Hinter einem blauen Fragezeichen versteckt rührt FDP-Nationalrat Daniel Stolz schon seit Wochen via Plakatsäulen die Werbetrommel. Gestern sind die Plakate ersetzt und das Frage- ist einem Ausrufezeichen gewichen. «Ein früher Start in den Wahlkampf hat den Vorteil, dass noch wenig Konkurrenz herrscht», sagt Politologe Mark Balsiger, der drei Bücher zum Thema Wahlkampf verfasst hat. «In anderen Kantonen wäre Stolz aber kein Frühstarter mehr, dort hat der sichtbare Wahlkampf längst begonnen.»

Ebenfalls noch zu den Frühstartern gehört SP-Kandidatin Sarah Wyss, die ihre Kampagne exakt 100 Tage vor der Wahl am 18. Oktober begonnen hat – mit einem Foto-Statement von Parteikollege Beda Baumgartner. 99 weitere solcher Statements sollen folgen und via Social Media zu viel Präsenz führen. Für Balsiger eine zwar nicht neue, aber clevere Idee. «Bei Nationalratswahlen geht es primär darum, das eigene Lager zu aktivieren. Da haben Social Media Kampagnen via Facebook und Co. einen grossen Einfluss.» Besonders in bevölkerungsreichen Wahlkreisen wie Basel-Stadt, wo es wichtig sei, eine grosse Anzahl Wähler zu erreichen. «Im Appenzell braucht kein Politiker Social Media – dort kennt man sich fast noch namentlich und weiss, wen man wählt.»

«Zu wenig subtil und knackig»

Mit einem eigenen Wahl-Video ist FDP-Kandidat Stephan Mumenthaler vor einer guten Woche ins Rennen um die Nationalratssitze gestiegen. Mumenthaler gibt sich als Problemlöser, der den von einer Praktikantin angeschleppten Stapel mit neuen Regulierungen zum Schluss des Clips in den Papierkorb wirft. Der Politologe findet den Clip zwar «professionell gemacht», aber «zu wenig subtil und knackig».

Insgesamt beurteilt Balsiger, der auf 20 Jahre Erfahrung im Analysieren von Wahlkämpfen zurückblickt, den Kampagnen-Auftakt der Basler Kandidaten als noch ausbaufähig. «Der Ansatz von Sarah Wyss ist sympathisch und kreativ. Auch die Teaser-Plakate von Daniel Stolz sind ein gutes Mittel. Das Wahl-Video von Stephan Mumenthaler hingegen funktioniert in dieser Form nicht, es ist eine Null-Nummer.»

Daniel Stolz

Politologe Mark Balsiger: «Daniel Stolz hat mit den Teaser-Plakaten eine klassische Form gewählt. Handwerklich ist die Kampagne gut gemacht, wobei die helle Krawatte und das weisse Hemd falsch gewählt sind, weil sie sich praktisch nicht vom weissen Hintergrund abheben. Ich hätte eine hellblaue Krawatte empfohlen, die deutlich frischer wirken würde.»

Sarah Wyss

Politologe Mark Balsiger: «Eine clevere Idee, die nichts kostet und möglicherweise zum Selbstläufer wird, wenn plötzlich weitere Sympathisanten eigene Sarah-Wyss-Wahlempfehlungen hochladen. Wichtig dabei ist, dass nicht nur die Politikerin die Bilder auf Facebook verbreitet, sondern auch diejenigen, die auf den Fotos zu sehen sind.»

Stephan Mumenthaler

Stephan Mumenthaler

Politologe Mark Balsiger: «Eigenwillige oder trashige Videoclips wie etwa von der FDP-Reinach (‹Jä du wälsch mi!›) können sehr erfolgreich sein. Beim sehr nüchtern gehaltenen Mumenthaler-Clip fehlt jegliche Überraschung. Auf diese Weise funktioniert ein solcher Clip nicht.»