der Regierung nicht respektieren, müssten wir Konsequenzen ziehen.» Konkreter wird er nicht.

Etwa 13 Menschen leben derzeit fest auf dem Wagenplatz. Das entspricht einer Fläche von 380 Quadratmetern pro Person. Die Regierung verlangt, dass sich die Bewohner mit knapp 200 Quadratmeter pro Kopf begnügen. In der Nachbarschaft in Kleinhüningen lebt ein Mensch im Durchschnitt auf 35 Quadratmetern.

Katja Reichenstein und Tom Brunner beharren nicht auf ihren 12'500 Quadratmetern. Sie sagen: «Wir nehmen, was übrig bleibt.» Sie wollten nicht zum Spielball der beiden Parteien werden. Es sei an der Regierung, die Platz-Frage zu klären.

Vor dem Wagenplatz hängt ein Transparent: «Regierung foult Wagenplatz», steht darauf geschrieben.

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