Unterwasserwelt
Der Zolli züchtet Korallen mit Zahnstocher, Gümmeli und Kabelbinder

Der Tierpfleger im Aquarium des Zolli hat eine riesige Aufgabe gefasst: Bis das Ozeanium steht, muss er ein 50 Quadratmeter grosses Korallenriff anbauen. Dafür verwendet er Alltagsgegenstände wie Zahnstocher, Gümmeli und Kabelbinder.

Muriel Mercier
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Bis das Ozeanium steht, züchtet der Zolli ein 50 Quadratmeter grosses Korallenriff.
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Der Korallenzüchter Rolf Glatz hilft derzeit beim Aufbau und der Planung der Korallenzucht im Zolli. Für die Zucht für das Ozeanium allerdings wird er nicht zuständig sein. «Ich bin nicht nur für die Korallen, sondern auch für die asiatischen und afrikanischen Süsswasser-, sowie die tropischen Nordpazifik- und San-Francisco-Aquarien zuständig», sagt der gelernte Geflügelzüchter. (mum)
Jeden Tag schüttet Glatz Kalkwasser in die Aquarien für das optimale Wasser.
Die Weichkorallen sind empfindlich, weil sie kein Skelett haben. Aus diesem Grund durchsticht Rolf Glatz den Korallenzweig mit einem Zahnstocher und legt diesen quer über einen Stein.
Um die Koralle an einem Stein zu befestigen, benutzt er ein Gümmeli, ...
... das er nach ungefähr einem Monat abziehen kann. Dann nämlich ist die Koralle am Felsen festgewachsen.

Bis das Ozeanium steht, züchtet der Zolli ein 50 Quadratmeter grosses Korallenriff.

Kenneth Nars

Es ist ein absurdes Bild. In einem Eimer Wasser liegt der kurze Arm einer Koralle, in einem anderen ein Stein. Daneben ein paar Zahnstocher und Gümmeli. Was haben die vier Utensilien miteinander zu tun? Rolf Glatz weiss es. Sachte sticht er mit einem Zahnstocher unten in die Weichkoralle. «Sie hat kein Skelett und ist sehr empfindlich auf seitlichen Druck», erklärt er. Dann legt er das Holzstäbchen quer über die Hohlräume des Steins und fixiert es mit – eben – den Gümmeli. Zum Schluss landet das Konstrukt wieder im Wasser.

Der Korallenzüchter Rolf Glatz hilft derzeit beim Aufbau und der Planung der Korallenzucht im Zolli. Für die Zucht für das Ozeanium allerdings wird er nicht zuständig sein. «Ich bin nicht nur für die Korallen, sondern auch für die asiatischen und afrikanischen Süsswasser-, sowie die tropischen Nordpazifik- und San-Francisco-Aquarien zuständig», sagt der gelernte Geflügelzüchter. (mum)

Der Korallenzüchter Rolf Glatz hilft derzeit beim Aufbau und der Planung der Korallenzucht im Zolli. Für die Zucht für das Ozeanium allerdings wird er nicht zuständig sein. «Ich bin nicht nur für die Korallen, sondern auch für die asiatischen und afrikanischen Süsswasser-, sowie die tropischen Nordpazifik- und San-Francisco-Aquarien zuständig», sagt der gelernte Geflügelzüchter. (mum)

Kenneth Nars

Die Zahnstocher-Gümmeli-Methode ist eine von vier, wie der Tierpfleger erläutert. «Wenn die Weichkoralle am Untergrund angewachsen ist, kann ich die Gümmeli und Zahnstocher entfernen.» Das wird ungefähr in einem Monat der Fall sein. Jeden Tag kümmert sich Glatz darum, die Lebensbedingungen für die Nesseltiere optimal zu gestalten. Korallenpflege bedeute in erster Linie nichts anderes als Wasserpflege, sagt er. Das Wasser müsse nährstoffarm sein und Spurenelemente wie Jod enthalten. Das sei wichtig für den Stoffwechsel der Korallen.

Dieser ist sehr anspruchsvoll. Temperaturwechsel des Wassers sowie starke Lichtschwankungen schaden ihnen. «Wenn in der Natur plötzlich die Sonne stark auf die Korallen scheint, wo sie zuvor noch durch andere schattiert waren, bekommen sie einen Lichtschock.» Vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Die Tiere bleichen aus und sterben ab. Dass das Meer immer wärmer wird, ist nichts Neues. Ist das Wasser also über 30 Grad und somit die Strömung zu warm, überleben die Korallen nicht.

Die Korallen führen Krieg

In den Wasserbecken im Zolli leben unter anderen auch Stein- und Hornkorallen. Erstere bestehen aus einem Kalkskelett. Weil dieses hart wie Keramik ist, kann Glatz sie anstatt mit Gümmeli mit Kabelbinder an einem Untergrund befestigen. Die einfachste Variante sei, die Korallenzweige in einem Aquarium auf einem Rost abzulegen. Dort wachsen sie am schnellsten, allerdings «muss ich aufpassen, dass sie nicht am Gitter festwachsen.» Um das zu umgehen, bewege er sie regelmässig an einen anderen Platz. Ebenfalls wichtig ist die Strömung. Die Korallen sind angewiesen, Ausscheidungen abgeben zu können. Ohne Strömung bleiben diese auf ihrer Haut liegen. Konsequenz ist unter anderem, dass die Korallen von Algen überwuchert werden.

In Basel wächst ein Korallenriff
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Ein Schwerpunkt im «Seacliff» werden die Korallenriffe sein.
Es werden im Vivarium bereits heute 20 bis 30 Arten gezüchtet.
In den kommenden Jahren werden weitere Arten hinzukommen.
Weil in Aquarien die natürlichen Abbauprozesse fehlen wachsen Korallen viel schneller als in der Natur.
Ziel ist es, dass der Zoo Basel bis zur Eröffnung des Ozeaniums mindestens die Hälfte der Korallen selber züchtet.
Im Ozeanium werden spektakuläre Quallen-Aquarien mit bis zu 1000 Tieren zu sehen sein.
Der Zoo Basel will die Ohren- und Spiegeleiquallen dafür selbst züchten.

In Basel wächst ein Korallenriff

Zoo Basel

Heute hält Glatz die verschiedenen Korallen-Arten ausser in den Schaubecken noch in einem separaten Zuchtbecken hinter den Kulissen. Dort sind alle im selben Wasserbecken. Später aber müsse er sie trennen. Die Tiere tragen andernfalls einen chemischen Krieg aus, erklärt er. Sie schirmen ihren Lebensraum gegen andere Arten ab. Kommt ihnen eine andere Korallengruppe zu nahe, kann sie diese mit ihren Nesselzellen vergiften. Glatz zeigt auf eine grosse, trichterförmige Koralle, die mehrere Zentimeter lange Kampftentakeln ausstrecken kann.

Kitt wegen der Seesterne

Nebst der Rost-, der Gümmeli- und der Kabelbinder-Methode arbeitet Glatz mit Spezialkitt, mit dem man Steinkorallen befestigt. Man fixiert den Kitt an einem Stein und steckt die Koralle hinein. «Den Kitt brauchen wir in den Aquarien, in denen rüpelige Fische leben oder Seesterne, die die Korallen rumschubsen können.»

Für die 50 Quadratmeter Korallenriff hat das Vivariumteam rund um Glatz noch etwa sechs Jahre Zeit, dann soll das Ozeanium eröffnen. Diese Menge zu züchten sei eine Herausforderung, sagt Glatz. In ihrer Haltung sind die Korallen empfindlich, bricht aber ein Arm ab, kann man ihn in mehrere Teile brechen und jeder wächst nach und bildet gleichzeitig einen neuen Stock. Das Tempo des Wachstums bei den Korallen ist unterschiedlich: «Es gibt solche, die wachsen im Jahr zwei Millimeter, andere zehn Zentimeter und mehr.»