Bettelgruppe

Deshalb verhängt die Gassenküche Basel gegenüber den Bettlerinnen und Bettlern vom Wettsteinplatz ein Hausverbot

Hausverbot: Die Bettelgruppe vom Wettsteinplatz ist in der Gassenküche nicht mehr erlaubt. (Symbolbild)

Hausverbot: Die Bettelgruppe vom Wettsteinplatz ist in der Gassenküche nicht mehr erlaubt. (Symbolbild)

«Niemer muess hungrig zum Huus uss», heisst es auf der Homepage der Gassenküche Basel. Seit letztem Freitag stimmt das nicht mehr, denn die Gassenküche verteilt den Bettlerinnen und Bettlern, die sich beim Wettsteinplatz niedergelassen hat, kein Essen mehr. Grund dafür ist laut den Verantwortlichen des Angebots das Benehmen der Personen.

Nachdem sich Politik, Polizei und verschiedene Medien, darunter auch diese Zeitung, ausführlich zum Thema geäussert haben, erhält das Trauerspiel um eine Gruppe Bettlerinnen und Bettler, die seit kurzem in Basel weilen, eine Fortsetzung. Im Zentrum steht die Gassenküche Basel, eine der wichtigsten Anlaufstellen für Personen, die in Not geraten sind. Im Haus am Lindenberg 21, gleich neben dem Restaurant Hirscheneck, können Bedürftige von Montag bis Freitag gratis frühstücken, am Abend ein vollständiges Menü für drei Franken geniessen oder gratis eine Suppe essen. Am Sonntag findet jeweils ein Brunch statt – ebenfalls kostenlos. Finanziert wird das Angebot durch Spendengelder von öffentlichen Organisationen, Stiftungen, Privatpersonen und kirchlichen Institutionen.

Der Leiter der Gassenküche, Andy Bensegger, ist betroffen: «Wir wissen gar nicht, wie wir damit umgehen sollen.» Die Gruppe Durchreisender, die sich seit mehreren Wochen im Raum Wettsteinplatz und Theodorskirche aufhält, hätte sich nicht an die Regeln der Gassenküche gehalten. Dazu gehört etwa, sich in die Schlange zu stellen und zu warten, bis man an der Reihe ist. Die Mitarbeitenden der Gassenküche hätten mehrfach versucht, ihnen zu erklären, wie sie sich verhalten müssten, um den Betrieb und die anderen Gäste nicht zu stören. Vergeblich: «Es war ein totales Chaos», so Bensegger. So sei nicht nur ihr Verhalten beim Anstehen für Essen «unmöglich» gewesen, den anderen Gästen seien auch noch persönliche Gegenstände entwendet worden. Was laut Bensegger auf die Kappe der Bettelgruppe gehe. «Einer unserer Stammgäste hat seinen Stock einmal kurz an die Wand gestellt, um fürs Essen anzustehen. Als er sich umdrehte, war der Stock weg.»

Bensegger bedauert nicht nur, dass die Kommunikation mit der Grossfamilie, die seit kurzem in Basel weilt, nicht funktioniert. Er befürchtet, dass so auch die Ressentiments gegen Bettler und Fahrende in der Bevölkerung zunehmen. Zu Unrecht, denn es gäbe viele, die seit Jahren nach Basel kommen und mit denen es keine Probleme gäbe: «Anderen Personen konnten wir erklären, was geht und was nicht, und es hat funktioniert.»

Die Aussprache eines Hausverbots ist eine extreme Massnahme, da in der Gassenküche grundsätzlich alle Personen willkommen sind. «Es wird weder nach Herkunft der Gäste noch nach Gründen für deren Besuch gefragt», heisst es auf der Homepage.

Keine Probleme beim Treffpunkt Glaibasel

Bei ähnlichen Angeboten wie etwa dem Mittagstisch des «Treffpunkts Glaibasel» hat man diese Probleme nicht. Geschäftsführer Hüseyin Haskaya will keine Angaben dazu machen, ob in letzter Zeit mehr Bettlerinnen und Bettler als sonst auftauchen. «Wir fragen die Leute, die bei uns verkehren, nicht, wie sie sich finanzieren», sagt er. «Wenn jemand essen möchte, dann geben wir ihm eine Mahlzeit.»
Haskaya beobachtet dafür eine Zunahme der Nachfrage. Seit dem Lockdown habe die Anzahl der Personen, die das Mittagsangebot wahrnehmen, stark zugenommen. Heute verteilt der «Treffpunkt Glaibasel» ungefähr doppelt so viele Mahlzeiten wie zu Vor-Coronazeiten.

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