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Deshalb fühlen sich Expats in der Schweiz wenig willkommen

Bleiben oft unter sich: Amerikaner feiern im Basler Schützenmattpark ihren Unabhängigkeitstag.

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Die Schweiz wird für Expats immer unattraktiver. Das liegt jedoch nicht hauptsächlich an der typischen Zurückhaltung der Schweizer, die oft als unfreundlich eingestuft wird, sondern vielmehr an politischen Entscheiden.

Die Zahlen klingen beunruhigend: Die Schweiz sinkt in der Gunst von Fachkräften aus dem Ausland immer weiter ab, mittlerweile liegt sie nur noch auf Platz 31 von insgesamt 67 Ländern – hinter Vietnam oder Uganda. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, in der Expats bereits zum dritten Mal Zielländer klassifizieren. Fazit: Ausländische Fachkräfte fühlen sich hierzulande nicht willkommen. Sie empfinden die Schweizer als unfreundlich und finden nur schwer Freunde.

Steuert die Schweiz auf ein Problem zu? Muss sich gerade Basel Sorgen machen? Immerhin ist der Wirtschaftsstandort mit seinen Pharmaunternehmen überdurchschnittlich auf Expats angewiesen. Rund 40’000 leben in der Region Basel.

«Wir haben das Rating zur Kenntnis genommen, auch wenn es nicht über alle Zweifel erhaben ist», sagt Franz Saladin. Bisher hat der Direktor der Handelskammer beider Basel aus der Wirtschaft aber keine Rückmeldungen, dass es schwieriger geworden sei, Fachkräfte zu rekrutieren.

Die Willkommenskultur pflegen

Tatsächlich: «An Bewerbungen aus der Schweiz und dem Ausland mangelt es nicht», bestätigt Novartis-Sprecherin Sileia Urech. Der Pharmakonzern werde nach wie vor als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. Auch Roche könne die Ergebnisse des Ratings so nicht bestätigen, erklärt Unternehmenssprecherin Anja von Treskow.

Dennoch: Auch den Verantwortlichen in Basel ist bewusst, dass sich Zuzüger nicht immer willkommen fühlen. «Was wir Schweizer als zurückhaltend und höflich auffassen, empfinden andere als abweisend – wenn es ihnen nicht erklärt wird», kommentiert der Basler Integrationsbeauftragte Thomas Kessler. Gerade deshalb bemühe sich Basel-Stadt seit Jahren und lade sämtliche Zuzüger zu Willkommensanlässen ein.

Ein solcher hat gerade gestern Abend im Rathaus stattgefunden mit anschliessender Schiffsrundfahrt auf dem Rhein. Dort gibt es nicht nur Informationen rund um den neuen Wohnort, sondern auch über Anmeldeverfahren, Sozialversicherungen oder Steuer- und Schulsystem.

«Wir pflegen diese Willkommenskultur sehr bewusst», sagt Kessler. «Das kommt gut an und lohnt sich auch.» Viele seien rascher integriert und blieben dann oft auch in Basel, womit die teuere Fluktuationsrate der Unternehmen sinke. «Man muss sich im globalen Wettbewerb stark bemühen», sagt Kessler. Bei den Expats sei die Willkommenskultur durchaus ein Standortfaktor. «Einen guten Lohn bekommen sie überall, deshalb bemühen wir uns, möglichst gute Rahmenbedingungen zu schaffen.»

Politik schafft mehr Probleme

Auch Saladin betont die Notwendigkeit einer bewussten Willkommenskultur. «Hier ging die Tendenz in den letzten Jahren aber in eine andere Richtung», ergänzt der Handelskammer-Direktor. «Ausländerfeindliche Initiativen wie für ein Minarett-Verbot oder gegen Masseneinwanderung sind im Ausland natürlich nicht gerade imagefördernd.»

Das wird aus der Wirtschaft bestätigt: Die Attraktivität des Standorts Schweiz leide durch die Annahme der Zuwanderungsinitiative, sagt auch Novartis-Sprecherin Urech. «Zudem trifft die polarisierende Diskussion Expats oder ihre Angehörigen teilweise auch direkt, was natürlich die Lebensqualität beeinträchtigt.» Entscheidend sei, wie die Zuwanderung reguliert werden soll. Dabei unterstütze Novartis grundsätzlich das vom Bundesrat vorgeschlagene Modell einer allenfalls auch einseitigen Schutzklausel – wichtig sei, dass die Bilateralen erhalten bleiben.

Doch auch der Bundesrat selber macht der global tätigen Wirtschaft das Leben schwer: «Novartis spürt die Verschärfung bei den Drittstaatenkontingenten und nimmt diese mit Sorge zur Kenntnis», sagt Urech. Der administrative Aufwand bei Anstellungen habe zugenommen. Novartis könne die bisherigen Leistungen in der Schweiz aber nur erbringen, «wenn wir Ausländer hinzuziehen dürfen». Die Rahmenbedingungen dazu sind in den letzten Jahren nicht einfacher geworden, allerdings noch immer auf hohem Niveau: So erhalte Novartis von seinen Expats grundsätzlich auch weiterhin die Rückmeldung, dass die Lebensqualität im Grossraum Basel geschätzt werde.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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