Basel

Designer-Duo beschert Basel ein chinesisches Neujahr

Simon Hänggi ist die eine Hälfte der Visual Pilots, die den Drachen in der Kaserne konstruiert haben. zvg

Simon Hänggi ist die eine Hälfte der Visual Pilots, die den Drachen in der Kaserne konstruiert haben. zvg

Zwei Basler Designkünstler feiern zum Jahreswechsel ihre erste gemeinsame Heimarbeit. Simon Hänggi und Christoph Thüer haben die Kaserne in eine chinesische Erlebniswelt verwandelt. Bei den Besuchern kommt die Dekoration gut an.

Gut 1800 Leute stürmten an Weihnachten die Vernissage der «Chinese New Year»-Installation von Simon Hänggi und Christoph Thüer. Lockvogel für den ausverkauften Massenauflauf war die traditionelle Weihnachts-Party. Wer ein Ticket ergattert hatte, dessen Kopf drehte: Hänggi und Thüer haben die Kaserne in eine rot-goldene chinesische Erlebniswelt verwandelt.

Interaktive Welten schaffen

Die Designkünstler, die sich lieber als Macher bezeichnen und vor allem in London (Hänggi) und Mailand (Thüer) wirken, sind vereint als Visual Pilots. Sie frönen dem kreativen Kombinieren digitaler und analoger Mittel, um Raumwelten zu schaffen. «Wir wollen Erlebnisräume gestalten, die den Besuchern den Kopf verdrehen und sie interaktiv einbinden», so Hänggi. Ihre erste Installation «Time Shifting Maze» präsentierten sie im Sommer an einer Ausstellung für digitale Kunst in East London. Dort kreierten sie ein mit digitalen Mitteln erweitertes Spiegelkabinett. Die Besucher verloren sich dank Filmprojektionen ihrer selbst in endlosen Spiegelreflexionen.

An die Themse verschlug es Hänggi, weil eine Firma dort 2005 seine Hyperwerk Abschluss-Arbeit aufkaufte, eine interaktive Bar, die wie ein Touchscreen funktioniert. Hänggi hat einen Teil des Bühnendekors der Talent-Show «X-Factor» und den Jurorentisch von «Britain’s got Talent» entwickelt. Thüer spezialisierte sich nach dem Architektur-Studium auf Interaction Design.

Als Vorgabe für ihr erstes Heimspiel in der Kaserne bekamen die Visual Pilots das Motto «Chinese New Year». Sie begnügten sich aber nicht damit, einen animierten Lampion-Baldachin mit 300 fernöstlichen Leuchten zu kreieren. Nebst der klassischen Deko schlängelt in der Reithalle ein 20 Meter langer Drache mit Laserblick und Motoren getriebener Marionettenaufhängung durch die Luft. Dem Disco-Gebot «God is a DJ» entsprechend, thronen die Plattenspieler auf einer Kanzel vor einer Tempelprojektion mit wechselndem Tag-Nacht-Himmel, Feuerwerk inklusive.

Eine pompöse und opulente Partykulisse. «In der Reithalle steckt ein Grossteil, der 10 000 Franken Materialkosten», gesteht Hänggi. «Unser liebstes Stück ist aber der Schattenkubus im Rossstall» – eine Art Laterne, bei der chinesische Motive über die Leinwand ziehen, wie in einem Schattentheater. Der Voyeurblick durch das Visual-Pilots-Guckloch, legt das komplexe Innenleben bloss. Der Leuchtwürfel ist vollgestopft mit 30 chinesischen Scherenschnitten, unzähligen kleinen Motoren und LED-Lampen, die über zwei Laptops gesteuert werden. Hänggi: «Das Programmieren benötigt einen Bruchteil der Zeit, die wir für das Eruieren der richtigen Materialien und das Konstruieren benötigen.»

Jährlicher Partyhöhepunkt

Angereichert mit Materialen aus dem Fundus des Theater Basel und installiert in zwei Wochen Tag- und Nachtschichten, ist die Kaserne nun gerüstet für den Partyhöhepunkt des Jahres. «Weihnachten und Silvester sind unsere grössten Anlässe und wir legen seit Jahren Wert auf aussergewöhnliches Dekor. Das Feedback der Besucher ist dieses Jahres aber sehr positiv», sagt der musikalische Leiter Sandro Bernasconi.

Die Kaserne ist zufrieden. Die Visual Pilots suchen nun Sponsoren, damit während der nächsten Art Basel in der Kaserne eine Weiterentwicklung ihres Spiegelkabinetts präsentiert werden kann. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr.

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