Rampenverkauf
Der Wirteverband plant den nächsten Streich im Getränkestreit

Der Basler Wirteverband kämpft weiter gegen die Getränkegrossverteiler an. Am 30. Mai veranstalten die Wirte in Muttenz zum ersten Mal einen Rampenverkauf für Gastronomen.

Mélanie Honegger
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Der Basler Wirteverband holt zum nächsten Schlag gegen Grossbrauereien und Händler aus: Am 30. Mai veranstaltet er in Muttenz zum ersten Mal einen Rampenverkauf für Gastronomen. Im Angebot sind rund 100 000 Coca-Cola- und Carlsberg-Flaschen zu Billigpreisen. Interessierte Wirtsleute können Cola-Dosen für 45 Rappen das Stück ergattern, was laut Angaben des Wirteverbands einer Unterschreitung des schweizerischen Listenpreises um 57 Prozent entspricht.

Begonnen hat der Getränkestreit 2006, als der Wirteverband aus Protest gegen die Preispolitik der Schweizer Getränkekonzerne das bayrische Fassbier «Maximillians» zu importieren anfing. Seither herrscht zwischen den beiden Fronten eisige Stimmung. Letzten Herbst entschloss sich der Wirteverband unter der Leitung von Josef Schüpfer, unabhängig von Schweizer Anbietern Coca-Cola- und Schweppes-Produkte aus der EU zu beziehen.

Im Fokus der Parallelimporte stehen grosse Unternehmen wie Carlsberg und Coca-Cola. Die Preise der zwei Getränkegiganten sind dem Wirteverband zu hoch angesetzt. Gerade im Vergleich zu Deutschland gebe es «inakzeptable» Preisunterschiede. Trotzdem beschwichtigt Vorstandsdelegierter Maurus Ebneter: «Es geht uns nicht um einen ruinösen Preiswettbewerb, sondern um Fairness.»

Unverständnis bei Feldschlösschen

Ganz so sacht geht der Wirteverband aber nicht vor: Letzten Februar hat er bei der Wettbewerbskommission und beim Preisüberwacher Anzeige gegen Carlsberg-Feldschlösschen erstattet. Der Verband wirft dem Bierhersteller «Missbrauch der Marktmacht» vor. Markus Werner, Mediensprecher der Feldschlösschen AG, reagiert auf die Anzeige mit Unverständnis: «Feldschlösschen weist diesen Vorwurf mit aller Deutlichkeit zurück», sagt er auf Anfrage. «Der Schweizer Biermarkt ist von einem harten Wettbewerb gekennzeichnet.» Die Wettbewerbsbehörden hätten sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit damit befasst und dabei festgestellt, dass sich Feldschlösschen an die gesetzlichen Vorgaben halte.

Den Rampenverkäufen des Basler Wirteverbandes sieht er mit Gelassenheit entgegen. «Grundsätzlich richtet sich dieser Rampenverkauf nicht ausschliesslich gegen uns», ist sich Werner sicher. Feldschlösschen überzeuge durch ein komplettes Dienstleistungspaket mit Lieferung, Offenausschank und Reinigung. «Ich glaube, der Kundschaft ist dieses grosse Angebot wichtig.»

«In der Experimentierphase»

Der Wirteverband seinerseits will mit den Parallelimporten auf die grossen Preisunterschiede zwischen der EU und der Schweiz aufmerksam machen. «Wir würden es begrüssen, wenn die herkömmlichen Grossisten selbst Produkte importieren und die Preisvorteile weitergeben würden», konkretisiert Maurus Ebneter. Er gibt aber zu, dass sich der Verband bei seinen Rampenverkäufen noch «in der Experimentierphase» befinde.

Langfristiges Ziel ist der Ausbau solcher Rampenverkäufe. Dafür schreiben die Verbandsmitglieder gezielt Betriebe in anderen Landesgegenden an. «Wir wollen zeigen, dass die Preise in der Schweiz absurd hoch sind.»