Sie sind die eigentlichen Stars: Die Meeresbewohner, die in fünf Jahren im Ozeanium des Basler Zoos zu sehen sein sollen. Doch auch wenn nächsten Monat über das Grossprojekt abgestimmt wird – bisher ist noch völlig unklar, welche Tiere in den rund 40 Aquarien ein neues Zuhause finden sollen. Kommuniziert ist bisher nur, dass die Eselspinguine vom Vivarium ins Ozeanium umziehen sollen. Ansonsten gibt der Zolli kaum oder nur spärlich Informationen heraus. «Welche Tierarten wir zeigen möchten – das steht nicht am Anfang unserer Überlegungen», sagt Sprecherin Tanja Dietrich. Vielmehr gehe es zuerst um die Frage, welche Themen oder Lebenswelten man in den einzelnen Bereichen zeigen wolle.

Die Grundidee für das Ozeanium ist eine Reise entlang den Meeresströmungen. «Der Besucher treibt quasi durchs Meer und trifft auf die verschiedenen Lebensräume», sagt Dietrich. Dann erst würde besprochen, welche Tiere sich eignen. Das sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend entschieden. «In einem Korallenriff etwa leben extrem viele Tierarten», sagt Dietrich.

Haie, Rochen und Kraken

Ein paar Hinweise auf die künftigen Bewohner des Ozeaniums liefert die Projekthomepage. Grosse Meerestiere wie Kraken, Rochen, Haie und Schwarmfische könnten im bisherigen Vivarium nicht gezeigt werden, steht dort. Im Umkehrschluss: Im Ozeanium hätte es Platz. «Haie, Rochen und Kraken wird es sicher haben im Ozeanium», sagt Sprecherin Tanja Dietrich.

Selbstverständlich werde der Zolli von den vielen verschiedenen Arten, die es gibt, nur solche Arten im Ozeanium halten, die für Gross-Aquarien geeignet sind. «Es gibt etwa 500 Haiarten, die wenigsten davon sind Hochseearten, die grosse Distanzen zurücklegen. Die anderen Haiarten schwimmen keine grossen Distanzen und leben entweder in Küstennähe in Riffen, Felsen, Flussmündungen oder auf Sandböden – nahe dem, auf oder im Meeresgrund. Sie sind an räumliche Begrenzungen angepasst und deshalb auch gut im Aquarium zu halten», sagt Dietrich.

Der Zoo werde im Ozeanium keine Hochseehaie halten. Die Verantwortlichen würden höchsten Wert auf das Wohl der Tiere und auf den Natur- und Artenschutz legen. «Die Tierhaltung im Ozeanium erfolgt nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft», sagt Dietrich.

Das Projekt «Seacliff» hat den Architekturwettbewerb gewonnen.

Das Projekt «Seacliff» hat den Architekturwettbewerb gewonnen.

Beliebte Kleinfische

Interessant sind im Zusammenhang mit der Fischfrage die Visualisierungen des Ozeaniums. Die aktuellen von der Homepage fokussieren auf die Architektur des 100-Millionen-Baus. Die Tiere sind nur im Hintergrund zu sehen. «Von den Arten, die in den Visualisierungen und Videos zu sehen sind, kann man nicht schliessen, dass genau diese dann zu sehen sein werden», sagt Dietrich. Diese seien nur «Platzhalter» auf den Visualisierungen.

Im Bildarchiv des Zoos findet man aber auch andere Visualisierungen, bei denen klar die Tiere im Zentrum stehen. Zu sehen sind Kraken, Haifische, Stachelrochen und Meeresschildkröten. Dass in der Realität die Popularität einiger Tierarten für deutlich grösseres Interesse sorgt als wissenschaftliche Konzepte, lässt sich seit einigen Jahren gut im Vivarium beobachten. Seit den beiden Disney-Kassenschlagern «Findet Nemo» und «Findet Dorie» sind die zwei kleinen Aquarien mit den Clownfischen und den Paletten-Doktorfischen für viele Kinder das Highlight des Rundgangs.

«Keine Angriffsfläche bieten»

«Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Zoo noch keine Ahnung hat, welche Fische ins Ozeanium kommen sollen», sagt Thomas Grossenbacher. Der Zolli wolle dieser Frage offensichtlich ausweichen, um keine Angriffsfläche zu bieten, kritisiert der grüne Grossrat.

«Man müsste sonst zugeben, dass die meisten der Fische gefangen werden müssten, weil man sie in Zoos nicht züchten kann», sagt Grossenbacher. Bei den Korallenfischen etwa gebe es gerade mal 25 Arten, die nachgezüchtet werden können. «Die angekündigte Vielfalt kann mit gezüchteten Tieren gar nicht abgedeckt werden.»