Nachruf

Der Schweizer Solist Hansheinz Schneeberger ist tot

Hansheinz Schneeberger ist 93-jährig gestorben.

Hansheinz Schneeberger ist 93-jährig gestorben.

Er kam aus der Schweiz und war kaum von seiner Geige zu trennen: Hansheinz Schneeberger,  der weltweit bekannte Solist, Kammermusiker und einflussreiche Lehrer ist 93-jährig gestorben.

Von seiner Geige war er nur durch handfeste äussere Umstände zu trennen: Noch wenige Tage bevor Hansheinz Schneeberger sich in seiner Wohnung bei einem Sturz die Verletzungen zuzog, an denen er am 23. Oktober im Alter von 93 Jahren gestorben ist, soll er mit Freunden im Engadin Kammermusik gespielt haben. Immer wieder auch liess er sich noch in der Öffentlichkeit hören, und er war sehr oft als Besucher anzutreffen in den Basler Konzerten – oder auch in den Kinos, neben dem Eislaufen und der Freude an alten Büchern eine seiner Leidenschaften. Er war einer der wenigen weltbekannten Schweizer Musiker, als Solist, Kammermusiker und als einflussreicher Lehrer prägte er ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte.

1926 in Bern geboren, unter anderem bei Carl Flesch in Luzern ausgebildet, formierte Schneeberger sein eigenes Streichquartett, war als gefragter Solist in der ganzen Welt zu hören, unter anderem sehr gerne mit Ernest Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande. Drei Jahre lang war er Konzertmeister des NDR-Orchesters in Hamburg, bevor er 1961 an die Musikakademie Basel berufen wurde, wo er bis zu seiner Pensionierung 1991 unzähligen Schülern seine musikalische Weltsicht weitergab, die nicht bloss auf eine ausgefeilte Geigentechnik, sondern auf eine möglichst umfassende musikalische und menschliche Bildung abzielte.

Der 30. Mai 1958 war eine Sternstunde für Schneeberger: Unter der Leitung von Paul Sacher wurde das erste Violinkonzert von Béla Bartók uraufgeführt, das 50 Jahre lang in der Schublade von Bartóks Jugendliebe geschlummert hatte. Schon 1952 hatte er das Violinkonzert von Frank Martin aus der Taufe gehoben, 1943 dasjenige von Willy Burkhard, und noch mit 86 Jahren erweckte er in Meiringen «Ri-tratto» zum Leben, eine Hommage des Weggefährten Heinz Holliger. Aber nicht nur für die Musik seiner Zeit und der grossen Klassiker interessierte er sich, lange bevor es en vogue war, hat er sich mit historischen Spieltechniken beschäftigt. Seine Geige klang nie demonstrativ oder vordergründig glänzend, sondern oft zerbrechlich, stets fragend und forschend – mit seinen leisen Tönen bleibt Hansheinz Schneeberger am nachhaltigsten in Erinnerung.

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