Fussball
Der Zweitliga-Kicker, der in der Champions League mitspielt

Der ältere Bruder von Xherdan Shaqiri, Erdin, ist fussballerisch weniger begabt. Dennoch spielt der 22-Jährige er in der Champions League - als Berater des Bayern München Stars.

Jonas Burch
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Ein Stück Heimat: Erdin Shaqiri auf der Tribüne der Prattler Sandgruben. jbu

Ein Stück Heimat: Erdin Shaqiri auf der Tribüne der Prattler Sandgruben. jbu

Man kann über die Shaqiris sagen was man will, aber eines hat die 6-köpfige Familie seit je ausgezeichnet: ihre Bodenständigkeit. Das ist auch bei Erdin Shaqiri, dem zwei Jahre älteren Bruder von Xherdan, nicht anders. «Hey Fernando, alles gut bei dir?», grüsst der 22-Jährige den Prattler Klubhauswirt. Shaqiri gehört beim FC Pratteln zum festen Bestandteil. Obwohl er als Spielerberater fast ununterbrochen in der ganzen Schweiz auf den Beinen ist, bleibt ihm der regionale 2.Ligist heilig. «Hier sind meine Freunde, hier ist mein fussballerisches Zuhause», sagt Shaqiri, der bis zur U16-Stufe für den FC Basel und beim 1.Ligisten Muttenz gespielt hat. «Leider hat sich Basel damals gegen mich entschieden. Es brauchte seine Zeit, bis ich diese Enttäuschung überwunden habe. Auch ich wollte Profi-Fussballer werden.»

Sein Glück hat der Aussenverteidiger dennoch gefunden. Wenn möglich, versucht der Jungunternehmer zwei von drei Trainings zu besuchen, «das ist auch mit dem Trainer so abgesprochen», sagt er. In der Vorrunde war der Augster immerhin bei zehn von 13 Spielen mit von der Partie. «Das Einteilen der Zeit klappt bisher ganz gut.»

Bisher. Denn Schritt für Schritt hat sich Shaqiri nun sein eigenes Unternehmen aufgebaut. «Es soll nicht so kommen, wie damals bei meinem Bruder», sagt der Baselbieter in Anspielung an Xherdan Shaqiris Ex-Berater Max Urscheler, «der meinem Bruder und unserer Familie grundlegende Vertragspunkte jahrelang vorenthalten hatte.»

Vor allem Schweizer Spieler

Mit der Gründung der Firma ESHA Sportsmanagement (zusammen mit Geschäftspartner Arber Sakiri) hat er vor gut zwei Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewagt, und geschafft. Auch wenn ihm das viele nicht zugetraut haben. «Viele haben mich wegen meines Alters und der fehlenden Erfahrung belächelt. Ich sage dann immer: Es geht nicht um Jung oder Alt, sondern um gut oder schlecht.» Mittlerweile berät er diverse Spieler, welche vor allem in der Schweiz aktiv sind. Neben seinem Bruder ist der albanische Nationalspieler und Luzern-Angreifer Jahmir Hyka der bekannteste Klient.

Trotz des intensiven Austauschs mit Bayern-Flitzer Xherdan hat Erdin seinen Lebensmittelpunkt in seinem Elternhaus in Kaiseraugst. «Ich bin nur selten in München, aber mein älterer Bruder Arianit passt auf unseren Kleinen auf», schmunzelt Erdin. Per Telefon ist man aber täglich in Kontakt. Ohne ihn läuft nichts. Seien es Sponsoren-Verträge, Medientermine oder die Verhandlungen damals mit Hamburg, Galatasaray oder Anschi Machatschkala. Berater Shaqiri blieb stets cool, setzte die sportliche Perspektive vor dem finanziellen Profit. «Als Bayern angeklopft hatte, war innert weniger Tage alles klar. Es war der richtige Schritt für Xherdan.»

Bilderbuch-Karriere

Das Familienunternehmen läuft wie geschmiert, die Bilderbuch-Karriere scheint perfekt zu funktionieren. Auch das Xherdan beim deutschen Rekordmeister zu solch vielen Einsatzminuten kommt, ist für den Bruder wenig überraschend. «Er macht seine Sache wirklich gut, auch wenn er sich immer noch verbessern kann. Ich habe jedenfalls den besseren rechten Fuss als er. Dafür ist Xherdan mit links ein wenig stärker», sagt Erdin augenzwinkernd.

Während sich Xherdan vor 71000 Zuschauern durch die Münchner Allianz-Arena zaubert, reichen Erdin in den Sandgruben 100 Zuschauer. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Mehr noch. «Ich plane, künftig auch eine Funktionärsposition im Verein zu übernehmen. Pratteln soll sich als regionale Grösse im Kanton etablieren», sagt Shaqiri bestimmt. Man soll nie vergessen, wo man herkommt. Aber das wissen die Shaqiris ja am besten.