Die Basler Jobmaschine läuft und läuft. So wurden zwischen Ende 1999 und Ende 2013 allein für Grenzgänger über 7500 neue Arbeitsplätze geschaffen.

In schöner Regelmässigkeit stieg die Zahl der deutschen Grenzgänger, diejenige der Elsässer allerdings stagnierte. Ihre Zahl nahm in den letzten 14 Jahren um gerade mal knapp 200 zu, die der Deutschen hingegen um über 7000.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Elsässer sprechen immer schlechter Deutsch und auch der Dialekt ist auf dem absteigenden Ast.

Das Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt bringt dies in einer Untersuchung über Grenzgänger im Oberrheingebiet auf den Punkt: «Vergleicht man die Zahlen über einen Zeitraum von zehn Jahren, fällt auf, dass die Grenzgängerströme von Frankreich nach Deutschland rückläufig sind, wohingegen die Zahl der Berufspendler in die Nordwestschweiz kontinuierlich steigt. Hier allerdings mehr aus Baden als aus dem Elsass. Da jedoch der Grenzgängerstrom von Frankreich in die französischsprachigen Teile der Schweiz wächst, lässt dies die Vermutung zu, dass die Sprache eine grosse Hürde bei der Entstehung eines gemeinsamen Arbeitsmarktes am Oberrhein bildet.»

Anteil der Elsässer geht zurück

Für Thomas Staehelin, Präsident der Handelskammer beider Basel, ist klar: «Die Elsässer lernen immer weniger Deutsch und sprechen weniger Elsässisch. Das kann bei Einstellungen in Unternehmen zu Schwierigkeiten führen.» Er fährt fort: «Wir haben schon früher gesehen, dass der Anteil der Elsässer im Verhältnis zu den Deutschen zurückgeht und klar festgestellt, dass dies mehr und mehr eine Frage der Sprache ist.»

Die Entwicklung betrifft die ganze Region Basel. Laut Rainer Füeg, langjähriger Autor der Wirtschaftsstudie Nordwestschweiz, beträgt die Zahl der Grenzgänger in der Nordwestschweiz 60 000.

Definiert wird sie als der Raum Basel-Stadt, Baselland, Fricktal, Thierstein/Dorneck. Auch er kommt zum Schluss: «Wie bereits in den Vorjahren nahm die Zahl der Grenzgänger aus Deutschland mit +4,5 % weit stärker zu als die Zahl der Grenzgänger aus Frankreich, welche nur noch um 0,6 % wuchs.»

Insbesondere für das Elsass, das unter dem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit junger Menschen leidet, ist der Rückgang der Deutsch- und Dialektkenntnisse ein Problem. Dabei suchen die Partner in Baden, Südpfalz und der Nordwestschweiz händeringend nach Facharbeitern.

Sollten die Sprachkenntnisse der Elsässer weiter abnehmen, fehlt der Region Basel ein bedeutendes Arbeitskräfte-Reservoir; laut Füeg arbeiteten in den beiden Basel Ende 2012 immerhin 28 600 Elsässer. Wie sollen diese Stellen besetzt werden, wenn die Elsässer kein Deutsch mehr verstehen und sprechen?

Die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern am Oberrhein nahmen die Situation zum Anlass, um bei ihrem letzten Spitzentreffen im Sommer 2013 eine Erklärung zur Förderung der Zweisprachigkeit zu unterschreiben.

In ihrem Appell an die betreffenden politischen Verantwortlichen forderten sie diese auf, «eine ehrgeizigere Sprachpolitik am Oberrhein» umzusetzen, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der drei Regionen zu stärken.

Ziel ist es, die Oberrheinschiene mit der Zeit «zu einem sprachlichen Exzellenzzentrum» zu entwickeln. Weiter heisst es: «Diese Besonderheit, die Sprache des Nachbarn zu beherrschen, ist heutzutage davon bedroht, allmählich zu verschwinden und verlangt demzufolge nach einer angemessenen Antwort.»

Breiter Konsens für Deutsch

Im Elsass rennen die Kammern mit ihrem Appell offene Türen ein. War die Diskussion um die Zweisprachigkeit und den Dialekt lange Jahrzehnte stark ideologisch geprägt, gibt es heute unter den Politikern einen breiten Konsens, den Deutschunterricht auf den unterschiedlichsten Stufen auszubauen.

Das Engagement für die Zweisprachigkeit wird nicht mehr als flammende Stellungnahme gegen den Pariser Zentralismus verstanden, der dem Elsass seine Identität rauben will, sondern als wirtschaftliche Chance.

Derzeit gehen 21 700 Schüler vom Kindergarten bis zur Primarschule in zweisprachige Klassen, das sind zwölf Prozent der Schüler. Die Hälfte des Unterrichts erfolgt auf Deutsch. «Ursprünglich wollten wir die Zahl von 2007 bis 2013 von 14 000 auf 28 000 verdoppeln.

Das Problem ist, dass beim Übergang in die weiterführenden Schulstufen viele abspringen», erklärt Pascale Schmidiger, bei der Region Elsass Vizepräsidentin der Kommission zu Zweisprachigkeit und Ausbildung.

Schwierig gestalte es sich auch, kompetente Lehrkräfte für zweisprachigen Unterricht zu finden. Man arbeite intensiv daran, die Probleme zu lösen. Sie verweist auch darauf, dass in den normalen Schulklassen in der Regel drei Stunden Deutsch pro Woche unterrichtet wird.

Eine Fülle von Angeboten

Auch für die Erwachsenen besteht eine Fülle von Angeboten, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. In Kehl bei Strassburg gibt es eine deutsch-französische Arbeitsagentur und seit September 2013 ermöglicht es ein neues Programm elsässischen Jugendlichen, ihre theoretische Ausbildung weiter in Frankreich zu machen, aber für den praktischen Teil eine Lehrstelle in Baden anzunehmen.

Laut der Region Elsass stehen derzeit 100 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Die Region Elsass hat für Massnahmen im Rahmen der grenzübergreifenden Berufsausbildung ein Budget von vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Thomas Staehelin ist sich bewusst, dass die Nordwestschweiz bei vielen dieser Projekte aussen vor bleibt. «Das ist eine Konsequenz der deutsch-französischen Integration. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird es uns nicht einfacher machen.»

Gleichzeitig sieht er das Hauptproblem beim schweren Stand des Elsässischen. «Wenn der Dialekt in den Familien nicht mehr gesprochen wird, können Sie in der Schule so viel machen, wie Sie wollen. Das hat nie die gleiche Wirkung.» Pascale Schmidiger, die in Saint-Louis lebt, weiss das aus eigener Erfahrung. «Zu Hause haben wir Französisch gesprochen. Das Elsässisch wird innerhalb der Familie nicht mehr weitergegeben. Der Verlust des Dialekts führt zur Verarmung der Deutschkenntnisse.»

Dennoch gibt Thomas Staehelin die Hoffnung nicht auf, dass der Dialekt mit der nächsten Generation vielleicht wiederkommt.