Gang-Kriminalität

Deutsche Polizei warnt: Hells Angels und United Tribuns treffen in Basel aufeinander

United Tribuns: Die Balkan-Rocker sind in der Schweiz aktiv.

In Deutschland sind sie gefürchtet – jetzt treffen die Rockergruppen Hells Angels und United Tribuns auch in Basel aufeinander. Letztere haben hier ein Chapter gegründet. Die Polizei Baden-Württemberg warnt vor ihrer hohen Gewaltbereitschaft.

Sie nennen sich «United Tribuns» und treten mit ziemlich dicker Hose auf. Im Internet kursieren Videos der Rocker-Gruppe, in denen sie grimmig dreinschauen und aggressive Zeilen rappen. Laut der «Sonntagszeitung» sollen sie sich in Basel niedergelassen haben, also ein Chapter gegründet haben, wie es in der Szene heisst. Das macht Sinn – zumindest geografisch gesehen.

Die United Tribuns wurden 2004 im benachbarten deutschen Bundesland Baden-Württemberg gegründet. Sie setzen sich vor allem aus Secondos aus dem Balkanraum zusammen. «Die Gruppe hat sich aus Türstehern im Rotlichtmilieu und Menschenhandel organisiert», sagt Ulrich Heffner von der Landespolizei Baden-Württemberg. Damit ist auch klar: Die Absichten sind nicht redlich. «Es geht um Macht und Geld. Die United Tribuns können bestimmen, wer herein kommt und wer nicht», sagt Heffner.

(Quelle: youtube.com/H & X Music)

Sell K - Überleg dir 2mal (Youtube-Video der United Tribuns)

Auch Hells Angels in Basel aktiv

Der mutmassliche Gründer der United Tribuns ist ein bosnischer Boxer. Gegen ihn laufen Strafverfahren. Er ist jedoch in sein Heimatland geflüchtet und wird nicht ausgeliefert. «Man muss davon ausgehen, dass er nach wie vor die Geschicke leitet. Er tut dies ziemlich unverhohlen», erklärt Heffner. Die Tribuns stehen in offenem Konflikt mit anderen Rocker-Gangs. In den Badischen Städten Rottweil und Pforzheim kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit einschlägigen Organisationen wie den Black Jackets und den Hells Angels.

Letztere sind in Basel aktiv. Auch die Hells Angels haben hier ein Chapter. Für den Rocker-Experten der deutschen Polizei ist klar: «Konflikte sind programmiert.» Wenn die jüngeren Gruppen auf den Markt drängen, würden sich das die etablierten Gruppen nicht einfach so gefallen lassen. Gerade bei den neuen Rocker-Gruppen sei ein hohes Gewaltpotenzial vorhanden. Neu sei ausserdem, dass jüngere Gangs Konflikte ohne zu Zögern auf offener Strasse austragen, während früher Probleme lieber ohne grosses Aufsehen «gelöst» wurden.

Konflikte in der Schweiz

Die gegen aussen äusserst verschwiegenen Rocker-Gruppen werden in Deutschland intensiv beobachtet. Und auch in Basel ist man auf die United Tribuns aufmerksam geworden. «Der Kantonspolizei Basel-Stadt ist bekannt, dass sich ein Chapter Basel gegründet hat», teilt Martin Schütz, Sprecher der Basler Polizei, mit. Er sagt: «Wenn neue Gruppierungen auftauchen, ist immer eine gewisse Unruhe spürbar. Das birgt ganz grundsätzlich ein Konfliktpotenzial.» Im Gegensatz zu deutschen Städten – wo teilweise ein offener Krieg zwischen den Gangs herrscht – ist es in der Szene in Basel derzeit aber ruhig. Laut der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt laufen zurzeit keine Verfahren, die Rocker-Kriminalität zugeordnet werden können.

Bleibt zu hoffen, dass sich das nicht ändert. Denn Rocker-Konflikte gibt es auch hierzulande. Laut Medienberichten sind viele Schweizer United-Tribuns-Mitglieder Überläufer der Black Jackets. Diese gingen in Zürich und dem Aargau auf Konfrontation mit den Hells Angels – und wurden von diesen aus der Schweiz vertrieben. Die deutschen Behörden jedenfalls versprechen, eng mit den Schweizer Kollegen zusammenzuarbeiten zu wollen.

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