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Deutsche AKW-Studie stellt schwere Mängel bei Fessenheim und Beznau fest

Das Elsässer AKW Fessenheim liegt 40 Kilometer nördlich von Basel. Im Hintergrund die Vogesen.

Das Elsässer AKW Fessenheim liegt 40 Kilometer nördlich von Basel. Im Hintergrund die Vogesen.

Das Elsässer AKW und auch Beznau im Aargau wären in Deutschland bereits abgestellt. Laut einem Sicherheitsgutachten von Baden-Würtemberg genügen die Anlagen deutschen Standards nicht. Schweizer AKW-Gegner sind nicht überrascht und erwägen eine Klage gegen Beznau.

Den Elsässer AKW-Gegnern kam die Untersuchung gerade recht. Als sie letzten Donnerstag in Paris die französischen Medien über die Gefahren des Atomkraftwerks Fessenheim aufklären wollten, legten sie auch die französischsprachige Zusammenfassung einer Studie vor, die gravierende Sicherheitsmängel am elsässischen AKW belegte.

Ähnlich schlecht schnitt darin das Aargauer AKW Beznau ab. Das baden-württembergische Umweltministerium hatte das Sicherheitsgutachten zu den beiden Atomkraftwerken beim Öko-Institut und dem Physikerbüro Bremen in Auftrag gegeben. Begründung: «Beide Anlagen gehören zu den ältesten Europas und liegen in unmittelbarer Grenznähe zu Baden-Württemberg», so die Medienmitteilung.

Nach deutschem Massstab

Weiter heisst es: «Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass beide Anlagen in den fünf untersuchten Bereichen - Erdbeben, Überflutung, Brennelement-Lagerbecken, elektrische Energieversorgung und Kühlwasserversorgung - wesentliche sicherheitstechnische Schwachstellen haben.» Für ihre Untersuchung haben sich die beiden Büros vor allem auf die Unterlagen gestützt, die Betreiber und Aufsichtsbehörden der beiden AKW im Rahmen des EU-Stresstests erstellt und veröffentlich haben. Da die EU keine Sicherheitsmassstäbe vorgibt, wurden die Informationen nach deutschem Massstab bewertet.

Franz Untersteller, Umweltminister der rot-grünen baden-württembergischen Regierung, zeigte sich «nicht überrascht, aber alarmiert» und urteilte: «Unsere Befürchtung, dass Fessenheim und Beznau nicht die erforderlichen Sicherheitsstandards erfüllen, hat sich bestätigt. Beide Kraftwerke liegen in den meisten relevanten Bereichen hinter dem Sicherheitsstandard deutscher Anlagen zurück - zum Teil selbst derjenigen, die wir nach Fukushima aus Sicherheitsgründen abgeschaltet haben.» In Baden-Württemberg wurden Philippsburg 1, nördlich von Karlsruhe, und Neckarwestheim 1, südlich von Heilbronn, vom Netz genommen.

Altersschwache Anlage Beznau

Rudolf Rechsteiner, Vizepräsident des Trinationalen Atomschutzbandes Tras, der gegen das AKW Fessenheim klagt, zeigte sich «gar nicht überrascht» über die Kritik an Beznau: «Mit Radioaktivität gibt es keine Kompromisse. Das Werk ist überfällig. Wenn Kühlwasser austritt, fliesst es in den Rhein, aus dem Basel zu 90 Prozent sein Trinkwasser gewinnt.» In einer Medienmitteilung zu dem deutschen Gutachten verlangt der Atomschutzverband «die sofortige Stilllegung der altersschwachen Anlagen in Beznau«.

Beznau liegt rund 50 Kilometer östlich von Basel; die beiden Blocks wurden 1969 und 1971 in Betrieb genommen. Beznau ist somit derzeit das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt. Fessenheim, rund 40 Kilometer nördlich, begann 1977 Elektrizität zu produzieren.

Rechsteiner kündigte an, dass Tras in Zukunft auch gegen Schweizer AKW klagen werde. Mit der Schweizer Entscheidung, aus der Atomkraft auszusteigen und neuen finanziellen Möglichkeiten des Verbands seien die Voraussetzungen dafür gegeben. Allerdings gelte es noch ein Bundesgerichtsurteil über die Legitimation derartiger Klagen abzuwarten, das bis spätestens Juni 2013 vorliegen müsse. «Vorher werden wir selber keine Gutachten in Auftrag geben.»

Laut Frank Lorho, stellvertretender Mediensprecher des Umweltministeriums, hat die Studie des Öko-Instituts einen hohen fünfstelligen Euro-Betrag gekostet; genauer wollte er sich nicht äussern. Rudolf Rechsteiner beurteilt die Studie nicht nur positiv. Das Problem daran sei, dass sie sich hauptsächlich auf die Unterlagen der Stresstests beziehe und dass ausschliesslich an deutschen Standards gemessen werde. «Das könnte arrogant wirken.»

Fessenheim abschalten

Umweltminister Untersteller setzt sich, vielleicht auch deshalb, für einen europaweit einheitlichen Sicherheitsstandard und, «endlich einen hohen Bewertungsmassstab zu entwickeln, der eine sicherheitstechnische Gesamtbewertung jeder einzelnen Anlage erlaube.» Klar ist für ihn, dass Fessenheim so früh wie möglich abgeschaltet gehöre.

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