Aadringgede
Der Wein sprudelt mutig ins neue Jahr - traditionell am Dreizack-Brunnen

Das neue Jahr beginnt in Basel traditionell am Dreizack-Brunnen , wo sich Freie Strasse und Münsterberg treffen. Mit Gewürzwein und Kurzansprache.

Nicolas Drechsler
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Zunftmeister Raoul I. Furlano

Zunftmeister Raoul I. Furlano

bz Basel

Mut. Das ist die Tugend, die sich der Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern, Raoul Furlano von den Baslerinnen und Baslern vor allem wünscht. In seiner kurzen Meisterrede vom Rand des Dreizackbrunnens aus sprach er über das Elend der Welt und das, was es brauche, dagegen anzutreten: «Aufmucken statt kuschen, aufdecken, statt zudecken.» Wer etwas ändern wolle, sei es im Grossen oder im Kleinen, der dürfe nicht zu jenen gehören, die «abseitsstehen, tatenlos zusehen und sich mutlos hinter faulen Argumenten verstecken.» Nach einem Exkurs zur Anti-OSZE-Demo, oder wie es Furlano formulierte, zu den «vermummten Gesellschaftsparasiten, die unlängst in einem Saubannerzug die Freie Strasse heruntergezogen sind», wünschte der Zunftmeister allen Anwesenden und der ganzen Stadt Basel «ein frohes, mutiges 2015». Dann hüpfte der «Maischter vom Stärn» unter Applaus vom Brunnenrand in die Menge und füllte den ersten Becher mit Hypokras.

Seit 20 Jahren Brauch

Die «Nejoorsaadringgedde» am Dreizackbrunnen ist traditionellerweise das erste Stelldichein im neuen Jahr für die Zünfte, die hier auch jeweils einiges an Politprominenz begrüssen können. Der Grosse Rat ist immer gut vertreten und in diesem Jahr verirrte sich mit Christoph Brutschin erstmals ein SP-Regierungsrat an die Freie Strasse um den Hypokras aus dem – von den IWB jeweils leicht umgebauten – Brunnen zu schlürfen. Das brauchte Mut. Weniger wegen der überwiegend bürgerlichen Besetzung des Anlasses, als vielmehr, weil der gut gewürzte Pansch-Wein um 11 Uhr morgens nach der Silvesternacht wohl nicht jedermanns Sache ist. «E Gleesli isch rächt, aber denn isch au moll guet», meinte ein Zunftbruder zu Alt-Regierungsrat Carlo Conti, der sich den Morgenbummel auch nicht hatte nehmen lassen.

Wein und viel Gewürz

In der Tat, Hypokras, benannt nach dem Mediziner Hippokrates ist ein eigenartiges Getränk. Die traditionelle Basler Variante besteht aus «verschiedenen Rot- und Weissweinsorten», viel Zucker und Zitronenschale in rauen Mengen. Dazu gesellt sich alles, was das Gewürzregal zu Hause her gibt, zum Beispiel Zimt, Muskat, Ingwer, Koriander und Kardamom. Dazu noch ein kräftiger Schuss «Näägeli» und schon ist der Zaubertrank bereit. Das genaue Rezept bleibt Geheimnis der Hersteller und das ist vielleicht auch besser so.

Volksverköstigung mit Wurst

Bei den Zunftbrüdern gibt es, dank kräftiger Mithilfe der Bäcker- und der Metzgernzunft auch noch Würstchen und Weggli. Nach den Silvesterfeierlichkeiten ein Kontergetränk inklusive Katerfrühstück also, gratis für jeden, der sich um diese frühe Stunde des neuen Jahres bereits in die sonst ausgestorbene Innerstadt verirrt hat.

Natürlich darf dabei auch das Zunftspiel nicht fehlen, das in diesem Jahr ein paar Minuten zu früh die Freie Strasse heraufparadiert war. Nach einer guten Stunde ist der Spuk vorbei, das Spiel stimmt «Z’Basel an mym Rhy» und den «Wettstaimarsch» an und die Menge zerstreut sich rasch. Und die Innerstadt döst weiter in den ersten Januar hinein.