Das Elefantenhaus des Basler Zoos ist veraltet. Konzipiert ist es für eine Anbindehaltung. Vorgesehen ist, dass die Dickhäuter jeden Abend in ihre Box geführt und fixiert werden. Für die vor 18 Jahren eingeführte Freilaufhaltung eignet sich der Bau nicht. Mit dem 21 Millionen Franken teuren Neubau, für den diese Woche das Baubegehren publiziert wurde, werden nicht nur die baulichen Strukturen modernisiert, der Zoo passt auch sein Tierhaltungskonzept an. Die Elefanten sollen weniger wie Haustiere, sondern mehr wie Wildtiere gehalten werden.

Die bisherige Elefantenhaltung folgt dem Prinzip «Hands-on». Das bedeutet, dass die Pfleger direkten Kontakt zu den Tieren haben und innerhalb der Elefantengruppe eine vorrangige Stellung einnehmen. Symbolisiert wird die Macht durch den Elefantenhaken, einen Dressurstab, mit dem die Tiere gestochen und geschlagen werden können. Der Vorteil dieser Haltung ist gemäss Zoo die Kontrolle über die Tiere. Nachteile hat die altmodische Tierhaltung für Tier und Mensch. Die Pfleger können im direkten Kontakt verletzt und die Elefanten aggressiv werden, da die Entwicklung von Sozialstrukturen durch die Alphastellung der Pfleger erschwert wird.

Der Zoo Basel plant mit seinem neuen Elefantenhaltungskonzept, das dem «Sonntag» vorliegt, die Einführung des Prinzips «Protected Contact» – geschützter Kontakt. Die Tiere werden nur noch aus der Distanz dirigiert. Sie werden nicht mehr bestraft, sondern nur noch belohnt, mit Futter. Hat der Elefant keine Lust auf Training, kann er weglaufen. Die Pfleger haben keinen direkten Kontakt mehr, sondern sind durch Trainingswände, Gitter oder Tore von den Tieren getrennt. Ein gepolsterter Stab ersetzt den Elefantenhaken. Die Pfleger verlieren ihre vorrangige Stellung innerhalb der Elefantengruppe. Das soll die Entwicklung von natürlichen Sozialstrukturen und artgerechtem Sozialverhalten in Familienverbänden, die sich selber organisieren, fördern. Das Unfallrisiko für die Pfleger soll vermindert werden. Dafür muss der Mensch Kontrolle abgeben. Bei Konflikten, Verletzungen, Krankheiten oder Geburten haben die Pfleger weniger Einflussmöglichkeiten. Die Natur soll sich vermehrt selbst regulieren im Basler Zoo.