«Schulfrei? Nein danke», mit diesem Titel beginnt eine vierseitige Infobroschüre der Volksschulen Basel Stadt. Weiter heisst es im Elternbrief: «Wenn die Schule ausfällt, freut das vielleicht die Kinder. Aber nicht immer die Eltern.» Tatsächlich bringen vor allem berufstätige Eltern kein Verständnis für diesen Weiterbildungstag gleich nach dem Ferienende auf. Immer wieder würde betont, dass die Lehrkräfte einen Teil der zwölf Wochen unterrichtsfreier Zeit für Weiterbildung und Vorbereitung brauchten und dann falle gleich der erste Tag nach den Ferien deswegen aus, kritisiert eine betroffene Mutter. Pierre Felder, Leiter Volksschulen Basel-Stadt, begründet den Termin damit, dass es für berufstätige Eltern leichter sei, die externe Betreuung um einen Tag zu verlängern.

Gegen tausend Lehrer betroffen

Grund für diesen Weiterbildungstag ist die bevorstehende, eidgenössische Schulharmonisierung Harmos. Wie in den allermeisten Kantonen wird in Basel die Primarschule sechs statt bisher vier Jahre dauern. Die bisherige Orientierungsschule (OS) und die Weiterbildungsschule (WBS) werden verschwinden und durch die dreijährige Sekundarschule ersetzt. Für die gegen tausend betroffenen Lehrkräfte bedeutet das eine grosse Umstellung, die zusätzliche Weiterbildungstage brauche, argumentiert Pierre Felder. Unabhängig von Harmos haben mit Ausnahme des Wirtschaftsgymnasiums auch die Gymnasien den letzten Montag für eine Weiterbildung genutzt.

«Wir begrüssen grundsätzlich einen solchen Vorbereitungstag», erklärt Jean-Pierre Héritier, Primarschullehrer im Bläsischulhaus und Vorstandsmitglied der Freiwilligen Schulsynode, dem Basler Lehrkräfteverband. Héritier bemängelt jedoch, dass sämtliche Standorte diesen Tag gleichzeitig abhalten müssen. «Dadurch hat sich das Problem ergeben, dass für einzelne Themen nicht genügend Fachreferenten zur Verfügung standen. Eine flexible Lösung für jedes Schulhaus wäre viel sinnvoller gewesen».

«Noch etliches in der Schwebe»

In der Ausgestaltung des Weiterbildungstages hatten die einzelnen Standorte einen beträchtlichen Spielraum. Neben Organisatorischem ging es unter anderem darum, die neuen Kollegen und Kolleginnen sowie die teilweise neuen Räumlichkeiten kennenzulernen. Am Gotthelfschulhaus wurde dafür am Morgen ein Posten-Parcours durch das Schulgelände veranstaltet. Am Nachmittag ging es dann ins Tinguely-Museum, wo sich die Lehrkräfte nach einer Führung gemeinsam kreativ entfalten durften.

Für verschiedene Schulleiter war der Termin ungünstig. «Weil bei uns noch etliches in der Schwebe ist, kam der Zeitpunkt für diese Veranstaltung für uns zu früh», sagt einer. Wie andere Lehrkräfte möchte der Schulleiter seinen Namen nicht in der Zeitung sehen – aus Angst davor, als Nestbeschmutzer dazustehen. Das gilt auch für eine Lehrerin im Kleinbasel. «Ich und etliche meiner Kolleginnen und Kollegen wissen noch nicht einmal genau, wo und was sie ab nächstem Sommer unterrichten werden.»

Pierre Felder kennt diese und andere Kritik. «Der Termin war für uns ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Eltern und jenen der Schulen und musste lange im Voraus vereinbart werden.

20 Franken für Betreuung

Wir fanden es wichtig, dass alle Schulen diese Weiterbildung am gleichen Tag durchführen, auch wenn sie zum Teil mit den Vorbereitungen noch nicht ganz so weit sind». Ein Grund für den Einheitstermin ist das Betreuungsangebot, das die Volksschule den Eltern zur Verfügung gestellt hat. Für Kinder, die normalerweise keine Tagesschule besuchen, kostete dieser Service 20 Franken. 750 von rund 12 000 Kindern haben davon Gebrauch gemacht.

Günstiger Heimflug

Der schulfreie Montag nach den Herbstferien wird noch mindestens vier Jahre Bestand haben. Zumindest für Familien, die mit dem Flugzeug in die Herbstferien fliegen, hat das einen grossen Vorteil: Wer erst am Montag statt am Wochenende heimfliegt, bezahlt in der Regel bedeutend weniger.