Wer gerne Bücher liest mit Titeln wie «Ökonomische Steuerungsmechanismen: Beispiel Hämatologie und Onkologie» oder «Surgery for Pediatric Velopharyngeal Insufficiency», der hat einen Lieblingsverlag.

Dieser hat seinen Sitz in Basel, feiert sein 125-Jahr-Jubiläum und heisst Karger. Die meisten kennen wohl vor allem Karger Libri, die Buchhandlung vis-à-vis des Kollegiengebäudes der Universität am Petersgraben. Das grosse Bürogebäude am Brausebad, in dem fast 200 Menschen arbeiten, ist dagegen weniger bekannt.

Und dass es über die ganze Welt verstreut noch weitere 50 Mitarbeiter gibt, das wissen die wenigsten. Denn Karger, das ist vor allen Dingen ein Verlag und eine internationale Zeitschriftenagentur.

Für Geschäftsleiterin Gabriella Karger ist diese Wahrnehmung nur bedingt ein Problem: «Es ist verständlich, dass ein medizinischer Wissenschaftsverlag primär in Fachkreisen bekannt ist. Allerdings sind wir doch ein recht grosser Arbeitgeber in der Stadt Basel und Region und wir erhoffen uns, durch das Jubiläum auch breiter wahrgenommen zu werden.»

Gabriella Karger gehört zur vierten Generation der Verlegerfamilie. Gegründet wurde der Verlag am 1. April 1890 von Samuel Karger in Berlin. Bereits für ihn war das Ziel klar: medizinische Literatur für Praktizierende zugänglich zu machen. Und so war denn auch das erste Buch, das der Verlag verlegte, passenderweise ein Leitfaden für die Geburtshilfe.

Auszug aus Berlin

Nach Basel zog der Verlag 1937. Damals übersiedelte der Sohn des Gründers, Heinz, auf der Flucht vor den Nazis nach Basel. Sein Nachfolger Thomas war es dann, der die Buchhandlung gründete, die bis heute am Petersgraben existiert. Ausserdem wagte er den Ausbauschritt zu einer internationalen Zeitschriftenagentur.

Heute amtet er als Verwaltungsratspräsident. Inzwischen ist der Karger-Verlag der grösste medizinisch-wissenschaftliche Verlag der Schweiz, mit 200 Mitarbeitenden in Basel und 250 weltweit. Neben dem Hauptsitz in Basel und einer Zweigstelle in Freiburg im Breisgau hat der Verlag gemäss eigenen Angaben acht Aussenstellen in Frankreich, USA, Lateinamerika, Japan, China, Malaysia, Indien, Thailand, sowie Vertretungen in Pakistan und Afrika.

Für Gabriella Karger war der Einstieg in dieses mittlerweile globale Familiengeschäft nie eine grosse Streitfrage: «Ich habe einige Jahre ausserhalb des Verlags gearbeitet und habe mich bewusst entschieden, 2007 in den Verlag zurückzukehren. Die Welt der Wissenschaftsverlage ist überaus spannend und herausfordernd und das spornt mich an.»

Das gelte auch in Zeiten, in denen durch Downloads von elektronischen Büchern das Leben für Verlage und Buchhandlungen nicht gerade einfacher geworden sei.

Optimismus trotz Krise

Insbesondere auch in Basel, wo in den letzten Wochen Schliessungen von Buchhandlungen Schlagzeilen machten. «Wir sehen unsere Zukunft weiterhin in der sorgfältigen Aufbereitung und Verbreitung von relevanten und zuverlässigen wissenschaftlichen Informationen», sagt Gabriella Karger.

Gerade die grosse Verfügbarkeit von Informationen im Internet schaffe neue Aufgaben: Aufgrund der Informationsflut und der wachsenden Möglichkeiten zu publizieren, zum Beispiel Open Access, wird es noch wichtiger werden, dass der Karger-Verlag die medizinischen Wissenschaften darin unterstützt, den Inhalt auszuwählen, leserfreundlich aufzubereiten und so zu veröffentlichen und verbreiten, dass er in allen möglichen Formen und an allen möglichen Orten und auf den verschiedensten Online-Plattformen zur Verfügung steht.

Und auch das alte Wissen soll nicht verloren gehen, ganz im Gegenteil: «Wir haben anlässlich unseres Jubiläums sämtliche je im Karger-Verlag erschienenen Bücher aus 125 Jahren retrodigitalisiert, sodass die Inhalte nun für Wissenschaftler und Forschende auf der ganzen Welt elektronisch abrufbar sind.»

Und das ist nicht das einzige Jubiläumsgeschenk des Verlags. Karger hat auch ein Stipendium an der Uni Basel gestiftet. Damit setze der Verlag sein langjähriges Engagement für die Wissenschaften fort, sagt Mediensprecherin Anna Wegelin.

Da das Jubiläum des Karger-Verlags und der 555. Geburtstag der Uni Basel ins gleiche Jahr fielen, richte der Verlag mit 100'000 Franken einen Fonds ein. Aus diesem soll Teilnehmenden des internationalen Studiengangs «Master of Business Administration in Academic Management» an der Uni Basel finanzielle Hilfe zu teil werden.

«Die Fähigkeit, Wissen zu managen, wird immer wichtiger», sagt Gabriella Karger dazu. Der Studiengang verleihe die notwendigen Qualifikationen, um an Hochschulen Management-Aufgaben wahrzunehmen.