Basel
Der Widerstand gegen den geplanten Claraturm wächst

Das geplante Hochhaus im Kleinbasel ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Die Bauherrin holt sich externe Hilfe. Das Projekt droht sogar zu scheitern. Doch der grösste Kritiker steht auf dem Absprung.

Valentin Kressler
Merken
Drucken
Teilen
Alt und neu: Das Restaurant zum alten Warteck (links) und fünf weitere Beizen sollen einem Hochhaus mit 170 Wohnungen weichen.

Alt und neu: Das Restaurant zum alten Warteck (links) und fünf weitere Beizen sollen einem Hochhaus mit 170 Wohnungen weichen.

Roland Schmid

Das politische Basel ringt um die richtige Wohnbaupolitik. Die Parteien und ihre Akteure streiten sich im Hinblick auf die Volksabstimmung am 22. September, bei der über das Wohnraumfördergesetz und die Initiative «Bezahlbares und sicheres Wohnen für alle» des Mieterverbands entschieden wird. Hinter den Kulissen werden zudem bereits die Messer gewetzt für das nächste Gefecht: den 96 Meter hohen Claraturm an der Ecke Clarastrasse/Riehenring beim Messeplatz, über den voraussichtlich im November abgestimmt wird.

Das Projekt der Architekten Morger+Dettli droht zu scheitern. Fast im Alleingang hat Pianobar-Wirt Andreas Bernauer Ende Juli das Referendum zustande gebracht, mit dem er die historische Häuserzeile mit der Gastromeile retten will. Unterstützt wurde er bei der Unterschriftensammlung einzig von Mieterverband und von der linken Gruppierung Basta. Doch die Front wächst. Bernauer hat den Verein «Referendum gegen das Projekt Claraturm» gegründet. Wer im Referendumskomitee dabei sein wird, will er erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Engagieren werden sich laut Recherchen der Kleinbasler Architekt Ruedi Bachmann und Roland Zaugg. Letzteres ist pikant: Zaugg war bis 2005 Stadtplaner im Basler Baudepartement und stellt sich damit gegen seinen früheren Chef Fritz Schumacher. Er habe «absolut kein Verständnis» für den Claraturm, sagt er. Für ihn gebe es «keinen städtebaulichen Grund», an dieser Stelle ein Hochhaus zu planen. Die Gastromeile habe einen «historischen Wert».

Diese Woche hat zudem der Heimatschutz beschlossen, sich gegen den Claraturm zu engagieren. Die vorhandene traditionelle Blockrandbebauung des Gevierts müsse erhalten bleiben, sagt Geschäftsführer Paul Dilitz. Ob sich der Mieterverband weiterhin engagieren wird, ist laut Co-Geschäftsleiter Beat Leuthardt «noch offen». Er deutet aber weitere Aktivitäten an.

Claraturm habe «gute Chancen»

Die Bauherrin, die Balintra AG, ist sich der Brisanz bewusst. Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, sistierte sie das Baugesuch und bot den sechs betroffenen Gastrobetrieben eine Verlängerung des Mietverhältnisses bis Ende September 2014 an. Die Balintra AG ist eine Immobiliengesellschaft des UBS-Immobilienfonds Sima. Der Verwaltungsrat wird von Riccardo Boscardin, Leiter Real Estate Switzerland der UBS, präsidiert. Mit der Firma Häusel Kommunikation hat er sich externe Unterstützung geholt. Inhaber Urs Häusel ist erfahren in der politischen PR. Der frühere Journalist und CVP-Grossrat führte in den vergangenen Jahren viele wichtige Abstimmungskampagnen.

Laut Häusel hat der Claraturm «gute Chancen». Der Grosse Rat habe dem Bebauungsplan im Juni grossmehrheitlich zugestimmt. Unterstützt wird das Projekt auch von Peter Winiker, Präsident der IG Kleinbasel, und dessen Vorgänger Arthur Marti.

Diese Unterstützung ist bitter nötig. Das Projekt ist in Rückstand. Seit 2007, seit die «Basler Zeitung» erstmals über die Pläne berichtet hat, sorgt der Claraturm wegen Verzögerungen für Schlagzeilen. Im Kleinbasel haben Stadtentwicklungsprojekte zudem einen schweren Stand. Die Überbauung auf dem Landhof-Areal scheiterte. Der Neubau der Zürich-Häuser lässt seit über einem Jahrzehnt auf sich warten. Selbst bei einem Volksnein zum Claraturm will Boscardin aber nicht aufgeben und kündigt ein neues Projekt an. Leuthardt deutet an, dass der Mieterverband in diesem Fall vom Verbandsbeschwerderecht Gebrauch machen würde.

Bei einer Fortsetzung des Konflikts stehen die Gegner voraussichtlich ohne Kopf da. Bernauer ist auf dem Absprung. Er erwägt, in Luzern einen neuen Gastrobetrieb aufzumachen. «Die Planungen für einen neuen Betrieb in Luzern sind am Laufen», bestätigt er der «Schweiz am Sonntag». Bereits hat er mehrere Objekte angeschaut, die er als «sehr interessant» bezeichnet. Eine Verlängerung des Mietvertrags für die Pianobar hat er noch nicht unterzeichnet.