Tierpark

Der Wolf zügelt in die Lange Erlen

Die Tage des kanadischen Wolfs im Basler Zolli sind gezählt.

Die Tage des kanadischen Wolfs im Basler Zolli sind gezählt.

Zum 150-jährigen Bestehen wird eine neue, 5000 Quadratmeter grossen Wolfsanlage gebaut.

«Wir möchten zeigen, dass der Wolf nicht die Bestie ist, für die ihn viele halten», sagt Bruno Ris, Leiter des Tierparks Lange Erlen. Man wolle mit der neuen Wolfsanlage informieren, aufklären und sensibilisieren. Denn Ziel des Tierparks Lange Erlen sei es, europäische und vor allem Schweizer Wildtiere so naturnah wie möglich zu zeigen.

«Und der Wolf ist in den vergangenen Jahren auch wieder in der Schweiz heimisch geworden. Das ist schön, birgt aber in gewissen Bereichen natürlich auch Probleme.» Mit der neuen Anlage möchte der Tierpark einen Beitrag zur öffentlichen Debatte leisten.

Anlage kostet 4 Millionen

Die rund 5000 Quadratmeter grosse Anlage soll vom Haupteingang bis hinter die bestehende Wisent-Anlage reichen und entlang und sogar unter dem Erlenparkweg verlaufen. Das bestehende Waldstück zwischen Weg und Wiesendamm wird Teil der Anlage.

Da Wölfe keine Pflanzenfresser sind, sei der Baumbestand darin nicht gefährdet. Drei Männchen der europäischen Wolfsrasse sind geplant. Eine Zucht soll es vorerst nicht geben.

Die Anlage soll rund 4 Millionen Franken kosten. Für die Jubiläumsfeierlichkeiten und die Realisation der Wolfsanlage – insbesondere auch für die Beschaffung des nötigen Geldes – wurde ein Organisationskomitee unter der Leitung von LDP-Grossrat Jeremy Stephenson gegründet.

Carlos Methner, Präsident des Erlen-Vereins, hofft, dass mit dem Jubiläum in zwei Jahren der Grundstein für die Wolfsanlage gelegt werden kann. Ob der Basler Zolli dann noch Wölfe haben wird, sei unklar. Der Zolli hat bereits angekündigt, nach dem Tod der beiden noch lebenden kanadischen Wölfe keine mehr halten zu wollen.

Diese «Züglete» passt zu den Konzepten von Zolli und Tierpark Lange Erlen. Der Wolf ist längst kein exotisches Tier mehr, sondern in den europäischen und Schweizer Wäldern angekommen.

Der Klimawandel kostet

Dass der Tierpark Lange Erlen bei den Wölfen auf eine Zucht verzichtet, ist nachvollziehbar, wenn man sieht, welch grosse Anstrengungen Jungtiere für den Tierpark neben all den Freuden bedeuten. Denn längst nicht immer kann der Nachwuchs im Park verbleiben. Vor allem Männchen müssen diesen oft schon bald nach der Geburt verlassen. Einen Platz für sie zu finden, ist oft schwierig, verrät Tierparkleiter Bruno Ris.

Aktuellstes Beispiel dafür sind die Wildkatzen, bei denen in einem Holzstumpf Anfang Mai zwei Jungtiere auf die Welt kamen. Der Markt für Wildkatzen sei gesättigt. Das letzte Mittel ist dann jeweils die Dezimierung des Nachwuchses. Das künstliche Verhindern der Fortpflanzung mittels Implantaten sei für Bruno Ris keine Option. «Die Fortpflanzung ist mit allem, was dazu gehört, eine wichtige Beschäftigung für die Tiere.»

Neben den Wildkatzen hat es bei den Rothirschen, Gämsen, Gänsen, Eulen und Enten Nachwuchs gegeben. Beim Wisent kann es täglich soweit sein. Dieses Jungtier würde Teil eines internationalen Auswilderungsprogramms. Die Störche hatten dieses Jahr Wetterglück. 34 Jungtiere konnten beringt werden. «Wenn sie die ersten vier bis fünf Tage nach der Geburt einigermassen trocken überstehen, stellt Regen später kein grosses Problem mehr dar», erklärt Ris.

Sorgen bereitet den Tierparkverantwortlichen die Trockenheit. Bereits 17 Bäume mussten ersetzt werden, obwohl regelmässig gewässert wird. Die aufgrund der klimatischen Veränderungen zugenommenen Aufwendungen beim Baumbestand gehen ins Geld. Die 80 000 Franken, die der Erlen-Verein normalerweise dafür jährlich ausgibt, werden dieses Jahr weit übertroffen werden.

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