Klimawandel
Der Wespensommer hat begonnen – doch sind es mehr als sonst?

In diesem Jahr scheinen besonders viele Wespen hiesig durch die Luft zu surren. Eine Expertin erklärt, wieso dies so wirkt.

Meret Rieger
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Der Klimawandel trägt zum Eindruck bei, dass heuer mehr Wespen unterwegs seien. (Symbolbild)

Der Klimawandel trägt zum Eindruck bei, dass heuer mehr Wespen unterwegs seien. (Symbolbild)

«Dieses Jahr hat es aber viele Wespen!» Diesen Ausruf hört man derzeit häufig in den Beizen, Gärten und Gartensitzplätzen in der Region Basel. Doch surren wirklich mehr Wespen als sonst durch die Luft?
Seraina Klopfstein, Expertin für Schlupfwespen und Kuratorin im Naturhistorischen Museum Basel, ist nicht überrascht: «Diese Frage kommt jedes Jahr», meint sie auf Anfrage dieser Zeitung. Anscheinend seien die Menschen jedes Jahr von neuem mit der Anzahl an Wespen überfordert.

Zwar sei die Häufung des Wespenvorkommens wetterabhängig und der warme Frühling dieses Jahr optimal für Wespen, doch von einer aussergewöhnlichen Wespenplage könne noch nicht die Rede sein.

Mehrere Faktoren verzerren unsere Wahrnehmung

Auch der Mediensprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, Rolf Wirz, weiss von keinem erhöhten Wespenvorkommen. Jedoch gingen Fachleute davon aus, dass unsere Wahrnehmung durch den Vegetationsvorsprung verzerrt werde, wie Wirz erklärt. Durch den Klimawandel entwickle sich die Natur jeweils einige Wochen früher als sonst, das könne irritieren. Ausserdem führe das Insektensterben vielleicht dazu, dass verbleibende Insekten mehr auffielen als sonst.

Klopfstein sieht einen weiteren Grund für diese verzerrte Wahrnehmung teilweise auch in der Coronakrise: «Viel mehr Menschen treffen sich jetzt draussen anstatt in den Wohnräumen. So fallen die Wespen auch mehr auf.» Klopfstein fügt aber an, dass die Klimaerwärmung in der Schweiz durchaus «bei gewissen Arten zu einer Vermehrung führen kann». Leider betreffe die Zunahme aber grösstenteils nicht die seltenen Insektenarten. Es ist also tatsächlich so, dass die Anzahl an Wespen jährlich variiert; von einer echten Plage kann man diesen Sommer aber nicht sprechen.

Hornissen als bestes Mittel gegen Wespen

Doch was tun, wenn die Wespen nicht vom Frühstückstisch ablassen? Wespenexpertin Seraina Klopfstein hat auch darauf Antworten: «Am besten lässt man sie in Ruhe gewähren und vermeidet hektische Bewegungen. Man kann auch einige zuckerhaltige Leckereien auf einem höheren Tischchen weiter weg platzieren, um die Wespen wegzulocken.» Sind allergische Personen oder Kleinkinder betroffen, sollte man ein allfälliges Wespennest jedoch entfernen lassen. Dabei sollten aber immer Profis ans Werk – um sich selbst, aber auch das Wespenvolk zu schützen.

Einen weiteren, etwas ungewöhnlicheren Tipp hat Klopfstein noch in petto: ein Hornissennest ansiedeln. «Hornissen jagen Wespen aktiv und scheuchen diese so vom Haus weg.» Hornissen seien angenehmer, weil sie viel weniger aggressiv seien als Wespen und auch viel scheuer. Ihr Stich sei zudem «für den Menschen ähnlich wie der einer normalen Wespe», so Klopfstein. Da sie Menschen meiden, sind Stiche auch sehr viel seltener.

Tatsächlich essen die Wespen unser Frühstück grösstenteils gar nicht. Früchte, Honig oder Konfitüre verzehren sie, «das Fleisch ist aber für den Nachwuchs gedacht: Sie schneiden kleine Stückchen, rollen sie zu Bällchen und bringen diese den Kleinen zur Aufzucht», erklärt Klopfstein. Es kann also ausreichen, das Frühstück abzudecken, um den unerwünschten Gästen zuvorzukommen.