Über die deutschen Autobahnen A5 und A98 ist man in wenigen Minuten in Binzen oder Lörrach-Haagen bei den Baumärkten Hornbach und Bauhaus. Für Schweizer Autofahrer wird der Einkauf bei den deutschen Nachbarn voraussichtlich ab Herbst 2017 teurer – mit der für dann geplanten Einführung der Auto-Maut kostet eine Jahresvignette bis zu 130 Euro. Das sind umgerechnet über 140 Franken und das Mehrfache einer Schweizer Vignette von 40 Franken. Töfffahrer, Behinderte und Elektroautos sind von der Abgabe befreit.

Folge dürfte sein, dass etliche Schweizer Autofahrer versuchen werden, die deutsche Autobahn zu umfahren. Entgegen früherer Pläne müssen ausländische Autofahrer nur für Autobahnen zahlen. Die Benutzung kleinerer Grenzübergänge wie der Zoll Otterbach oder Hiltalingerstrasse, beide nach Weil am Rhein, bleibt gratis. Durch den Ausweichverkehr wird das schon heute dort zeitweise bestehende Verkehrschaos zunehmen.

Unterschiedlichste Vignetten

Die Preise für die Vignette sind an den Hubraum und die Umwelteigenschaften des Fahrzeugs gekoppelt – das gilt auch für Ausländer. Je umweltfreundlicher und kleiner der Motor eines Autos ist, desto günstiger wird die Vignette. Deutsche müssen sie, wenn sie ein Auto zugelassen haben, für ein Jahr bezahlen. Für Ausländer gibt es Abstufungen. Neben 10-Tages-Vignetten, die zwischen 2,50 Euro und 20 Euro kosten, sind 2-Monats-Vignetten zwischen 7 und 40 Euro im Angebot. Der Preis für die Jahresvignette beginnt mit bis zu 19,99 Euro und endet bei 130 Euro. Für jedes Angebot bestehen fünf Preisstufen. Im Unterschied zur Schweiz gilt die deutsche Jahresvignette ab Erwerb ein volles Jahr.

Günstiger als geplant

Die Gesetzesvorlage zur Maut soll im Januar stehen und dann von der deutschen Regierung beschlossen werden. Danach muss es noch durch die Parlamente. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt kündigte dies kürzlich in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» an, das sein Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auf seiner Internetseite aufgeschaltet hat.

Die meisten Tarife sind günstiger als geplant und Folge der Verhandlungen Dobrindts mit der EU, die gegen die Maut vorgehen wollte. Auch weil Autofahrer mit sauberen Fahrzeug entlastet werden, hat die EU auf eine Klage verzichtet. Deutsche Autofahrer sollten anfangs sämtliche Kosten der Maut über die Fahrzeugsteuer zurückerstattet bekommen. Jetzt zahlen Autobesitzer mit umweltbelastenden Autos erheblich mehr als diejenigen mit sehr umweltfreundlichen.

Erhoben wird die Maut mittels einer elektronischen Vignette, die Ausländer laut BMVI über das Internet buchen können. Zusätzlich sei die Einbuchung an Vertriebsstellen wie zum Beispiel an Tankstellen möglich. «Die Fahrberechtigung ist mit dem amtlichen Kraftfahrzeugkennzeichen verknüpft», heisst es weiter. Kontrolliert werden sollen die Autofahrer hauptsächlich von mobilen Geräten an wechselnden Standorten. Wer nicht bezahlt und dabei erwischt wird, müsse «harte Sanktionen fürchten», wie Dobrindt im erwähnten Interview sagte.

Lukas Ott, Geschäftsführer des TCS beider Basel, verweist auf den administrativen Aufwand der deutschen Lösung. «Am Anfang wird es einen Run auf den Server geben.» Vorstellbar sei, dass der TCS, wie schon heute andere Vignetten, auch die deutsche Version, anbieten wird. Ein Problem sieht er bei der Bindung an das Kennzeichen. «In der Schweiz haben wir viele Wechselkennzeichen für zwei vom Hubraum unterschiedliche Fahrzeuge wie auch Oldtimer. Da wird sich die Frage stellen, wie man das handhabt.» Ausweichverkehr hält er für möglich.

Positiv könnte sich die geplante Maut auf den Basler Detailhandel auswirken. Mit dem möglichen Verkehrschaos und den Kosten für die Vignette wird es für Autofahrer weniger attraktiv, im nahen Ausland einzukaufen und der Einkaufstourismus teurer.