Die Arbeiten wecken bei vielen Politikern den Wunsch, den Platz nicht nur zu erneuern und behindertengerecht umzubauen, sondern auch neu zu denken. Trotz einer Reihe von Vorstössen im Parlament wollte Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels davon aber bisher nichts wissen. Ab Ende März wird der Platz für Monate zur Grossbaustelle, weil die BVB die alten Gleise ersetzen müssen.

Nun schaltet sich die Neue Gruppe Bahnhof in die Debatte ein. Für deren Präsidenten, CVP-Grossrat Oswald Inglin, findet in der Debatte über den Bahnhofsplatz ein Aspekt zu wenig Beachtung: die mittelfristige Entwicklung des Verkehrsknotens. Der Pendlerdruck auf dem Bahnhofsplatz werde sich zwangsläufig entspannen, ist sich Inglin sicher. Dann nämlich, wenn die Passagiere nicht mehr alle zum Hauptausgang hinausströmen, sondern sich auf verschiedene Ausgänge verteilen.

Neue Überführungen

Denn auch die Passerelle stösst an ihre Kapazitätsgrenze. Definitiv beschlossen sind zwar noch keine Massnahmen. Allerdings zeichnen sich einige Ideen schon sehr klar ab: Die schnellste Variante wäre die Öffnung der alten Personenunterführung. Diese wäre allerdings nur eine provisorische Massnahme. Die SBB haben andere Pläne für die Unterführung.

Mittelfristig soll beim geplanten Grossprojekt Nauentor am Ostende des Bahnhofs eine breit angelegte Passage für Fussgänger und Velos entstehen. Die neue Hochhaus-Überbauung anstelle des in die Jahre gekommenen Postbetriebsgebäudes soll mit einer Verbindung einen neuen Übergang schaffen. Angedacht sind auch Veloparkplätze und direkte Zugänge zu den Geleisen.

Und auch auf der Westseite des Bahnhofs ist einiges im Tun. Schon länger diskutiert wird eine neue Passerelle oder Unterführung vom gerade im Entstehen begriffenen Meret-Oppenheim-Platz zum Elsässertor – dem verglasten Bau von Herzog & de Meuron. Ebenfalls geplant ist die Verbreiterung der Margarethenbrücke zu einem eigentlichen Margarethenplatz mit Abgängen zu den Geleisen und Tramhaltestelle auf dem Platz.

Die bereits bekannte Idee bekam im Zusammenhang mit der als Herzstück bekannten S-Bahn-Durchmesserlinie wieder neuen Schub. Verkehrsplaner rechnen damit, dass das Passagieraufkommen dort dereinst gleich hoch sein dürfte wie beim Centralbahnplatz.

Städtebauliche Probleme

Die geplanten neuen Zugänge würden die Situation am Bahnhof SBB massiv verändern. Wenn sich die Pendlerströme verteilen, wird der Centralbahnplatz entlastet. Gleichzeitig müssen sich die Verantwortlichen überlegen, wie sie mit den neuen Herausforderungen an der Margarethen- und Viaduktstrasse umgehen. Denn die engen und oft von Velos verstellten Trottoirs rund um die Markthalle sind für grössere Menschenmengen nicht gerüstet. «Im besten Fall entsteht westlich ein zweiter Centralbahnplatz, der mit dem bisherigen verschmilzt», sagt Inglin. Dieser wäre deutlich breiter als heute, aber ginge weniger in die Tiefe (in der Grafik violett markiert).

Diese Überlegungen macht sich zurzeit auch Beat Aeberhard. Der Kantonsbaumeister erstellt mit seinen Leuten ein Entwicklungskonzept «Stadtraum Basel SBB». «Es besteht die Gefahr, dass man die Gesamtthematik aus den Augen verliert, wenn man nur den Centralbahnplatz anschaut», sagt er. Bis Ende Jahr soll die Auslegeordnung für den Bahnhof vorliegen.

Neben verkehrstechnischen Fragen beschäftigen Aeberhard vor allem auch städtebauliche Aspekte. «Man muss von der Vorstellung wegkommen, dass es nur einen Haupteingang gibt.» Zwar bliebe der Centralbahnplatz das Aushängeschild des Bahnhofs, «aber wir können nicht alle Herausforderungen der Pendlerströme an diesem einen Ort lösen.» Eine der wichtigsten Fragen sei, wie und wo die Passantenströme vom Bahnhof her im Stadtraum ankommen. Entsprechend müsse man etwa auch über eine Aufwertung des Bereichs vor der Markthalle oder in der Inneren Margarethenstrasse bis zur Heuwaage nachdenken.