Krankenkassen

Deshalb sind viele Prämien in Basel massiv gestiegen, obwohl eine Reduktion angekündigt war

Die Krankenkassenprämien steigen auch 2016 weiter - viele Versicherte vergleichen jetzt die Prämien und wechseln nach Bedarf die Kasse. (Symbolbild)

Die Krankenkassenprämien steigen auch 2016 weiter - viele Versicherte vergleichen jetzt die Prämien und wechseln nach Bedarf die Kasse. (Symbolbild)

Ende September verkündete das Bundesamt für Gesundheit, in Basel-Stadt würden die Krankenkassenprämien um 0,3 Prozent sinken. Viele Versicherte trifft nun aber der Schock: Im Gegensatz zu der Ankündigung sind ihre Prämien um teilweise bis zu 15 Prozent gestiegen. Der Sprecher der Santésuisse erklärt die Gründe dafür.

Die Baslerinnen und Basler könnten sich freuen, hiess es Ende September. Die Krankenkassenprämien würden 2020 um 0,3 Prozent sinken. Eine gute Nachricht für den Kanton mit den schweizweit höchsten Prämien. Als allerdings der Kioskverkäufer Patrick Birrer seine Prämienmitteilung für das kommende Jahr erhielt, war er enttäuscht. Von einer Reduktion war nichts zu lesen. Im Gegenteil: Er solle im kommenden Jahr 12 Prozent mehr bezahlen. Birrer ist bei der Assura versichert und hat eine Franchise von 2500 Franken. Seinen Freunden und Bekannten ginge es ähnlich, berichtet er gegenüber der bz. Teilweise seien ihre Prämien um 15 Prozent gestiegen. «Es handelt sich hierbei nicht nur um eine Kasse. Alle meine Bekannten sind von massiven Erhöhungen betroffen.»

Birrer kann sich nicht erklären, warum so positiv über die Entwicklung der Krankenkassenprämien berichtet wurde, wenn dann doch so viele Bürgerinnen und Bürger von Teuerungen betroffen sind. Er vermutet, die Politiker hätten die Versicherten im Vorfeld der Wahlen nur beruhigen wollen.

Zwei Gründe für starke Teuerungen

Matthias Müller, Sprecher des Krankenkassenverbandes Santésuisse, sieht die Differenz zwischen der angekündigten Reduktion von 0,3 Prozent und den Fällen in Birrers Bekanntenkreis vor allem in zwei Faktoren begründet. Der erste dieser Faktoren betrifft den sogenannten Risikoausgleich. Krankenkassen, die eine Vielzahl an älteren und kranken Menschen versichern, bekommen Beiträge aus diesem Risikoausgleich gutgeschrieben. Dies wirkt sich positiv auf die Prämien aus. Die Versicherten dieser Krankenkassen, die grundsätzlich eher teurer sind, erhalten Reduktionen auf ihre Prämien. Im Gegensatz dazu stehen die günstigeren Krankenkassen, bei denen hauptsächlich junge, gesunde Menschen versichert sind. Diese müssen aufgrund ihres geringen Versicherungsrisikos in den Risikoausgleich einzahlen. Daher steigen die Prämien bei diesen Kassen. «Bei den beiden Marktführern der Nordwestschweiz, der Assura und der Vivao Sympany, sieht man diesen Effekt sehr gut», sagt Müller. Das Beispiel zeigt: Bei der Assura, der günstigen Kasse, steigt die Prämie bei einer Franchise von 1000 Franken von 496.50 Franken auf 515.30 Franken, das sind 3,8 Prozent. Bei der Vivao Sympany hingegen, einer teureren Kasse, sinkt die Prämie, bei gleicher Franchise, von 589.20 Franken auf 583.20 Franken. Das ist eine Reduktion von einem Prozent.

Diese starken Unterschiede für die Prämien des kommenden Jahres werden für 2020 zudem durch die «Verfeinerung» des Risikoausgleichs verstärkt. Neu wird der Risikoausgleich mit dem Indikator «pharmazeutische Kostengruppe» (PCG) berechnet. Dieser ersetzt den bisherigen Indikator «Arzneimittelkosten im Vorjahr» und berücksichtigt einige Faktoren mehr. Dadurch wird die bisherige Tendenz – günstige Kassen zahlen viel in den Risikoausgleich, teure Kassen erhalten Beiträge – zusätzlich verstärkt.

Der zweite von Sprecher Matthias Müller aufgeführte Faktor betrifft den fixen Frankenbetrag, um den die Prämien jeweils erhöht oder gesenkt werden. «Gemäss gesetzlicher Vorgabe dürfen die Kassen nur einen fixen Frankenbetrag rabattieren», sagt Müller. Das Gleiche gilt für die Teuerung.

Konkret heisst das: Egal ob die Prämie bei 400 oder 600 Franken liegt, die Teuerung beträgt immer den gleichen Betrag, beispielsweise 6 Franken. Prozentual wirkt sich das auf die günstigeren Prämien – also hohen Franchisen – stärker aus. Birrer sieht darin eine grosse Ungerechtigkeit: «Erstaunlicherweise werden wohl die Personen besonders bestraft, welche bereits versuchen, die Prämien niedrig zu halten.»

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