Littering und Corona

Der zugemüllte Rhein zu Pfingsten: Abstände eingehalten, aber Littering auf höchstem Niveau

Die Abfallmenge war in der Nacht auf Sonntag laut Stadtreinigung «jenseitig» – Hitze und Ausgang brachten Menschen ans Rheinbord. Die Polizei registrierte derweil keine Auffälligkeiten, konzentrierte sich aber auch auf die Einhaltung der Pandemiemassnahmen.

Am schlimmsten muss es in der Nacht von Samstag auf Pfingstsonntag gewesen sein. Dominik Egli, Leiter der Basler Stadtreinigung, sagt zur Abfallmenge am nächsten Morgen: «Was unsere Leute vorfanden, war nicht einmal mehr vergleichbar mit der Müllmenge an einem heissen Sommertag. Es war wirklich jenseitig.»

Container hatte es genug, einige wurden nicht mal richtig genutzt, doch der Müll lag sogar quer auf der Strasse. Tatsächlich war es aber wirklich nur am Rhein so. An den anderen für Littering bekannten Orten in der Stadt blieb die Abfallmenge laut Egli unterdurchschnittlich. Immerhin: In den Nächten von Freitag auf Samstag sowie vom Sonntag auf Pfingstmontag habe sich die Müllmenge im «gewohnten» Bereich bewegt. Will heissen: Es war immer noch viel, aber nicht so ausserordentlich wie in der Nacht auf Sonntag.

Buvetten-Umsatz noch nicht auf Vorjahresniveau

Den Eindruck der Stadtreinigung kann Hermès Beurret von der Geschäftsleitung der Rhyschänzli-Gruppe bestätigen. Das Unternehmen betreibt seit Jahren die Buvette vor der Kaserne. Er sei selbst am Sonntagmorgen unterwegs gewesen und sagt: «Die Menge an Müll war absurd.» Umso grösser sei der Respekt und die Dankbarkeit gegenüber der Stadtreinigung, die diese Abfallberge täglich wegräume. «Für Littering haben wir absolut kein Verständnis.»

Die Kasernen-Buvette konnte vom schönen Pfingstwetter profitieren, allerdings sagt Beurret: «Der Umsatz ist noch nicht auf dem Niveau der vergangenen Saison.» Die meisten Leute würden zurzeit noch eher zurückhaltend konsumieren. Die Schliessung um 24 Uhr tangiere die Buvetten zurzeit nicht, da man traditionell ohnehin deutlich vor Mitternacht zumache. Während dieser Zeit sind Publikum und Abfallmenge durch die Bewirtung vor Ort an gewisser Stelle reguliert. Schliessen die Buvetten, fällt dieser moderierende Faktor weg.

Sonnenbad, aber mit Abstand

Was die Abfallmenge und deren Verteilung bestätigen: Zurzeit ist das Rheinbord einer der beliebtesten Freiräume in Basel – und einer der wenigen, der auf einer grösseren Fläche den Aufenthalt einer gewisse Menge an Menschen ermöglicht. Wobei die Einhaltung dieses Abstands an gewissen Orten eher ein frommer Wunsch bleibt. Insbesondere an den Ufertreppen machen es sich viele Menschen bequem – eben wie sie es sich aus den vergangenen Jahren des unbeschwerten Rheinschwimmens und Sonnenbadens gewohnt sind.

Wer dies im Coronajahr allerdings dokumentieren will, muss damit rechnen, verbal angegangen zu werden: Aggressionen gegen Fotografen sind entlang des Rheins zurzeit keine Seltenheit. Die Angst, auf Bildern erkannt zu werden, ist deutlich ausgeprägter als in den vergangenen Jahren. Nun kommt noch die Angst dazu, denunziert zu werden. Dabei ist zumindest das Feedback der Basler Kantonspolizei grundsätzlich positiv: «Die Menschen halten sich weitgehend an die Pandemiemassnahmen», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz.

Pandemiemassnahmen werden gut eingehalten

Nach der aus dem Ruder gelaufenen Party in der Steinenvorstadt habe die Kantonspolizei sofort ihre Kontrolltätigkeiten intensiviert und diese auch über Pfingsten aufrechterhalten. «Die Auflagen wurden am Wochenende von den Betrieben und der Bevölkerung grossmehrheitlich eingehalten», bilanzierte die Polizei schon am Montag. Das «eine oder andere ermahnende Wort» habe jeweils sofortige Wirkung gezeigt.

Was die problematische Nacht auf Sonntag angeht, registrierte die Polizei allerdings keine grossen Auffälligkeiten. «Der Abschnitt war gut frequentiert, aber die Abstände wurden weitgehend eingehalten.» Besondere Massierungen habe man nicht registriert. Yerguz schränkt aber auch ein: «Wir fokussieren uns zurzeit auf die Einhaltung der Pandemiemassnahmen.» Littering stehe nicht speziell im Vordergrund.
Prognosen für das Rheinbord zu stellen, sei zurzeit schwierig. Zum einen öffnen bald die Gartenbäder wieder, was Ausweichmöglichkeiten zum Rheinbord schafft, zum anderen werden vom Bundesrat in den kommenden Tagen und Wochen weitere Lockerungsschritte erwartet. Nicht zuletzt dürfte auch das Wetter noch eine Rolle spielen: Nach dem sommerlich heissen Pfingstwochenende ist erst einmal mit Regen und kühleren Temperaturen zu rechnen.

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