Handel

Deutsche hoffen auf Schweizer – Doch kommen die Einkaufstouristen überhaupt?

Shoppen in Deutschland ist in drei Tagen wieder möglich. Die Detailhändler sind aber skeptisch, ob die Einkaufstouristen dann auch kommen.

Am Montag ist der langersehnte Moment da: Die Grenzen zu Deutschland und Frankreich gehen wieder auf. Die Gemeinden Riehen und Lörrach haben sogar einen Festakt organisiert. Mit der Öffnung wird auch der Einkaufstourismus im nahegelegenen und günstigen Deutschland wieder möglich. Die grosse Frage lautet: Strömen die Schweizer gleich Anfang Woche in Scharen über die Grenze? Die deutschen Detailhändler und Gastronomen würde es freuen, fehlt die Schweizer Kundschaft doch schmerzhaft. Der Einzelhandel generierte laut der Industrie- und Handelskammer Hochrhein 2019 zwischen Weil am Rhein und Konstanz einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Viele rechnen aber nicht mit einem explosionsartigen Ansturm, sondern eher mit einer kontinuierlichen Zunahme. Die Hoffnung auf die Schweizer ist aber trotz zurückhaltender Erwartung gross.

Die Mitarbeiter im Drogeriemarkt «dm» im Rheincenter sind sich unschlüssig, ob sie gleich am Montag von Kundschaft überrannt werden. Besondere Vorkehrungen haben sie aber nicht getroffen, auch keine speziellen Rabatte geschalten. «Für uns ist das ein ganz normaler Arbeitstag mit den gewohnten Sicherheitsvorkehrungen», sagt Filialleiterin Suzana Dulabic auf Anfrage.

Schweizer sind entspannt

Diese Sicherheitsmassnahmen sind denn auch mitverantwortlich dafür, weshalb man auch auf Schweizer Seite dem Montag eher gelassen entgegensieht und nicht damit rechnet, dass am Tag X gleich alle Schweizer wieder nach Deutschland zum Einkaufen gehen. Denn anders als in der Schweiz gilt beim nördlichen Nachbarn Maskenpflicht in Läden und Einkaufszentren. Mathias F. Böhm von Pro Innerstadt Basel kann sich sogar vorstellen, dass Deutsche und Elsässer nach Basel zum Einkaufen kommen, weil die Situation hier weniger angespannt ist.

Das Einkaufen jenseits der Grenze wird aber früher oder später wieder anziehen, das ist für Böhm klar: «Der Grenztourismus ist eine Realität, da kann man nicht viel dagegen machen.» Grundsätzlich sei die Stimmung aber positiv: «Auch wenn jetzt einige Kunden wieder wegfallen werden, ist man vor allem froh, dass man überhaupt wieder öffnen darf», sagt Böhm.

Keine Rabattschlacht zu erwarten

Um die Schweizer davon abzuhalten ihre Einkaufstaschen im Ausland zu füllen, reagiert der Detailhandel in der Region auch nicht mit besonderen Aktionen. Eine Rabattschlacht am Montag ist also nicht zu erwarten.

Auch die Migros Basel hat für den Tag der Grenzöffnungen nichts Besonderes geplant. Zwar rechne man damit, dass es nun einen Teil der Kundschaft, die zuletzt vermehrt in der Migros eingekauft hat, wieder nach Deutschland zieht. Aufgrund der momentanen Umstände geht man aber davon aus, dass die Leute erst einmal in der Region bleiben. «Das Einkaufserlebnis ist momentan einfach nicht das gleiche. », sagt Migros-Sprecher Moritz Weisskopf.

Auch Gastronomen erwarten die Schweizer

Auch die Gastronomen im deutschen Grenzgebiet warten sehnsüchtig auf den Montag: «Die Schweizer fehlen absolut. Ich bin gottfroh, wenn der 15. Juni da ist», sagt Gastronomin und Hotelière Alexandra Mussler vom «Storchen» in Rheinfelden-Riedmatt, nur 200 Meter vom Rhein und damit von der Schweizer Grenze entfernt. Die Restaurants und Wirtshäuser im südbadischen Raum sind bekanntermassen stark abhängig von Schweizer Kunden. Ob diese wirklich kommen, da sind sich die Gastronomen aber nicht so sicher.

Christian Herzog, mit seinem Ringhotel Goldener Knopf in Bad Säckingen direkt am Rheinufer und nur 50 Meter von der historischen Holzbrücke zur Schweiz entfernt, rechnet nicht damit, dass die Schweizer gleich nach Grenzöffnung in Scharen nach Deutschland strömen: «Aber ich hoffe auf eine gewisse Reisefreudigkeit.» Hemmend für einen Beizenbesuch in Deutschland könnten für Schweizer die Sicherheitsmassnahmen wirken. Anders als in der Schweiz, ist man bezüglich Kontakterfassung sehr konsequent. Ohne seinen Namen und die Adresse zu hinterlegen, bekommt man keinen Tisch.

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