«Wir hoffen, dass aus der stationären Massnahme ein stationärer Neuanfang wird», sagte Gerichtspräsident Marc Oser bei der Urteilsverkündung. Damit liess er ein gewisses Mitleid im tragischen Fall des Ziegelwerfers vom Gundeli durchblicken. Nach der Verhandlung heute Morgen vor dem Basler Strafgericht war der 32-jährige Mann zur Urteilsverkündung am Nachmittag um halb fünf gar nicht mehr erschienen. Er halte es nicht aus, bei so vielen Journalisten.

Stationäre Behandlung bedeutet: Der Mann muss sich in einer geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. Wie lange hängt vom Therapieerfolg ab. Der Gutachter, der ihn für den Prozess untersuchte, stellte eine «Persönlichkeitsstörung und eine paranoide Schizophrenie» fest.

Die Tat war unbestritten

Wegen seiner psychischen Krankheit sah das Gericht den Ziegelwerfer als «schuldunfähig» an. Das heisst: Er konnte nicht zu einer normalen Strafe verurteilt werden. Seine Tat war allerdings unbestritten. Das Gericht sah die Punkte «Störung des öffentlichen Betriebs», «Störung von der Allgemeinheit dienenden Betrieben», «mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte» sowie «qualifizierte Sachbeschädigung» als erfüllt an.

Vom Vorwurf der «versuchten Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand» sprach es ihn allerdings frei. «Das Gericht ist überzeugt, dass der Mann die Ziegel nicht gezielt auf Leute geworfen hat», begründete Richter Oser.

Aufgedunsene, gerötete Augen

Drei Stunden dauerte die Verhandlung am Morgen. Der 32-jährige Mann wurde von zwei Polizisten in den Gerichtssaal gebracht. Er hatte aufgedunsene, gerötete Augen und eine füllige Statur. «Nebenwirkungen der starken Medikamente», wie er sagte. Der Prozess war nicht öffentlich.

Der Ziegelwerfer begrüsste die anwesenden Journalisten mit einem knappen «Guete Morge mitenand». Er bemühte sich sichtlich, Haltung zu bewahren. Er schilderte die Ereignisse als eine Verkettung von unglücklichen Umständen: «Ein Kollege hat mich provoziert. Deshalb habe ich einen Sack Erde nach ihm geschmissen», erzählt er. Als daraufhin Polizisten mit Schutzhelmen kamen, sei er auf die Terrasse gegangen. Als der Verzweifelte die Polizisten an der Tür hörte, kletterte er schliesslich aufs Dach. «Ich hatte Angst vor der Psychiatrie», begründete der Mann, der bereits zehn Jahre psychiatrische Behandlung hinter sich hatte.

Kanton und BVB zahlen selber

Der Mann entschuldigte sich für seine Tat, stellte sich aber gleichzeitig auch immer wieder als Opfer von Psychiatrie, Gesellschaft und Drogen dar. Dass er krank ist, wollte er nicht so recht einsehen. Er bezeichnet sich als gläubigen Buddhisten, der sich in den letzten anderthalb Jahren «geistig entwickelt» habe. In seinem Schlusswort hielt er denn auch fest, dass er nicht einsehe, warum er stationär behandelt werden müsse. Die Anklage, der Gutachter, das Gericht und sogar sein Verteidiger sahen das allerdings anders. «Es besteht ein hohes Risiko, dass der Mann weitere ähnliche Delikte begeht», resümierte das Gericht schliesslich.

Die eigentlichen Verlierer des Tages waren der Kanton Basel-Stadt, die BVB und die Immobilienfirma, der die Liegenschaft gehört. Sie traten als Privatkläger auf und wollten Geld zurück: 241'000 Franken wollte der Kanton für den Aufwand, den Polizei, Feuerwehr und Sanität verursachten; 97'000 wollten die BVB für die Verkehrsumleitungen 27'000 die Immobilienfirma für den Schaden am Gebäude.

Auf diesen Rechnungen bleiben sie nun sitzen. Mit seiner psychischen Krankheit wird der Ziegelwerfer wohl nie mehr als ein IV-Rentner-Lohn verdienen, hielt das Gericht fest. Von Schulden, die er nie wird zurückzahlen können, blieb er also verschont. Damit erhalten die Richter die kleine Chance auf einen tatsächlichen Neuanfang aufrecht.