Beauftragter der Konzernleitung für die deutschen Eisenbahnstrecken auf Schweizer Gebiet ist seit September 1998 Jürgen Lange. Er äussert sich im Interview zur Entwicklung des Badischen Bahnhofs.

Herr Lange, der Badische Bahnhof steht unter Denkmalschutz. Wie kam es dazu?

Jürgen Lange: In den Siebzigerjahren gab es eine Diskussion über die Bahnsteighallen, die russig, rostig und instandsetzungsbedürftig waren. Die Bahn hat sich damals entschlossen, sie abzureissen. Der Kanton Basel-Stadt hätte sich gewünscht, die Perronhallen zu erhalten. Damit die DB am Gebäude nichts mehr verändert, hat er in den Achtzigerjahren vorsorglich den Bahnhof unter Denkmalschutz gestellt.

Wie sehen Sie das heute? Eher positiv oder negativ?

Der Denkmalschutz schränkt immer ein bisschen ein, weil die Bausubstanz zu erhalten ist. Aber wir können gut damit leben und sind natürlich auch ein bisschen stolz auf das schöne Bahnhofsgebäude. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und wir haben bereits gemeinsam einige Projekte verwirklicht.

Was zum Beispiel?

Die Sanierung der Schalterhalle mit dem schönen Kronleuchter, die sich damals über drei Jahre hingezogen hat und 2005 fertig war. Wo früher die Zollanlagen waren, ist heute eine Einkaufszeile. Für die Reisenden ist das natürlich attraktiver.

Sollen die Perrons wieder überdacht werden?

Wir werden immer wieder, auch vom Kanton, daran erinnert, dass man das verbessern könnte. Letztlich ist es eine Kostenfrage. Wir schliessen es nicht aus, sehen im Moment aber keinen dringenden Bedarf. Die vorhandenen Dächer sind die nächsten 20 Jahre noch lebensfähig.

Begrüssen Sie die Veränderungen, die im Entwicklungskonzept Badischer Bahnhof angesprochen werden?

Wir sind sehr interessiert daran und haben das Konzept selber mit angestossen. Die Empfangshalle des Bahnhofs ist jetzt für die Reisenden ansprechend gestaltet, aber zu einem Eingangstor zur Stadt gehört mehr. Der Bahnhofsvorplatz ist leider noch von wild abgestellten Fahrrädern geprägt. Ausserdem fragt sich jeder Reisende, der das erste Mal hier ankommt: «Wo geht es zur Stadt?»

Wo sollen die Velos denn hin?

Darüber zerbrechen wir uns auch schon seit Jahren den Kopf. Es bietet sich an, auf der Seite eine Velostation zu bauen, ein Velosilo in einem Extragebäude. Das wäre in Richtung des Parkhauses. Das wird aber recht teuer. Die andere Variante ist, im Untergeschoss des Bahnhofs ein Schliessfach anzubieten. Sie bringen Ihr Velo ins Schliessfach, werfen vielleicht einen Franken ein und dann verschwindet es im grossen Lager. Am Abend können Sie es mit Eingabe eines Codes wieder holen. Das ist die Vision.

Das Entwicklungskonzept schlägt eine stärkere wirtschaftliche Nutzung des Bahnhofs vor. Wo ist überhaupt Platz dafür?

Wir denken an den Flügel von der Schalterhalle in Richtung Süden. Dort könnte man die Räume anders ordnen und sie durch einen bestehenden Quergang erschliessen.

Was bedeutet das für kulturelle Einrichtungen wie das Förnbacher Theater?

Theater wie übrigens auch das Gare du Nord sind temporäre Einrichtungen, die vom Kanton geduldet werden, weil sie nicht zonenkonform eingerichtet sind. Mit Förnbacher vereinbaren wir immer eine zeitlich begrenzte Nutzung. Für den Zeitpunkt danach bietet sich ein Umbau an. Auf Dauer kann man die Räume in einem Bahnhof sinnvoller und zweckmässiger als für ein Theater nutzen. Wir wollen nicht gegen Kultur abwägen, aber es war von vornherein klar, dass es eine temporäre Einrichtung ist. Das Gare du Nord war früher das Buffet. Im Moment bietet sich keine Nachnutzungsidee an. Der Raum ist auch sehr gross.

Das Hirzbrunnen-Quartier und Im Surinam sollen Zugänge zum Bahnhof erhalten. Ist das aufgrund der Zollproblematik realistisch?

Weil die Schweiz dem Schengen-Abkommen beigetreten ist, wurde die ganze Grenzabwicklung wesentlich vereinfacht. Vieles ist in die Züge verlagert und der Bahnhof gegenüber früher recht offen geworden. Jetzt bietet sich die Möglichkeit zu überlegen, ob wir ihn von der anderen Seite öffnen können, nicht nur Richtung Stadtmitte. Realistisch ist, dass eine der zwei bestehenden Achsen geöffnet wird. Zum Bahnhofsjubiläum im September nehmen wir den südlichen Zu- und Abgang auf die Gleise, der in der Verlängerung der Rosentalstrasse liegt, wieder in Betrieb. Diese Unterführung ist etwas schmaler als die bestehende. Sie verkürzt für die Pendler die Wege zum Tram. Denkbar wäre es, später in Verlängerung der südlichen oder der nördlichen Unterführung einen Durchstich zum Quartier zu machen. Favorit ist die derzeitige Hauptunterführung. Das wäre eine Chance, den Bahnhof für zusätzliche Reisende und für Personen zu erschliessen, die dort einkaufen wollen.

Was soll sich vor dem Bahnhof tun?

Es ist vorgesehen, von der Erlenmatt eine neue Tramlinie herzuführen. Damit wird auch die Schwarzwaldallee neu gestaltet. Die bestehenden Brunnen rücken näher zum Bahnhof und der Platz dazwischen wird ein Fussgängerplatz ähnlich dem Centralbahnplatz – ein offener Platz mit wohl weniger Fahrzeugen als heute.